Stelzendorf Ganvie und Sightseeing in Ouidah

Da ich gestern übers Internet herausgefunden hatte, dass Bootsfahrten nach Ganvié erst ab 9 Uhr möglich sind, standen wir nicht zu früh auf. Auf dem Weg zum Kreisel l’étoile rouge gingen wir noch rasch zur Pâtisserie von gestern, doch die Schoggibrötchen waren scheinbar bereits ausverkauft. Wir entschieden uns daher ein Buttergipfeli für 350 Francs zu nehmen, das jedoch nicht so gut wie jenes mit Schokolade schmeckte.

Am Kreise l’étoile rouge mussten wir nicht lange warten, bis wir den Tickettypen eines Minivans “Calavi” schreien hörten. Wir meldeten uns und schon sassen wir drin und die Fahrt ging los. Zwar war es derzeit bewölkt, doch schwül war es trotzdem. Kaum hat man einen Fuss aus der Türe gesetzt, fühlt man sich automatisch dreckig. Die Luft war schlecht und tausende von Motorradfahrern sausten herum. Die Fahrer tragen übrigens Helme und ein gelbes T-shirt, falls sie Passagiere mitnehmen.

Die Fahrt dauerte nicht lange und so wurden wir kurz nach 9 Uhr an der Abzweigung zum Hafen rausgeschmissen. Pro Person haben wir 250 Francs bezahlt. Eine ca. 500m Strasse führt zum kleinen Hafen. Entlang beiden Seiten hat es Shops, am Schluss sogar einen richtigen Markt. Die Leute waren freundlich, viele grüssten uns und die Kinder winkten uns zu.

Willkommensschild Ganvié

Markt am Hafen von Calavi

Eintrittspreise Ganvié

Gleich am Eingang zum Hafen gibt es ein Schild mit den offiziellen Preisen. Ein Typ in traditioneller Kleidung gesellte sich zu uns und liess uns nicht mehr aus den Augen. Gemäss Schild ist im Preis der Besuch, der Guide und das Boot inbegriffen. Da es in einer Gruppe ab 5 Personen günstiger kommt, macht es unter Umständen Sinn zu warten. Wir warteten sicher eine Viertelstunde im Schatten, doch niemand erschien. Touristen gibt es in Benin leider/glücklicherweise nicht wie Sand am Meer, weshalb wir doch zum “Schalter” links nach dem Eingang gingen.

Der Guide von vorhin stand brav neben dem Tickettypen. Sie wollten uns dann weissmachen, dass wir 15’100 Francs bezahlen müssen. 5050 Francs pro Person für das Motorboot plus 5000 Francs für den Guide. Wir wollten keinen Guide, was er nach einer kurzen Diskussion mürrisch akzeptierte. Ich verlangte zudem eine Quittung, damit alles mit rechten Dingen zuging. Der Tickettyp musste den Block aber erst holen gehen.

Der Guide überreichte uns genervt zwei orange Schwimmwesten, fand dann aber später, dass wir die gar nicht benötigen würden. Die Einheimischen dürfen mit einem öffentlichen Boot fahren, das nur 200 Francs pro Person kostet, Touristen nicht. Sogleich marschierten wir mit dem Guide ans Ende des Steges, wo bereits ein Kahn mit Fahrer wartete. Es war knapp 10 Uhr als wir lostuckerten. Es kamen uns erste Boote (generell ohne Motor) mit Einheimischen entgegen oder die Männer waren am Netze auswerfen.

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Stelzendorf Ganvié

Es erinnerte mich stark an Myanmar. Nach vielleicht 20 Minuten hatten wir das Stelzendorf Ganvié erreicht. Unser Guide vermittelte uns eigentlich keine Infos. Er erwähnte etwas von zwei verschiedenen Strecken: einmal mit Stopp bei einem Restaurant und einmal ohne. Wir hatten ja bereits gefrühstückt und hofften, so länger herumtuckern zu können. Nach vielleicht 200m nach dem ersten Haus auf Stelzen, hielten wir jedoch bei einem Haus mit Krone als Fassade.

Wir waren etwas perplex. Es war ein Souvenirhaus und Restaurant. Während wir uns da umsehen und Gegenstände kaufen sollten, stopften sich Fahrer und Guide eine Mahlzeit hinein. Nach vielleicht 10-15 Minuten ging die Fahrt endlich weiter. Die Einheimischen waren in ihren nichtmotorisierten Kanus unterwegs, die Kinder übten Fischen. Verkäuferinnen boten ihre Waren vom Boot aus an. Ich möchte nicht so leben, finde es aber äusserst faszinierend und fotogen.

Im Voraus hatte ich von anderen Touristen vernommen, dass die Bewohner über die Touristen nicht sehr glücklich und darum auch teils etwas feindselig wären. Wir sahen aber mehrere winkende Kinder. Die Leute wirkten uns gegenüber eher gleichgültig eingestellt. Nach vielleicht zehn Minuten hielten wir beim grössten Haus der Siedlung an, das zur Hälfte im Wasser versunken war. Hier gäbe es nur gemalene Bilder zu kaufen, ansonsten sei die Tour zu Ende. Ich war äusserst enttäuscht. Wir hatten auf dem Wasser vielleicht gerademal 500 Meter im Dorf zurückgelegt, also nichts. Ich bat ihn trotzdem anzuhalten, so dass wir von hier aus noch kurz die Aussicht geniessen können.

Ich hatte plötzlich die Idee, hier die Halskette, die ich von einer Frau in Dédougou geschenkt bekommen habe, weiterzuverschenken. Eigentlich wollte ich sie einem Mädchen schenken, doch meist trifft man immer mehrere Kinder aufs Mal. Ich beschloss daher, sie unserem Guide zu geben, damit er eine passende Person wählen kann. Zu unserer Überraschung gefiel im die Halskette dermassen, dass er sie sich gleich selber umhängte… Er meinte später, er wolle mich heiraten, ich sei so nett!? Er habe noch nie von Touristen etwas geschenkt bekommen. Nun war der Guide also glücklich und wir fuhren zurück, wo wir um 11 Uhr eintrafen. Mit drei Küsschen wollte er sich bei mir verabschieden.

Fazit von Ganvié: Definitiv ein tolles Stelzendorf. Die Leute sind netter als gedacht. Ich weiss jedoch nicht, ob sie positiv auf offensichtliche Fotos reagieren würden. Ich habe vor allem Fotos von hinten und von den Häusern gemacht.
Fazit der Tour: Definitiv viel zu kurz und darum das Geld nicht wert. Erst wieder eine elende Diskussion, dass man keinen Guide will. Dann hat man deswegen einen mürrischen Guide, der eigentlich vergebens mitkommt. Wenn möglich unbedingt in Ganvié übernachten und so die Möglichkeit nutzen, das Dorf besser kennen zu lernen.

