Um 18:34 Uhr traf ich dann endlich in Matsumoto ein. Mein Hostel hatte ich bereits in der Schweiz über Hostelworld gebucht und nun am Morgen eine e-Mail an die Hostelbesitzer geschickt mit meinen Angaben für den Gratis Pick-Up. Im Bahnhofsgebäude sprach ich mich dann eine Japanerin in gebrochenem Englisch an und zeigte mir eine Kopie meiner Buchungsbestätigung. Mit dem Auto fuhr sie mich dann während ca. 15 Minuten ausserhalb der Strasse. Auf der anderen Seite der Brücke hielt sie schliesslich vor einem zweistöckigen Gebäude an. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr genau an die Hostelbeschreibung erinnern, weshalb ich dann ziemlich erstaunt war, dass es sich mehr um ein Guesthouse oder B&B ohne Frühstück handelt. Der Eingangsbereich war sehr klein, es gab nur gerade vier Zimmer. Die Frau erklärte mir dann in gebrochenem Englisch, was wo ist. Ich hatte ein 6er Zimmer gebucht, war jedoch alleine. Die Besitzerin hat dies extra so gemacht, was ich echt nett finde.
Als ich mich dann nach einem Supermarkt erkundigte, erfuhr ich, dass diese alle mindestens 10 Minuten mit dem Fahrrad entfernt sind. Immerhin offerierte sie drei Fahrräder gratis und ich schnappte mir eins und machte mich auf die Suche nach dem Supermarkt. Als ich vom Einkaufen zurückkehrte, waren die anderen Mitbewohner auch schon da; eine ca. 35-jährige bulgarische Physikprofessorin und ein 28-jähriges Pärchen aus England und Österreich (?), welches eine weltreise mit dem Fahrrad macht. Eigentlich hätte man die Küche ja irgendwie nicht betreten sollen, aber das musste ich fast, denn wie hätte ich sonst auf der Herdplatte ohne Pfanne kochen sollen?!? Habe das Prinzip nicht ganz verstanden. Nach dem Essen sassen wir noch etwas beisammen, doch der Typ des Pärchens war mir so was von unsympathisch; ich mag Leute, die damit angeben, wo sie überall schon waren/wie gut sie alles kennen würden/und nur ihre Reiseart ist die beste einfach nicht!! Man kann es auch interessant und nicht-arrogant rüberbringen.
Das Hostel an und für sich war zwar nett, weil es so klein und heimelig ist, allerdings war es auch etwas mühsam, weil es gab kein Wifi (ausser man sass in der Lobby beim Fenster, dann konnte man jenes vom Nachbarn klauen), ich erhielt nur eine Karte und keine Erklärungen und es war niemand da, den man bei Fragen jederzeit hätte Fragen können. Vielleicht bin ich mir auch einfach superinformierte und ausgestattete Hostels gewöhnt?
Am nächsten Morgen stand ich zeitig auf und machte mich mit dem Velo auf in die Stadt, die mir übrigens als nicht besonders spannend erscheint. Es gibt auch so eine Shopping/Touristenstrasse namens Nawate, die als Maskottchen einen Frosch hat! Das finde ich so toll an Japan; jede Stadt/Region hat ihr eigenes süsses Maskottchen! Bei uns kam ja “Berni der Bär” nicht durch, obwohl dieser sicher grossen Erfolg bei den Japanern gefeiert hätte!