Zurück an der Hauptstrasse, standen wir kaum auf der richtigen Seite, da hatte uns schon ein Tickettyp entdeckt. Er war zu uns gekommen, um zu fragen wo wir hinwollen. Nun mussten wir nur noch den Weg der Motorradfahrer überqueren. Plötzlich packt der Tickettyp mich am Arm, schaut sich nach Céline um, packt auch sie am Arm und führt uns dann extra über die Strasse. Er öffnete die Minibustüre hinten, so dass wir so auf die letzte Bank steigen konnten. Etwas ungemütlich, aber wird hier so gemacht.

Im Hotel holten wir unsere Rucksäcke und wimmelten den ca. 60-jährigen Aufpasser ab, der unsere Whatsapp-Kontaktdetails, unsere Postadresse und die unserer Kirche (hahaha) haben wollte. Die Westafrikaner wollen immer alle Nummer austauschen, damit man sich anrufen kann. Auch dann, wenn man sich gar nicht wirklich zusammen unterhalten kann (andere Sprache). Da erschliesst sich mir der Sinn irgendwie nicht!

Später stellten wir uns mit unserem Gepäck an die Hauptstrasse für ein Transportmittel nach Ouidah. Keine fünf Minuten später taucht zu Fuss ein Taxifahrer auf. Er bringe uns für 5000 Francs hin. Ich erklärte ihm, dass wir ein Shared Taxi wollen. Er willigte ein auf 1000 Francs pro Person. Ab mit unserem Gepäck in den Kofferraum und los ging es. Ein wenig später kamen noch drei Frauen dazu. Ich setzte mich extra weiter nach vorne auf der Rückbank, so dass mehr Platz für die anderen drei Füdli war.

Die Hauptstrasse, die weiter nach Grand Popo und dann nach Togo führt, geht schön um Ouidah herum. Obwohl wir unseren Fahrer informiert hatten, dass wir ins Zentrum wollen, schmiss er uns im Norden der Stadt an der Hauptstrasse hinaus, fast 3 Kilometer vom Zentrum entfernt. Ich diskutierte mit ihm, doch es interessierte ihn kein bisschen.

Ich war wütend, schon wieder aufs Neue verarscht worden zu sein. Aus diesem Grund hatte ich keine Lust noch zusätzlich für ein Motorradtaxi zu bezahlen. So liefen wir den gesamten Weg bis zum Hotel l’escale des Arts im Süden der Stadt. Bloss doof, dass es dieses nicht mehr gab. Während ich nassgeschwitzt am Strassenrand wartete, brachte ein Einheimischer Céline zum Hotel Centre de Detente Dubel, das sich etwa 1.5 Kilometer über ein Sandsträsschen erreichbar, befand. Das Doppelzimmer mit eigenem Bad und Klimaanlage kostete 10’000 Francs. Scheinbar gibt es in Ouidah keine Hotels mehr im Stadtzentrum, diese sind entweder beim Wald Kpassé oder am Strand unten.

Hotel Centre de Detente Dubel

Hotel Centre de Detente Dubel in Ouidah

Hotel Centre de Detente Dubel in Ouidah

Inzwischen war schon fast 16 Uhr. Wir beschlossen die Strasse Route des Esclaves abzulaufen. Dies sind ungefähr 4 Kilometer, die die Sklaven früher zurücklegen mussten. Die Strecke ist ungeteert und die Sonne brannte immer noch herunter. Eigentlich könnte man die Strecke mit einem Motorradtaxi für ca. 200-300 Francs zurücklegen, doch wir wollten uns die verschiedenen Kunststatuen am Wegesrand anschauen. Zwar nichts Besonderes, aber ganz nett.

Coiffeur in Ouidah

Route des Enclaves

Route des Enclaves

Route des Enclaves

Route des Enclaves

Route des Enclaves

Route des Enclaves

Noch mehr beeindruckte und allerdings die Sicht von der Brücke kurz vor dem Strand. Die Landschaft war unglaublich grün, mit Mangrovenbäumen, Palmen im Hintergrund, Schilf und einfachen Häuschen im/am See. Der Ort könnte ein Backpackerparadies sein, wären Strand und Zentrum nicht so weit voneinander entfernt und wäre es nicht so windig und das Meer nicht so rau. Wie in Ghana war der Strand stark abfallend, allerdings im Gegensatz zu Ghana äusserst sauber.

Route des Enclaves

Route des Enclaves

Route des Enclaves

Gleich am Eingang zum Strand hat es eine richtige Reggae-Bar inklusive Bob Marley-Verschnitt. Das “Tor ohne Wiederkehr” steht prominent auf dem Sand. Der Besuch ist gratis, doch ein mühsamer Guide wollte uns weissmachen, dass wir was bezahlen müssten. Ich glaubte ihm nicht und so wandten wir uns hilfesuchend an den ca. 50-jährigen Touristen, der uns vom Tor aus entgegen kam. Er stellte sich als Deutsch sprechender Belgier heraus und half uns aus der Misere, war er in den letzten 20 Jahren doch schon 4x hier gewesen und hatte nie etwas bezahlt. Das Gespräch mit ihm hatte mich wieder gut gestimmt.

Tor ohne Wiederkehr

Tor ohne Wiederkehr

Monument

Neben einer Strandbar gibt es ausserdem ein Jubiläumsmonument. Wir schauten uns jedoch das Hotel La Diaspora an. Die “Bungalows” (quadratische rosa Betonbunker mit Terrasse) kosten anscheinend 20’000 Francs die Nacht und Doppelzimmer im hässlich modernen Hauptgebäude 12’000 Francs die Nacht. Bei den Bungalows stand ebenfalls eine hässliche Betonkonstruktion ohne Dach: das Restaurant mit Schwimmbad. Das Menü war sehr ausführlich, unsere vegetarischen Speisen mussten wir jedoch auf der letzten Seite bei den Snacks suchen.

Restaurant des Hotels Diaspora in Ouidah

Essen im Hotel Diaspora in Ouidah

Die einfachen Holztische waren mit einem weissen Tuch gedeckt. Wir hatten gute Sicht auf den Strand. Wir bestellten schliesslich einen Teller gedämpftes Gemüse für 3000 Francs, einen Teller Pommes für 1500 Francs und eine Flasche Wasser für 1000 Francs. Das Essen kam nach vielleicht 20 Minuten und schmeckte gut, auch wenn ich zu Hause ab der Einfachheit enttäuscht wäre. Hier schmeckt es dafür umso besser.

Vollgefressen beschlossen wir auch noch zurück zum Hotel zu laufen. Erschöpft kamen wir bei Dunkelheit an. Die Leute in Ouidah scheinen trotz des Tourismus sehr freundlich zu sein: ständig wurden wir gegrüsst und Kinder winkten uns.

Sightseeing in Cotonou und Ausflug nach Porto Novo

Heute Morgen wollten wir eigentlich ausschlafen, als es plötzlich an unserer Zimmertüre und später noch unserem Fenster klopfte. Der Vermieter wollte uns irgendeinen Schlüssel geben und erkundigte sich danach, ob wir auch in die Kirche kommen. Es war Sonntag. Dass wir nicht religiös sind, sagten wir immer nicht.

So standen wir also um 8 Uhr auf. Als erstes fanden wir ca. 1km entfernt in einer Pâtisserie zwei Brötchen mit (wenig) Schokolade für 400 Francs das Stück. Schmecken tun sie definitiv echt gut! Anschliessend liefen wir die ganze Avenue de l’Oueme ab, die in den Boulevard Steinmetz führte. Unserer Meinung nach wirkt Cotonou bis jetzt am modernsten. Sie haben Strassenlaternen, die nicht untereinander mit Kabel verbunden sind, die Kreisel haben jeweils eine Statue oder ein Kunstwerk, es gibt einige hohe Gebäude, es gibt recht viele grüne Bäume und nicht besonders viel Abfall.

Cotonou

Cotonou

Cotonou

Cotonou

Cotonou

Notre Dame de Miséricorde in Cotonou

Notre Dame de Miséricorde in Cotonou

Cotonou

Altes Schweizer Fahrzeug (die Firma existiert nicht mehr)

Im Süden der Stadt erwartete uns die rot-weisse Kirche Notre Dame de Miséricorde, die ganz hübsch anzusehen ist. Ein Gottesdienst mit offenen Türen war voll im Gange. Nach einem Foto nahmen wir eine Seitenstrasse zurück zum Markt Dantokpa. Von einer Fussgängerbrücke sieht man gut das Ausmass der Marktstände mit Wellblechdächern. Der Markt selbst war für uns nicht so besonders. Es war ziemlich wuselig, einige Leute begrüssten uns und man könnte sich sicher gut darin verirren. Es fielen uns einzig die vielen Chillis auf.

Mit einem Fanmilk (gefrorenes Joghurt) stellten wir uns an den Strassenrand. Nach ein paar Minuten hielt auch schon ein leerer Minivan, der uns für 500 Francs pro Person nach Porto Novo bringen würde. Die Fahrt war gemütlich, da wir vorne neben der Fahrer sitzen konnten. Ansonsten ist es hier im Süden leider wieder recht schwül, so dass wir unentwegt schwitzen.

Um den Mittag herum erreichten wir nach vielleicht 45 Minuten Fahrt den Eingang von Porto Novo. Hier liessen wir uns rausschmeissen und erkundeten die Innenstadt nach dem Prinzip “Welcher Weg sieht spannender aus?”. Fazit: mit den Palmen und den Einheimischen in ihrer traditionellen Kleidung (wohl für den Kirchenbesuch am Sonntag, sieht aus wie ein knallfarbiges Pyjama) hatte die Hauptstadt Benins ein für uns sehr gemütliches, mediterranes Flair. Viele Häuser in warmen Farben, die zwar teils schon abblätterten. Dazu eine unglaubliche Dichte an Kirchen und Moscheen!

Porto Novo

typische Kleidung in Benin

Porto Novo

Porto Novo

Porto Novo

Porto Novo

Porto Novo

Porto Novo

Porto Novo

Porto Novo

Porto Novo

Wir genossen den Aufenthalt trotz der Hitze (und schlimmem Sonnenbrand) sehr. Eigentlich wollten wir uns irgendwo auf eine Bank setzen, ein Cola trinken und Leute beobachten, doch das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Nirgendwo gab es eine “Bar”. Erst als wir schon fast aufgegeben hatten, fanden wir eine “Bar” direkt gegenüber einer Kirche. Bei einer 0.6l Cola für 500 Francs beobachteten wir die quietschfarbigen Kirchgänger, denn die Türen waren offen. Zum Singen steht man nicht nur auf, sondern läuft umher/tanzt.

Männer in traditioneller Kleidung

eine Familie mit der genau gleichen Kleidung

Die Stimmung war toll. Viele Kinder und auch Erwachsene grüssten uns, andere Weisse sahen wir nirgends. Schade bloss, dass eine Frau wollte, dass wir ihr auch ein Getränk kaufen und eine freundlich lächelnde Frau ein “Geschenk” von uns wollte. Ich bin immer wieder erstaunt wenn Leute so direkt danach fragen. Fast so als hätten sie ein Recht darauf und wir die Pflicht dazu! Wir stellten uns wiedermal doof.

Auch wenn ich wohl noch ewig hätte zusehen können und der Gottesdienst immer noch im Gange war, beschlossen wir zum Kreisel am Eingang der Stadt zurückzukehren. Es dauerte nur ein paar Sekunden und schon erschien ein Minivan, in den wir uns mit anderen quetschten. Keine Ahnung, wo seine Enddestination war, jedenfalls nicht l’Étoile Rouge und so liessen wir uns beim Markt rausschmeissen und liefen den ganzen Weg zu Fuss.

Trotro-Tickettyp hängt gemütlich an der Hintertüre

Paar in traditioneller Kleidung

Mann in traditioneller Kleidung inklusive Hut

Das war insofern anstrengend, weil es weit war und weil die Strasse enorm befahren und die Luft äusserst schlecht war. Auch sonst bot die Strasse nichts Spannendes. Wir hatten schon fast aufgegeben, als wir das vegane Restaurant Loving Food doch noch fanden. Es erinnerte mich sehr stark an die Kette Loving Hut, wahrscheinlich gehören sie zusammen? Das Restaurant hatte nicht wenige Tische, aber war bis auf viele Fliegen komplett leer. Wir setzten uns unter einen Ventilator und studierten die einseitige Menükarte. Es gab viele afrikanische Gerichte, aber auch ausländische wie Pizza und Burger. Wir waren äusserst erstaunt in einem Land wie Benin ein veganes Restaurant vorzufinden.

Wir bestellten eine grosse Flasche Wasser für 500 Francs und einen Teller Reis mit Erdnusssosse für 1000 Francs sowie das Gericht Tagine für 2000 Francs. Es gab nicht wenig Personal und sie wirkten als hätten sie schon seit einer Weile keine Gäste mehr gesehen. Sie waren sehr nett. Nach vielleicht knapp einer Viertelstunde wurde unser Essen serviert. Es war scharf, was ich nicht erwartet hätte. Ansonsten schmeckte es sehr gut. Innert Kürze hatten wir alles verschlungen, gaben der Servierdüse ausnahmsweise 200 Francs Trinkgeld und machten uns auf den Rückweg.

veganes Loving Food Restaurant in Cotonou

veganes Loving Food Restaurant in Cotonou

veganes Loving Food Restaurant in Cotonou

veganes Loving Food Restaurant in Cotonou

veganes Loving Food Restaurant in Cotonou

veganes Loving Food Restaurant in Cotonou

veganes Loving Food Restaurant in Cotonou

Menü des veganen Loving Food Restaurants in Cotonou

Essen im veganen Loving Food Restaurant in Cotonou

Essen im veganen Loving Food Restaurant in Cotonou

In der Nähe unseres Hotels gibt es kein markantes Merkmal und ausserdem war ein Verdauungsspaziergang nötig. Abends als wir schon im Zimmer waren begann es in Strömen zu regnen. Alles, was auch nur für eine Sekunde draussen war, muss wohl komplett nass geworden sein.