Der eigentliche Grund für meinen Besuch in Matsumoto war das Matsumoto Castle, welches ich mir anstelle des unter Renovation stehenden Himeji Castles anschauen. Beim Eingang gab es Werbung für “Gratis Touren durchs Schloss” von Freiwilligen, doch da ich der Sache (wiedermal wegen China) nicht ganz traute, wollte ich es eigentlich auslassen. Ich lief dann aber an dem Zelt vorbei und die Japanerin dort sprach mich gleich an. Ausser mir gab es aber um diese Tageszeit auch keine anderen ausländischen Touristen. Sie schien nett zu sein und bot mir eine Tour an und so willigte ich schliesslich ein. Beim Schloss mussten wir unsere Schuhe ausziehen und diese dann in einem Plastiksack die ganze Zeit mit uns rumtragen. Da ich ihr zuvor gesagt hatte, dass ich nur ca. eine Stunde Zeit habe, erklärte sie mir auch nur das Wichtigste. Ohne ihre Führung wäre das Innere des Schlosses langweilig für ich gewesen. Um ehrlich zu sein, fand ich es super wie sie es gemacht hat, denn sie erklärte mir alles Wissenswerte und dies auf eine interessante Art, ohne zu ausführlich zu werden. So lernte ich, dass das Schloss von aussen eigentlich nur 5 Stockwerke hat, in Wahrheit aber sechs. Und es wäre das Rückzugsgebiet des damaligen Warlords gewesen, falls es jemals angegriffen worden wäre. Und auf dem Dach hat es eine Sagenfigur namens “Shaji”, die halb Fisch und halb Tiger ist und Wasser spuckt. Die Japanerin ist pensioniert und macht dies nun schon seit ca. 7 Jahren und sie macht es, weil sie geschichtsinteressiert ist, Englisch spricht und gerne den ausländischen Touristen die japanische Kultur näherbringen möchte. Nach der Führung verabschiedete sie sich einfach und ging wieder zurück zum Zelt, um weitere Touristen zu informieren. Später habe ich weitere Freiwillige gesehen, die in der Stadt auf dem Fahrrad rumkurvten und einem eine Gratis Tour geben wollten. Zudem gab es an vielen Orten in der Stadt einen Gratis-Veloverleih! Das fand ich eine sehr gute Idee.
Anschliessend liess ich mein Velo beim Schloss stehen und spazierte zum Bahnhof, wo ich mit einem Lokalzug nach Hokata fuhr. War es gestern noch schlechtes Wetter gewesen, so war es heute sommerlich heiss und man sah die japanischen Alpen perfekt am Horizont! Ich ging dann zu Fuss zur Daio Wasabi Farm, von der ich im Internet etwas gelesen hatte. Ich selber bin ja kein grosser Wasabi-Fan, aber irgendwie sah es doch noch interessant aus.
Es stellte sich dann heraus, dass dies ein beliebtes Wochenendausflugsziel für Japaner ist, da der Eintritt gratis ist und die Landschaft wirklich sehr schön ist. Die Wegweiser dorthin waren nur in Japanisch angeschrieben und auch alle weiteren Informationen vor Ort nur in Japanisch. Ich schlenderte ein wenig herum und ass ein Wasabi-Glacé, welches mir zumindest schon besser schmeckt als Grüntee-Glacé. Wasabi sieht übrigens gar nicht speziell aus, sondern eher wie eine normale grüne Pflanze, aber sie wächst im Fluss in einem Steinbett! Auf der Farm gab es alles Mögliche mit Wasabi zu kaufen.
Die Farm war allerdings nicht besonders gross und nach 16 Uhr fuhr ich dann auch schon wieder zurück nach Matsumoto, wo ich mein Velo abholte und auf dem Rückweg noch einige (nicht so wichtige) Sehenswürdigkeiten abgraste. Gegen 18 Uhr war ich dann zurück im Hostel und traf auf zwei junge Holländer (17 und 19) namens Martin und Bass, die geschlagene drei Stunden auf jemanden zum Einchecken gewartet hatten. Die junge Tochter der Besitzer war da, doch auch sie sprach kein Englisch. Ich erklärte den Jungs dann das Wichtigste und begann dann zu kochen. Die Jungs gingen kurz raus was zu essen kaufen. Danach assen wir gemeinsam zu Abend und plauderten noch bis Mitternacht zusammen. Die beiden hatten zu Hause gerade den Gymer abgeschlossen und lernten nun in Tokyo während einem Monat Japanisch und reisen nun einen Monat in Japan herum. Die beiden waren schon viel eher Mitreisende nach meinem Geschmack; sie sprachen nahezu perfekt Englisch und waren vor allem echt witzig! Wir hatten viel zu lachen und ich finde es jetzt noch schade, dass ich nicht mehr Zeit mit ihnen verbringen konnte.
Eigentlich hätte ich am nächsten Tag ja gerne noch irgendwas Spezielles unternommen, doch Kamikochi in den japanischen Alpen und Utsukushigahara Plateau waren zu weit weg. Ich habe dann mit der Bulgarin und den beiden Holländern draussen auf der Terrasse gefrühstückt und bin dann noch etwas planlos in der Stadt herumgelaufen, bis mich die Hostelbesitzerin um 14:30 Uhr an den Bahnhof gefahren hat.
Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, um 7 Uhr den Zug nach Kawaguchiko zu nehmen, doch da ich am Abend vorher so spät nach Hause gekommen war und von den letzten Tagen noch sehr müde war, entschied ich mich dagegen und beschloss, eine Stunde später den Zug zu nehmen. Ich stand aber trotzdem noch ziemlich früh auf, weil ich noch fertig packen musste. Das Auschecken war sehr simpel, da vor 8 Uhr noch niemand da war und ich einfach den Schlüssel einwerfen konnte.
Ich fuhr dann mit der JR Linie nach Shinjuku, von wo aus ich mit dem Limited Express Kaiji nach Otsuki fuhr. In Otsuki musste ich dann auf die private Eisenbahnlinie Fujikyu Railway umsteigen, wofür ich ein separates Billet benötigte. Ich erwischte den Express Fujikyu Railway und musste auf die 1100 Yen noch 300 Yen Zuschlag bezahlen. Der Zug war aber ganz süss, denn auf der Aussenseite gab es eine Reihe Comicartiger Fuji-sans, alle mit einem anderen Gesichtsausdruck. Auf dem Gleis daneben stand doch tatsächlich ein Zug, auf welchem “Matterhorn Gotthardbahn & Fujikyu” geschrieben stand!
In Kawaguchiko angekommen, war, entgegen meiner Erwartung, niemand vom Hostel zu sehen, weshalb ich zur Touristeninformation ging. Die nette Frau dort erklärte mir, dass das Hostel telefonisch über die Ankunft informieren müssen, da die Züge teilweise Verspätung hätten. Sie liess mich dann telefonieren und ich wurde abgeholt. Ich übernachtete im “K’s House Mt Fuji”, welches wirklich sehr geräumig war und mir eher wie eine grosse Familie erschien. Ich teilte mir nur gerade mit zwei Jungs aus Schweden und Frankreich ein 9-Bett-Zimmer.
Leider war das Wetter äusserst schlecht und Fuji-san war überhaupt nicht zu sehen. Da es schon ca. 11 Uhr war, beschloss ich in ein mir empfohlenes Restaurant zu gehen, welches das lokale vegetarische Gericht “Hoto” anbot, zu gehen. Auch Kawaguchiko erschien mir auf dem Weg dorthin nicht als ein besonders schönes Kaff, sondern eher wie ein amerikanischer Vorort… Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht warum. Das Restaurant war sehr traditionell; es gab niedere Tische und Kissen zum darauf sitzen, aber unter dem Tisch gab es wie einen Hohlraum im Boden, wo man die Füsse hinstrecken konnte, so konnte man auch einigermassen normal sitzen. Hoto ist eine Nudelsuppe, traditionell mit Kürbis und verschiedenem anderem Gemüse. Geschmeckt hat es okay, nicht gerade herausragend, aber auch nicht schlecht. Vielleicht bin ich aber auch einfach kein Freund der japanischen Küche? Gekostet hatte es 1100 Yen.
Anschliessend beschloss ich mit Regenschirm einen Spaziergang auf die andere Seite der Brücke/des Sees zu machen, um das Sakura Festival anzuschauen. Der Weg dorthin führte mich an der dichtbefahrenen Strasse entlang und zusammen mit Regen und Wind war es nicht besonders angenehm. Nach ca. einer Stunde Fussmarsch war ich dann endlich angekommen. Entlang dem Seeufer gab es eine Vielzahl an Sakura (Kirschblüten), die gerade am Blühen waren. In Tokyo war die Blütezeit gerade vorüber gewesen, weshalb es doch ein besonders Erlebnis war. Das Festival entpuppte sich dann als 1,2 Essensstände und aufgrund des Wetters war sowieso niemand dort.