Fahrt mit dem Postbus von Natitingou nach Cotonou

Heute Morgen standen wir wieder sehr früh auf, so dass wir im Dunkeln im Licht einiger Strassenlampen loslaufen konnten. Um 6:15 Uhr hatten wir den kleinen Platz neben der Post erreicht und setzten uns auf eine Bank. Irgendwann kam jemand vorbei und wollte wissen, wo wir hinwollen. Zu unserem Schock erklärte er uns, dass sich der Busbahnhof am südlichen Ende von Natitingou befinde, etwa 7 Kilometer entfernt. Aufgelöst schnappten wir uns die nächsten Motorradfahrer und liessen uns für 500 Francs pro Person hinbringen.

Ticket La Poste Bus Benin

Als wir eintrafen, stand der gelbe Postbus bereits bereit, darum verteilt Strassenverkäufer mit Essen und Getränken. Ein Angestellter nahm unsere Rucksäcke entgegen und verstaute sie je nach Destination. In Cotonou gibt es etwa 3 Haltestellen, wovon wir keine einzige kannten. Die Sitzplätze sind durchnummeriert und man muss sich daran halten. Es ist ein sehr neuer Bus von China, mit gemütlichen Sesseln, die man zurücklehnen kann. Sehr sauber und definitiv ein viel besseres Preis-/Leistungsverhältnis als in Burkina Faso.

Schnell kauften wir uns draussen noch ein “Croissant au chocolat” für 500 Francs pro Stück. Abgesehen von etwas zu wenig Schoggi für unseren Geschmack, war es sehr lecker! Der Bus ist gekühlt, so dass man schon fast eine Decke benötigt. Abgesehen von etwas zu viel Hupen eine definitiv angenehme Weise zu reisen. Wir fuhren auf die Minute genau los und nach einer Weile wurde dezente Musik (afrikanisch und französisch) angeschaltet.

La Poste Bus in Benin

Insgesamt erscheint uns Benin um einiges moderner als Burkina Faso. Es liegt auch nicht ganz so viel Abfall herum wie in Ghana und Burkina Faso. Ob dies an den fehlenden Wassersachets liegt? Landschaftlich gesehen ist Benin definitiv grüner und hügeliger als das sehr flache und trockene Burkina Faso. Die Leute hier scheinen wieder religiöser zu sein, respektive es hat mehr gläubige Christen und mehr “Jesus-Geschäfte”. Burkina Faso wirkte ein wenig wie ein Widerspruch in sich selbst: sehr sehr ärmlich, aber trotzdem sehr teuer und praktisch jeder besass ein oder zwei Smartphones. Viele Einheimische in Benin tragen Gesichtsnarben, die als Schönheitsmerkmal gelten. Wir haben auch bereits Männer gesehen, die über das ganze Gesicht verbreitet ein Muster aus Linien hatten.

La Poste Bus in Benin

Später wurden doch wieder scherbelnde afrikanische Soaps gezeigt. Um 10:30 Uhr stoppten wir kurz in Parakou. Ansonsten 2x kurz eine Pinkelpause am Strassenrand ohne viel Gebüsch zum Verstecken. Um 15 Uhr dann eine längere Pause von ca. einer Viertelstunde auf einem grossen Platz mit vielen Verkaufsständen. Die Landschaft war wirklich unglaublich grün mit vielen Bäumen und ab und zu Palmen. Generell sah es moderner und sauberer aus als in den beiden anderen Ländern.

Die Haltestelle “Château” wäre übrigens jene in Abomey-Calavi, dem Ausgangspunkt für Bootsfahrten nach Ganvié. Wir fuhren jedoch weiter ins Stadtzentrum. Leider hält der Poste Bus nicht beim markanten Kreisel Étoile Rouge, sondern ca. 2km danach. Gegen 18:30 Uhr kamen wir endlich an. Mit uns stiegen ein paar junge Weisse aus, doch sie hatten keine Hoteltipps für uns.

Wir wählten die nächstgelegene Unterkunft namens UEBB. Diese stellte sich wiedermal als etwas Religiöses heraus. Leider hatten sie kein freies Zimmer mehr und verwiesen uns an IBB in der Parallelstrasse. Hier fand ich die Pension de famille, die Doppelzimmer mit Klimaanlage und eigenem Bad für 10’000 Francs und Doppelzimmer mit Ventilator mit Gemeinschaftsbad (Bucket Shower) für 6000 Francs anbot. Die Zimmer sahen jedoch dunkel aus und teilweise überhaupt nicht gemacht. Das IBB stellte sich als “Institute Biblique du Bénin” heraus. Ein älterer Herr zeigte mir ein Doppelzimmer mit Ventilator und eigenem Bad für 10’000 Francs. Wifi war gratis und schnell vorhanden. Wir entschieden uns hierfür, auch wenn wir die einzigen Gäste waren.

Tata-Häuser in Benin

Nach einer sehr heissen Nacht, in der wir Bäche geschwitzt haben, standen wir erneut sehr früh um 6 Uhr auf. Aufgrund der Zeitverschiebung ist es nun von 7:30-19:30 Uhr hell und nicht mehr jeweils eine Stunde früher. In der Dunkelheit gingen wir zu Fuss zum Busbahnhof, wo wir unserem Helfer von gestern begegneten. Er verwies uns an ein neues Auto und einen anderen Fahrer.

Plötzlich fuhr aber unser Helfer kurz mit dem Auto und unseren Rucksäcken davon. Scheinbar tanken. Wir wunderten uns schon, dass die Leute hier so vorausschauend denken (normalerweise wird erst mit den Passagieren zur Tankstelle gefahren, nicht vorher), doch später sahen wir, dass der Tank gar nicht voll war. Komisch. Um 7 Uhr wurden irgendwie alle nervös. Man wollte uns schon ein Privattaxi für 5000 Francs anbieten, doch dann kam noch eine Frau mit Baby und Kleinkind.