Nach einer Weile langweilte ich mich dann aber doch ein wenig, es war kalt und es gab auch nicht anders zu sehen, weshalb ich wieder umkehrte. Den Rest des Abends verbrachte ich dann im Hostel und endlich hatte ich mal Zeit, mich ein wenig auszuruhen, was auch irgendwie gut tat. Im Hinterkopf aber nagte das schlechte Gewissen, dass ich doch extra hierher gefahren war und trotzdem nichts machte. Viele andere blieben aber auch im Hostel. Da es in der Nähe sogar einen richtigen Supermarkt gab, kochte ich am Abend Pasta mit Gemüse. Eigentlich wollte ich ja Tomaten kaufen, aber scheinbar müssen diese hier importiert werden, weshalb eine einzige Tomate ca. 1.50 CHF kostet!
Am nächsten Morgen schlief ich aus. Leider war das Wetter nicht viel besser und der Fuji-san versteckte sich immer noch hinter den Wolken. Ich wollte aber trotzdem nicht einfach im Hostel rumsitzen und ging deshalb kurz raus an den See. Da es aber nichts Spannendes gab, kehrte ich gleich wieder um. Gleich um die Ecke gab es ein Onsen (heisse Quelle), für welches Hostelkunden eine Vergünstigung erhielten. Da man Japan nicht verlassen kann, ohne in einem Onsen gebadet zu haben, beschloss ich die Gelegenheit zu nutzen und ging ca. um 10:30 Uhr dorthin.
In der Eingangshalle musste ich natürlich wieder die Schuhe ausziehen und dann in den Socen rumlaufen. Das ist das Einzige, was mich in Japan und Südkorea etwas nervt, weil es so schrecklich unpraktisch ist; immer dieses Schuhe ausziehen. Gut, eigentlich ist es bei uns ja auchh ein wenig so, aber hier wird es noch zur Perfektion betrieben. Anyway, ich löste also mein Ticket von 800 Yen an einem Automaten und übergab dieses dann dem Typen an der Rezeption. Ein Badetuch hatte ich bereits dabei, sonst hätte ich noch separat bezahlen müssen. In den meisten Onsen sind die Bäder für Frauen und Männer getrennt.
Was danach folgt ist ein wenig kompliziert: Es gab eine Umkleidekabine mit geflochtenen Körben, wo man die Kleider reintut und ein Schliessfach für die Wertsachen. Die Badetücher nimmt man normalerweise nicht mit. Tritt man anschliessend ins Bad, muss man sich erst waschen: Hierzu gibt es einen sehr kleinen Holzschemmel, auf dem man sich sitzend wäscht. Shampoo und Duschdas ist vorhanden. Es gibt sowohl eine Duschbrause, als auch ein Holzkessel, mit dem man sich Wasser über den Körper schütten kann. Nachdem man sich also gründlich gewascht hat, darf man dann in die Bäder.
In diesem Onsen gab es drinnen zwei Bäder, eins mit Sprudel und eins ohne, im oberen Stock eine Sauna (allerdings ohne eiskaltes Bad) und draussen ein Bad und drei ein-Mann-grosse-Kessel. Das Komische (zumindest für mich) war, dass alle Bäder zwischen 40-42°C heiss waren. Bei uns sind die Bäder ja immer verschieden heiss. Eine Hostelmmitarbeiterin erklärte mir dann, dass es unterschiedliche Onsen gibt, aber jedes Onsen nur Bäder mit einer Temperatur hat. Mir waren die Bäder aber definitiv zu heiss und darum musste ich nach 5-10min immer wieder eine kalte Dusche nehmen und das Bad wechseln, auch wenn sich nichts änderte. Um 13 Uhr ging ich dann. Ich war die ganze Zeit alleine im Bad gewesen. Ich hätte noch viel länger bleiben können (keine Zeitlimite), wenn das Wasser nicht so heiss gewesen wäre!
Nach 15 Uhr wurde ich dann gratis wieder zurück an den Bahnhof gefahren und ich stieg in den Zug nach Matsumoto…
Gestern machte ich einen Tagesausflug nach Kamakura. Kamakura ist eine kleine Küstenstadt, ca. eine Stunde von Tokyo entfernt und für seine Tempel und Schreine sowie den grossen Buddha bekannt. Am Morgen machte ich mich früh auf den Weg und fuhr zuerst mit der lokalen Chuo-JR Line nach Akihabara, wechselte dort auf die Yamanote-JR Line nach Tokyo Station und fuhr dann mit der JR Yokosuka-Line nach Kita-Kamakura, wo ich um ca. 9:30 Uhr mit vielen weiteren Wanderer (vor allem ältere Japaner und viele Schulklassen) eintraf. Die JR Yokosuka-Line kann mit einer S-Bahn bei uns verglichen werden, allerdings war der Zug sehr schnell unterwegs und legte die grosse Distanz in kurzer Zeit zurück!
Kita-Kamakura ist ein kleiner Bahnhof. Es erwartete mich wunderschönes Wetter; ca. 25 Grad warm und blauer Himmel! Ich hatte die Wettervorhersage zwar zuvor überprüft, aber nach zwei Regentagen und kühlen Temperaturen konnte ich die Prognose nicht so ganz glauben und kam trotzdem in meinem dicken Pullover. In Kamakura gibt es so viele Tempel, dass es gar nicht möglich ist, alle an einem Tag zu besuchen. Leider gab es in Kita-Kamakura keine Karte und so folgte ich einfach meiner Zeichnung und den vielen Wegweisern.
Einen ersten Abstecher machte ich gleich nach 300m zum Meigetsu Shrine. Der Eintritt kostete zwar 300 Yen, doch im Gegensatz zu China erwartete mich nicht einfach nur ein Tempel (mit der Zeit sehen alle gleich aus = langweilig), sondern einen wunderschön hergerichteten Garten mit vielen Blumen und Bäumen! Ich muss schon sagen, die Japaner haben ein Auge dafür! Ich war wirklich begeistert!
Anschliessend entschied ich mich, auf der anderen Strassenseite den Jochiji Tempel zu besuchen. Dieser war am Waldrand gelegen, hatte einen kleinen Friedhof und wusste wieder durch die wunderschöne Anlage zu bezaubern! Teilweise sehe ich viele Buddhimus-Dinge, bei denen ich dann leider nicht genau weiss, worum es sich handelt. Zum einen gibt es diese kleinen Steinfiguren, die alle einen roten Latz tragen und meist auch einen roten Hut. Dann habe ich bei diesem Tempel auch noch drei Waschbären-Figuren gesehen, bei denen ich auch nicht weiss, wofür die nun genau stehen. Zudem hat es hinter den Grabsteinen immer noch lange mit japanischen Schriftzeichen beschriebenen Holzlatten. Auch dieser Tempel kostete wieder Eintritt.
Von diesem Tempel aus machte ich dann den ca. 60-90 minütigen Daibutsu Hike (Great Buddha), der mich durch den Wald und über Stock und Stein (natürlicher Wanderweg, so wie es Schweizer lieben!) brachte. Unterwegs begegnete ich vielen älteren Japanern oder ganzen Schulklassen in ihren Uniformen. Alle grüssten mich immer freundlich mit “Konnichiwa”, die Jungen bevorzugten es manchmal einfach “Hallo” zu rufen. Bei der Hitze war die Wanderung zwar ein wenig anstrengend, aber in der Mitte gab es mal einen Schrein, wo ich mein Wasser auffüllen konnte.
Bei einem Schrein/Tempel gibt es immer zuerst ein kleiner Tempel mit einem Brunnen und so Schöpflöffeln, wo man sich die Hände reinigen soll. Erst dann soll man zum Tempel/Schrein gehen. Zudem hat jeder Tempel eine eigene Holzplakette; also das Sujet variiert immer. Auf diese Holztafel kann man dann seine Wünsche schreiben (eher allgemein) und hängt dieses dann an eine Wand. Zudem kann man sich bei Tempeln auch immer so Schicksalslose kaufen, auf denen dann eben steht, ob man Glück haben wird oder doch eher Pech. Wenn man ein schlechtes Los zieht, kann man es an ein separates, extra dafür vorgesehenes Seil hängen. Das soll scheinbar das Pech abwenden.
Auf dem Daibutsu Hiking Trail kam ich auch noch beim Zeniarai Benten vorbei. Bei diesem Schrein gibt es eine kleine Höhle mit einer Quelle. Es wird gesagt, dass jenes Geld, das man dort wäscht und dann ausgibt, sich verdoppeln wird. Ich habe deshalb eine 1000 Yen-Note und eine 500 Yen Münze gewaschen. In der Höhle gab es zudem einige gefaltete 1000 Kraniche, die von der Decke runterhingen.