Wir waren bereit zu warten, doch irgendwie schienen die jungen Typen doch so was wie einen “Fahrplan” zu haben. Mehrmals wechselten wir um etwa 10m die Haltestelle. Gegen 7:20 Uhr brausten wir dann aber trotzdem los. Beim ersten Hügel wollte kurzerhand noch ein lokaler Velofahrer zusteigen. Somit: Kofferraum auf, Gepäck raus, Velo halb rein, Gepäck drauf und alles irgendwie festbinden und weiter ging es. Die Strasse war geteert, aber ab und zu mit einigen Schlaglöchern versehen. Auffälligster Unterschied zu Burkina Faso, das sehr flach und trocken ist: Hier ist es schön grün und hügelig!

spontanes Veloverladen

Eine Stunde später wurden wir beim Busbahnhof von Natitingou ausgeladen. Sogleich wurden wir von allen möglichen Taxi und Motorradfahrer bestürmt. Wir wollten aber erst ein Hotel suchen. Alle, die wir nach einem Tipp fragten, wollten uns gleich einen Motorradfahrer andrehen. Also gingen wir zu Fuss zum Hotel Bellevue, das auf maps.me eingezeichnet ist. Das Gelände wäre eigentlich schön mit Mangobäumen und Statuen, doch es wird leider nicht sehr gut dazu geschaut. Die Zimmer sind in runden Betonhäuschen. Ein Doppelzimmer mit Ventilator kostet 9000 Francs, eines mit drei Betten 11’000 Francs. Wifi ist vorhanden, ein eigenes Bad ebenso. Das Licht im Innern ist leider etwas schummrig.

Hotel Bellevue in Natitingou

Hotel Bellevue in Natitingou

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, wollten wir uns ins Piranhabecken (= Busbahnhof) stürzen, um zu den Tata Häusern zu gelangen. Die Taxifahrer wollten uns ein privates Taxi für 20’000 Francs retour andrehen. Wir hatten jedoch von anderen Reisenden gehört, die für 10’000 Francs retour auf zwei Motos hingefahren worden waren. Aus irgendeinem Grund, der uns im Nachhinein schleierhaft ist, liessen wir uns auf einen älteren Mann mit dreckigem gelben T-shirt ein, der uns für 2000 Francs (nur Hinfahrt) pro Person in einem Shared Taxi statt nach Boukombé nach Koussoucoingou fahren wollte.

vollgeladenes Trotro

Er geleitete uns zu einer Holzbank im Schatten, wo schon einige Einheimische am Warten waren. Wir realisierten, dass wir viel zu viel bezahlt hatten und ausserdem erst noch in einen engen Minivan gezwängt werden sollten. Das schien auch anderen Passagieren nicht zu passen. Eine erhielt Geld zurück und eine andere forderte uns auf Französisch auf, nach einem Preiserlass zu fragen. Ich stürmte mit dem nervigen Tickettypen und wir erhielten 1000 Francs zurück. Der korrekte Preis wäre mit Sicherheit eigentlich nur 1000 Francs pro Person gewesen, aber wir konnten mit den zu viel bezahlten 500 Francs pro Person leben. Zumindest als wir merkten, dass auch die anderen Passagiere auf ihn und die weiteren Verantwortlichen wütend waren.

Nach mehr als 1,5 Stunden Wartezeit, während der eine Menge Gepäck aufs Dach gebunden worden war, mussten nämlich insgesamt 5 Erwachsene auf den für maximal 4 Erwachsenen konzipierten Sitzbänken Platz nehmen. Dazu noch viele Kinder und auch Hühner. Wir hatten Glück und durften auf dir vorderste Sitzbank, wo wir verhältnismässig viel Platz hatten. Die anderen Passagiere wurden wie Tiere/Objekte behandelt.

Um 12 Uhr ging die Fahrt dann endlich los. Die Strasse nach Boukombé ist nach der Abzweigung von Natitingou nicht mehr geteert und wirklich sehr uneben. Es sieht so aus, als ob sie dabei wären die Strasse früher oder später einmal zu teeren.

Nach einer Stunde holpriger Fahrt waren wir froh in Koussou aussteigen zu dürfen. Hier gibt es keine Eintrittsgebühr und keine Guides. Das Dorf ist wirklich äusserst klein. Es ist irgendwie ein befremdendes Gefühl zwischen den traditionellen Häusern und den Ackern hindurch zu laufen und Fotos zu knipsen. Nur wenige Einwohner waren anwesend. In der brennenden Mittagshitze liefen wir den Hügel hinauf, von wo aus man einen guten Überblick über den Wald in der Nähe hat. Später gingen wir ins einzige Café/Bar des Dorfes und gönnten uns ein wohltuendes Süssgetränk.

Tatasomba in Koussoucoingou

Tatasomba in Koussoucoingou

Aussicht

Voodoo über dem Eingang

Tatasomba in Koussoucoingou

Tatasomba in Koussoucoingou

Voodoo neben dem Haus

Tatasomba in Koussoucoingou

Dekoration der Mauern eines Tatasomba

Tatasomba in Koussoucoingou

Besonders viel zu sehen gibt es irgendwie nicht. Die Tata Häuser erinnern mich ein bisschen an kleine Schlösser, weil sie so viele Dachzipfel haben. Über und neben der Türe findet man Voodoo-Gegenstände. Voodoo wird in Benin und Togo grossgeschrieben. Das war etwas komisch zu sehen.

Um 14:30 Uhr stellten wir uns bereits wieder an den Strassenrand. Wir überlegten schon wie wir dies am besten machen könnten, da nur alle Schaltjahr ein Gefährt vorbeikommt. Neben uns stand ein klappriges, altes Auto. Plötzlich tauchte der Besitzer auf und wollte wissen, wo wir hinwollen. Daraufhin meinte er für 1500 Francs pro Persob könnten wir mit ihm zurückfahren. Und rein hüpften wir. Die Klapperkiste hatte keine Seitenfenster, keinen Rückspiegel, keine Seitenspiegel, keine Türgriffe innen mehr und musste wie in Actionfilmen per Draht kurzgeschlossen werden. Dafür hatten wir echt weiche Sitze und viel Platz.

kaputtes Auto…

Hier kommt man nicht mehr heraus…

Zurück in der Stadt gingen wir ins Hotel, wuschen Kleider, surften im Internet und genossen als Abendessen einen Teller Spaghetti Pesto für 2500 Francs und ein Bissap.

Hotel Bellevue in Natitingou

Menükarte des Hotels Bellevue in Natitingou

Menükarte des Hotels Bellevue in Natitingou

Menükarte des Hotels Bellevue in Natitingou

Spaghetti Pesto Hotel Bellevue in Natitingou

Grenzübertritt Burkina Faso nach Benin – Busfahrt von Ougadougou nach Tanguieta

Heute Morgen standen wir wieder um 6 Uhr auf. An einem Strassenrand fanden wir eine Frau, die für 300 Francs ein halbes Baguette mit einer Avocado-Zwiebel-Tomaten-Öl-Mischung füllt. Ein leckeres, schnelles Essen, wenn auch meist nur morgens und mittags erhältlich.