Das Schöne an diesem Wanderweg war auch, dass ich vor allem nur japanischen Touristen begegnete, ausländische Touristen habe ich dann später eher angetroffen. Zu Hause machen sich ja viele darüber lustig, dass die Japaner Reisen à la “ganz Europa in nur 8 Tagen” machen würden und das stimmt auch. Wie ich von Erina und Yasu erfahren habe, ist es zwar so, dass die Japaner eigentlich auch 20 Ferientage zu Gute hätten, doch alle nur ca. 1-2 Wochen einlösen. Wenn man mehr Ferien macht, dann riskiert man, den Job zu verlieren, weil man in den Augen aller so wohl zu wenig seriös arbeitet. Darum bleibt den Japanern woh auch nichts anderes übrig, als solche Schnell-Ferien zu machen.
Nach ca. 90 Minuten, einigen Pausen und Abkürzungen später kam ich dann zum Ende des Wanderweges. Hier musste ich dann noch kurz der Strasse folgen, die mich direkt ins Dorf Hase brachte. Die grosse Attraktion (im wahrsten Sinne des Wortes) von Kamakura ist der Great Buddha/Daibutsu. Er ist wirklich ziemlich gross und vor allem sehr schön, wie ich finde. Für 20 Yen konnte man auch ins Innere des Buddhas gehen, doch dies war nichts Besonderes und würde ich darum nicht unbedingt empfehlen.
Derzeit ernähre ich mich von mitgebrachten Migros Blévita-Crackern und Schweizer Schoggi. Die Japaner hingegen spinnen auf Grüntee in allen Variationen. Als ich beim Verlassen des Parkes einen Glacéautomaten entdeckte, musste ich mir einfach ein Grüntee-Latte-Cornet kaufen. Sagen wir es mal so: Es wird bei diesem einen Mal bleiben! Grüntee schmeckt mir einfach nicht!
Den Hasedera Tempel habe ich dann ausgelassen und bin gemütllich zum Meer gewandert. Im Meer waren einige am Baden und am Surfen, es windete jedoch ziemlich stark. Ich spazierte dann ca. 30 Minuten lang durch die verschiedenen kleinen Dörfchen oder Stadtteile von Kamakura, bis ich zum Bahnhof gelangte. Anschliessend folgte ich einer Souvenirstrasse, wo ich auch einen Totoro-Shop entdeckte! Ich muss gestehen, dass wir 90% aller japanischer Souvenirs sehr gut gefallen, da sie einfach wissen, welche Farbkombinationen und Muster schön aussehen. Mit chinesischen Souvenirs hingegen kann ich nichts anfangen; die sind mir zu rot, zu goldig und vor allem zu kitschig!
Als Letztes besuchte ich dann eine weitere bekannte Sehenswürdigkeit von Kamakura, den Tsurugaoka Hachimangu Schrein. Dieser bestand vor allem aus vielen Tempeln, ist etwas überlaufen mit Touristen und bietet nicht wirklich einen japanischen Garten. Leider begann dann nach 17 Uhr die Sonne unterzugehen und es wurde auch schon ein wenig kühler. Zudem schlossen alle Tempel um diese Zeit oder bereits vorher. Aus irgendeinem Grund entschied ich mich dann doch noch zum Kenchoji Schrein zu laufen. Leider führte der Weg an einer Strasse entlang und die Abgase waren ziemlich hoch!
Der Tempel war natürlich bereits geschlossen, weshalb ich weiter zum Bahnhof Kita-Kamakura laufen wollte. Unterwegs fiel mir mal wieder auf, wie viele Getränkeautomaten es in Japan eigentlich gibt; an einem Strassenrand standen doch tatsächlich 14 Getränkeautomaten und auf der gegenüberliegenden Seite nochmals drei!!!