Die Zeit ist gekommen Burkina Faso zu verlassen und nach Benin weiterzureisen. Hierfür wollten wir mit dem Bus nach Fada N’Gourma und von da aus weiter mit einem Minivan zur Grenze. Wir hatten von verschiedenen Quellen gehört, dass sowohl STAF und TSR die Strecke befahren. Der erste Taxifahrer, der hielt, meinte allerdings, es gäbe nur noch STAF. Der Busbahnhof von STAF für alle östlichen und nördlichen Destinationen ist unpraktisch ca. 5km vom Zentrum gelegen. Erst wollte der Taxifahrer 4000 Francs, doch wir handelten ihn auf 2000 Francs herunter. Ca. 10 Kilometer bis zum Busbahnhof sind seit zwei Jahren uneben und mit vielen Schlaglöchern versehen. Das Problem: Die Regierung bezahlt den Arbeitern nur 2000 Francs pro Tag, wovon man schlecht leben kann.

Um 7:15 Uhr hatten wir den Busbahnhof schliesslich erreicht. Während Céline Bananen kaufte, ging ich zum Ticketschalter und kaufte zwei Tickets für 5000 Francs pro Person. Anfangs Februar hatte ich noch einen Bericht von einem anderen Backpacker im Lonely Planet Forum gelesen, der für die gleiche Strecke mit STAF noch 4000 Francs bezahlt hatte. Die Preise scheinen sich in Burkina Faso sehr schnell zu ändern.

Fahrplan von STAF in Ouagadougou

Fahrplan von STAF in Ouagadougou

Busticket STAF von Ouagadougou nach Fada N’Gourma

Pünktlich um 8 Uhr fuhr der Bus los. Wieder hatten wir einen Typen dabei, der Zahnpasta verkaufte. Nach ca. drei Stunden hatten wir mit einem vollen Bus die Stadt Koupela erreicht. Leider verschlechterte sich die Strasse enorm. Vermutlich wird der Abschnitt bis Fada bald geteert. Vereinzelt war die Hauptstrasse gesperrt und wir mussten nebendran fahren, entlang von Gestrüpp, oder sogar in kleine Lehmhaus-Dörfer ausweichen. Es war darum sehr staubig und die Sonne brannte herunter.

Um 13:15 Uhr erreichten wir endlich den Busbahnhof von STAF in Fada. Hier wollten uns schon wieder Taxifahrer irgendwohin mitnehmen und Strassenverkäufer uns was verkaufen. Ich dachte, es wäre am besten beim Ticketschalter nach den Möglichkeiten nach Benin zu fragen, doch der Typ verwies uns nur an die Taxis. Zum Glück hatte ich an der Hauptstrasse einen Wegweiser zur Grenze von Niger und von Burkina Faso gesehen und davon gegenüber zwei Minivans. So gingen wir dort nachfragen. Treffer: ein alter Typ mit Chinesenstrohhut fuhr nach Tanguieta in Benin für 4000 Francs pro Person.

Mädchen mit der typischen Haardekoration in Burkina Faso

Minivan von Fada N’Gourma nach Benin

Fada N’Gourma

Packen können sie definitiv!

Fada N’Gourma

Wir machten noch kurz eine Getränkeshoppingtour. Unser tägliches Cola hier in Afrika… Der Minivan war noch nicht voll als wir um 13:40 Uhr losfuhren. Wir hatten uns allerdings zu früh gefreut, denn etwa einen Kilometer später hielten wir am Strassenrand. Hier mussten wir bis um 15 Uhr warten. Warum genau: Keine Ahnung, allerdings war der Minivan dann plötzlich voll und das Dach langsam auch mit Gepäck. In Burkina Faso sind die Dächer meist dermassen voll mit Gepäck, es ist unglaublich! Nicht selten sieht man auf dem Dach auch lebende Kühe, Ziegen, Motorräder und Menschen.

Immerhin hatten wir die besten Plätze gleich zu vorderst neben dem Fahrer ergattern können. Die Strasse war zwar geteert, allerdings vielerorts mit Schlaglöchern versehen. Um uns herum die bekannten Lehmhäuschen. In Pama mussten wir plötzlich in einen anderen Minivan umsteigen. Unserem Fahrer mussten wir 4000 Francs bezahlen. Unsere Rucksäcke wurden auch gleich umgeladen und weiter ging es. Die Sitze und Sitzbänke in diesem Minivan waren allerdings schlecht angeschraubt und so rutschte man ständig hin und her.

Um 17:45 Uhr erreichten wir in Nadiagou die Grenze von Burkina Faso. Hier sassen am Strassenrand ein paar Polizisten gemütlich unter einem Sonnenschirm. Einem konnten wir unsere Pässe überlassen und er verschwand im Häuschen. Ein anderer Typ lobte meinen langen Rock und ein dritter wollte, dass Céline gleich dableibt. Sie waren alle gut aufgestellt und nach knapp fünf Minuten hatten wir die Pässe wieder und wir brausten mit dem Minivan los.

Von hier zur Grenze von Benin in Porga sind es knapp 30 Kilometer. Eine halbe Stunde später trafen wir hier im Eindunkeln ein. Inzwischen waren wir nur noch vier Passagiere, der Fahrer und der Tickettyp.

Der Minivan hielt auf einem Parkplatz und wir liefen zu einem unscheinbaren Häuschen. Ein Typ in Uniform nahm sogleich unsere Pässe entgegen. Nach knapp 3 Minuten hatten wir sie wieder. Die Konversation ging folgendermassen: Er: Bonne arrivée! Wie sind Sie hierher gekommen? Ich zeige auf den Minivan hinter uns. Er blättert im Pass. Er: Ich kann ihr Visum nicht finden. Ich schlage für ihn die richtigen Seiten auf. Er: Russland? Ich: Nein, Schweiz. Er nimmt einen Stempel, probiert den auf einem Blatt Papier aus und fragt seinen Kumpel, ob er wirklich den Einreisestempel erwischt hat. Der bestätigt. Und fertig.

Benin hat die gleiche Zeitzone wie die Schweiz, wir konnten also unsere Uhren eine Stunde vorstellen. Im Dunkeln (nur der Vollmond beleuchtete alles noch ein bisschen) rasten wir über die unebene Piste. Immer wieder wich der Fahrer mehr oder weniger erfolgreich irgendwelchen Schlaglöchern aus. Wenn man so wollte eigentlich eine ziemlich beängstigende Situation für uns: Fahren in der Dunkelheit in Afrika eigentlich ein No-Go. Viele raten davon ab bei Dunkelheit noch draussen zu sein. Wir mit vier unbekannten Männern im Minivan, ohne irgendeine Ahnung wo wir in Tanguieta übernachten könnten.

Inzwischen waren wir recht erschöpft. Nach weiteren ca. 1,5 Stunden fuhren wir schliesslich in Tanguieta ein. Der Busbahnhof war nur spärlich beleuchtet, aber wir entdeckten noch andere Minivans und Shared Taxi. Schön, dass es diese hier wieder gibt. Nebendran ist der Markt und auf der Strasse war es glücklicherweise noch recht lebhaft, ab und zu von einem Licht erhellt. Ich überreichte dem neuen Fahrer die 4000 Francs. Er schwafelte was von eigentlich wären es 5000-6000 Francs für die Strecke. Ich erklärte, dass uns der andere Fahrer dies so garantiert hatte und er mit diesem diskutieren solle, nicht mit mir. Etwas widerwillig lenkte er ein.

In der Dunkelheit standen ein paar Jungs um uns herum, begrüssten uns auf Französisch und wollten wissen, ob wir nach Nati (Natitingou) wollen. Mein erster Gedanke: Ich mag nicht wieder Leute abwimmeln, ich bin müde. Die Jungs waren jedoch supernett und überhaupt nicht aufdringlich. Ich stellte ihnen ein paar Fragen zum ÖV. Sie stellten sich als Shared Taxi-Fahrer heraus. Wir erklärten, dass wir auf der Suche nach einem Hotel seien.

Einer der Jungs, vielleicht anfang 20, kümmerte sich sogleich um uns. Gleich am Busbahnhof gibt es ein Hotel und er empfahl uns zu warten. Zwischenzeitlich musste er mit seinen Kollegen Gepäck auf einen Minivan laden. Anschliessend kam er wieder zu uns. Er erkundigte sich für uns nach dem Hotelbesitzer, doch der war irgendwie nicht auffindbar. Also beschloss er uns kurzerhand zu einem anderen Hotel zu bringen. Gleich 100m entfernt gibt es eine Herberge, die auch von Nonnen geleitet wird. Er suchte für uns den Wächter. Dieser zeigte uns ein Zweierzimmer am anderen Ende des Geländes.

Es hatte zwei Einzelbetten, Strom, Licht und eine Nasszelle. Nachteile: kein Ventilator, das Wasser für die Dusche per Eimer musste draussen geholt werden und die Toilette war draussen aus Beton mit einem Loch im Boden. Es sollte aber nur 4000 Francs kosten. Wir waren müde und beschlossen darum es trotzdem zu nehmen. Die besseren Zimmer waren nämlich schon ausgebucht. Ich ging mit dem netten Typen zum Hauptgebäude, wo eine nette Nonne war. Ich füllte den Hotelzettel aus und erfuhr, dass das Zimmer sogar nur 2000 Francs kostet! Sie gab uns noch frische Bettwäache und neue Moskitonetze mit. Der nette Typ brachte mich noch zurück zum Zimmer und verabschiedete sich dann.

Ein toller Einstieg in Benin! Leider wurde es in der Nacht so heiss in unserem Zimmer, dass Schlafen schwierig war und wir morgens nochmals duschen mussten.

Tagesausflug nach Tiébélé

Wieder standen wir früh auf und waren kurz nach 6 Uhr beim Busbahnhof von Rakieta. Hier konnten wir gegen 6:30 Uhr dann unsere Tickets nach Po kaufen. Ich hatte der Dame 10’000 Francs gegeben und sie mir 6000 Francs als Rückgeld. Auf dem Ticket ist allerdings ein Preis von 2500 Francs pro Person aufgedruckt. Eine Reservation wäre allerdings nicht nötig gewesen, da der Bus halbleer war. Um die 10 Angestellten kümmerten sich ums Verladen des Gepäcks.

Rakieta Busbahnhof in Ouagadougou

Busticket Rakieta Ouagadougou – Po

Wie immer verliessen wir pünktlich um 7 Uhr den Busbahnhof. Etwas südlich davon hielten wir an einem anderen Rakieta-Busbahnhof, von wo die Busse nach Bobo abfahren. Der Bus war leider ohne Klimaanlage, dafür wurden Actionfilme auf Französisch gezeigt. Natürlich hatten wir wieder eine Polizeikontrolle. Ein Dutzend Kilometer vor Po hiess es plötzlich Handys ausschalten. Zwei bewaffnete Polizisten stiegen zu und ein paar Kilometer später luden wir sie wieder aus. Punkt 10 Uhr erreichten wir Po.

Hier mussten wir leider feststellen, dass Rakieta seit ca. zwei Monaten nicht mehr nach Fada fährt. Das brachte natürlich unsere ganzen Pläne durcheinander. Spontan beschlossen wir abends wieder nach Ouaga zurückzukehren. Glücklicherweise konnten wir unseren Rucksack bei Rakieta aufbewahren. Später wollte der Gepäcktyp dann Geld dafür. Nach einer Weile gab er allerdings auf. Heute ist uns aufgefallen wie omnipräsent das Thema Geld hier in den armen afrikanischen Ländern ist. In normalen Konversationen sowie TV-Serien kommt es immer wieder vor.

Gleich am Busbahnhof wurden wir von ersten Möchtegern-Taxifahrer angequatscht. Wir konnten sie jedoch abwimmeln, kauften uns Avocado-Sandwiches und gingen ein paar Meter um die Ecke. Hier sass bereits der Japaner aus unserem Bus neben Einheimischen unter einem Baum. Wir gesellten uns dazu. Ab hier sollte ein Shared Taxi oder sonstwas verkehren. Es hiess immer in ca. 30 Minuten. Irgendwann erschien einer der Taxifahrer. Obwohl wir mehrmals “Non Merci” sagten, wollte er einfach nicht locker lassen, sprach immer noch auf uns ein, wollte dass wir einen Preis vorschlagen und behauptete, es gäbe heute kein öffentliches Verkehrsmittel nach Tiébélé. Erst liessen wir ihn reden, doch irgendwann machte er mich dermassen wütend, dass ich laut wurde. Er wurde dann sehr schnell frech. Die umstehenden Einheimischen mischten sich kein bisschen ein, sondern lachten nur doof. Ich regte mich auf, sprach auf Schweizerdeutsch auf ihn ein und irgendwann zog er endlich ab.

Heute war ein mühsamer Tag und ich muss gestehen, dass mich Burkina Faso bis jetzt ziemlich nervt. Ich bin froh, bald das Land verlassen zu können. Das Maskenfestival war definitiv das Highlight der Reise und auf dem Land (wo es keine Touristen hat) sind die Leute echt auch nett, hilfsbereit und grüssen einen freundlich. Aber an touristischen Orten waren die Leute bisher dermassen mühsam, dass es uns echt nicht mehr gefällt! Wir wurden nun schon so oft angelogen und bei einem “Nein” wurde weiterdiskutiert, dass es nervig wird.

Nach meiner Auseinandersetzung mit dem Taxifahrer kam natürlich nach und nach raus, dass es doch öffentliche Transportmittel nach Tiébélé gibt und die anderen Personen auch am Warten waren. Gemein fand ich, dass die Einheimischen offen über den Japaner gelästert haben. Später kam noch ein Typ vorbei, der fand, er wolle Freunde sein, damit wir ihm helfen können nach Europa zu kommen. Ich erklärte ihm dann, dass es auch für uns nicht einfach ist nach Burkina Faso zu kommen. Er warf uns auch vor, unsere Banken sollten keine Gelder von afrikanischen Reichen annehmen. Die Ironie darin sah er nicht: dass die Reichen das Geld lieber gar nicht ins Ausland schicken sondern für ihr Volk verwenden sollten.

Die ganze Wartezeit und der Austausch war sehr frustrierend, zumal später noch weitere Taxifahrer diskutieren kamen und ein Nein nicht akzeptieren wollen. Uns wurde vorgeworfen, Weisse müssten mit dem Taxi hinfahren. Manchmal fühle ich mich wirklich wie ein wandelnder Bankomat. Hier in Burkina Faso sind viele zudem unerwartet teuer und das Preis-/Leistungsverhältnis ist ausser bei den Hotels nicht so gut wie in Ghana. Ein Typ telefonierte immer wieder und es hiess immer in zehn Minuten komme ein Gefährt für 1000 Francs pro Person.

Nach einer Wartezeit von 2,5 Stunden tauchten dann endlich ein langes Auto mit zwei Rückbanken auf. Ein Typ hatte es geholt. Wir mussten ihm 1500 Francs pro Person bezahlen. Ich bin mir unsicher, ob dies der richtige Preis war. Jedenfalls ging um 12:30 Uhr die Fahrt endlich los. Für die kurze Strecke von 30 Kilometern benötigten wir eine Stunde, da die Strasse ungeteert war und viele Bremsbalken hatte. Die Leute hier lebten in den kleinen, halbfertigen Lehmhäusern und transportieren ihre Waren per Esel.

In Tiébélé liefen wir zu Fuss einem “Waldstück” mit unglaublich viel Müll entlang zum Cour Royale. Entgegen meiner Erwartung war ich ziemlich enttäuscht. Die bemalten Häuser von Tiébélé sind auf einer kleinen Fläche. Ich hatte erwartet, dass es sich dabei um ein ganzes Dorf handelte. Hier sollen anscheinend doch 357 Leute in 54 Familien leben. Wir konnten uns das kaum vorstellen, weil es so wenig Häuser hatte.

Tiébélé

Tiébélé

Tiébélé

Waldlichtung

überall Abfall

Hier wollten sie von uns 2000 Francs Eintritt pro Person plus 5000 Francs für einen Guide pro Gruppe. Wir versuchten zu diskutieren, dass wir ohne Guide reindürfen, doch das wollten sie partout nicht. Für das, was es bietet, ist es wirklich sehr viel Geld und meiner Meinung nach den Ausflug von Ouaga nicht wert! Sie wollten uns weismachen, dass viele Ausländer die Gebühr für zu tief halten und lieber 10’000 Francs für den Guide bezahlen würden. Der englische Guide war dann so wütend auf uns, dass wir uns für den jüngeren Französisch sprechenden Guide entschieden.

Auch hier: Klar, man kann die Gebühr einfach bezahlen, allerdings finde ich sie doch ein bisschen überrissen. Bei mehreren Touristen geht es ja noch, aber wenn man alleine kommt zahlt man sich wirklich dumm und dämlich und muss sich fragen, wo das Geld eigentlich hinfliesst. Die Häuser sind zwar ganz nett anzuschauen und die Leute leben noch darin, aber die Farbe war schon sehr verblasst. Scheinbar baut der Grossvater das Haus und die Grossmutter bemalt es im März/April.

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Cour Royale in Tiébélé

Souvenierstand

Souveniers

Die Häusersiedlung war ausser einer Familie und ein paar Kindern in der Mittagshitze völlig verlassen. Unser Guide erklärte uns ein, zwei Dinge wie beispielsweise, dass die runden Häuschen für unverheiratete Männer sind, die rechteckigen für verheiratete Paare und die 8-förmigen Häuser für die Grosseltern mit den Kindern. Ebenfalls erfuhren wir, dass die Narben im Gesicht vieler Einheimischer so was wie Make-up darstellen, also ein Schönheitsmerkmal sind. Unser 29-jähriger Guide meinte allerdings, dass es bei den heutigen 5-jährigen Kindern nicht mehr gemacht werde und er Lippenstift und Wimperntusche viel schöner finde.

Nach vielleicht einer knappen Stunde war unser Besuch vorbei. Auf dem Weg zurück zum Dorfzentrum begegneten wir noch einem Japaner, der mit seinem Motorrad von Japan über Russland durch Zentralasien via Europa bis nach Südafrika kommen will. Unglaublicher Typ! Wenn dir Japaner backpacken, dann gleich richtig! Unser Taxifahrer hatte uns zuvor versprochen uns zum gleichen Preis zurückzufahren, auch wenn er keine weiteren Passagiere finden sollte. Es gab keine, darum wollte er nun plötzlich 2500 Francs pro Person. Wir einigten uns auf 2000 Francs und nahmen unterwegs noch drei einheimische Frauen gratis auf der zweiten Rückbank mit.

Nach 16 Uhr waren wir zurück in Po und kauften unsere Tickets für 2000 Francs für den 17:30 Uhr-Bus zurück nach Ouaga. Beim Busbahnhof trafen wir noch auf eine Deutsche, die gerade aus Ghana gekommen war, und ihren einheimischen Begleiter. Er konnte nur wenig Englisch und sie kein Französisch, weshalb ich alles zwischen ihnen übersetzen musste. Sie will in einem Affentempo alles Mögliche sehen und änderte ständig ihre Pläne.

Nach etwas mehr als drei Stunden Fahrt trafen wir schliesslich bei Dunkelheit in Ouaga ein. Der Japaner übernachtete bei den Nonnen im “Les Lauriers” bei der Kathedrale. Da diese näher schien als unser vorheriges Hotel beschlossen wir mitzugehen. Die Reception hatte allerdings bereits geschlossen. Eine mürrische Nonne erklärte sich dann doch noch widerwillig bereit uns ein Doppelzimmer mit Dusche und Gemeinschaftsbad für 8000 Francs (Einzelzimmer 6000 Francs) zu überlassen. Man kann hier auch relativ günstig essen. Unser Zimmer befand sich im Haus der Nonnen, wofür wir irgendwie fünf verschiedene Schlüssel erhielten. Das Zimmer war ganz hübsch mit zwei einzelnen Bett mit Mückennetz, einem “Sessel”, einem Tisch mit Stuhl sowie einem Spülbecken mit Dusche mit sehr schlechtem Wasserdruck. Es war sauber und wenn man von der Religion absieht, eine gute, zentrale und günstige Übernachtungsmöglichkeit. Auch Wifi ist vorhanden.