Japaner scheinen teilweise recht kontaktfreudig zu sein, jedenfalls traf ich auf dem Weg eine ältere Japanerin und irgendwie kamen wir ins Gespräch. Sie sprach ein einfaches Englisch und erzählte mir, dass sie mal 6 Monate in Zürich gelebt hat. Beim Bahnhof verliess sie mich dann, ich zeigte meinen JR Pass und hüpfte gleich auf den kommenden Zug. Da ich keine Zeit gehabt hatte, um zu schauen, ob ich auf dem richtigen Zug war (ab einer bestimmten Station kann er in zwei Richtungen fahren), fragte ich das Schulmädchen, das neben mir sass auf Japanisch, ob der Zug nach Tokyo Station fahre. Sie wusste es auch nicht, schaute aber rasch auf ihrem Handy nach. Ihre Antwort war ein Redeschwall in Japanisch und ich musste ihr leider zu verstehen geben, dass meine Japanischkenntnisse sehr limitiert sind. In gebrochenem Englisch erklärte sie mir, dass ich aussteigen solle und den anderen Zug nehmen müsse, da ich im falschen sass (fuhr in den Westen von Tokyo, nach Shinjuku, nicht in den Osten).
Ich war unglaublich müde und wäre am liebsten schlafen gegangen, doch ich hatte bereits mit Erina abgemacht. So fuhr ich dann direkt nach Ueno, wo wir uns um 19 Uhr trafen. Abgesehen von Ranis Geburtstagsfeier hatte ich sie noch nie zuvor gesehen und auch da hatten wir nicht viel alleine miteinander gesprochen, aber sie schien nett zu sein und hatte mir angeboten, mit mir etwas zu unternehmen, deshalb hatte ich zugesagt. Sie kam direkt von der Arbeit und schlug vor, wieder zurück nach Tokyo Station zu fahren, denn dort kannte sie ein veganes Ramen-Restaurant. Das Restaurant hatte zudem Bio-Produkte und pries sein Essen mit Symbolen wie Ohne Fleisch, ohne Ei etc. an. Die Ramen schmeckten wirklich sehr gut, auch wenn ich einen Fleischkloss-ähnlichen Klumpen in meiner Suppe hatte. Ich finde es immer wieder unglaublich, dass Fleischimitate so beliebt sind.
Wir unterhielten uns während dem Essen über Gott und die Welt. Erina hat ein Jahr in Hamburg eine Sprachschule gemacht, hat das Goethe Zertifikat Level C1 abgeschlossen und spricht wirklich sehr gut Deutsch! Sie versteht 99% alles von dem, was ich ihr sagte und konnte auch immer gleich und perfekt antworten. Ich hatte ehrlich gesagt teilweise das Gefühl als würde ich mit einer Freundin mit Muttersprache Deutsch sprechen, nicht mit einer Ausländerin. Ich weiss auch nicht, ob es daran liegt, dass sie schon in Deutschland war, aber selbst das Gespräch schien mir sehr europäisch zu sein – mit den Chinesen ist es immer ganz komisch.
Das Essen selbst war nicht besonders günstig, meine Ramen kosteten 750 Yen, dafür gibt es in japanischen Restaurants immer gratis kaltes Wasser, was ich echt super finde! Anschliessend schlug Erina vor, noch auf Yasu zu warten, der um 22 Uhr Feierabend haben würde. Ehrlich gesagt war ich erst nicht so begeistert, da ich sehr müde war, doch schliesslich bin ich nur einmal da und darum wollte ich die Zeit auskosten. Wir gingen dann in das oberste Stockwerk des Bahnhofes in das “ig café”, wo wir uns ein Stück Schoggitorte leisteten. Erinas Cappuccino hatte zudem ein Häschen in den Schaum gezeichnet, so süss! Gegen 22:30 Uhr erschien dann endlich Yasu, doch um 23 Uhr machte das Café zu und darum gingen wir.
Mein zweiter Tagesausflug sollte mich nach Nikko führen, einem kleinen touristischen Bergdorf nördlich von Tokyo. Hierzu nahm ich extra um 7 Uhr morgens den Shinkansen in Richtung Fukushima. In Tokyo Station musste ich von der lokalen JR Linie auf den Shinkansen wechseln. Die Shinkansen fahren ab separaten Gleisen, was bedeutete, dass ich mein Ticket am Eingang vorweisen musste. Da ich am Bahnhof noch genug Zeit gehabt hatte, konnte ich noch rasch eine Sitzplatzreservation vornehmen, die mit meinem JR Pass gratis ist. Mein Shinkansen sah wirklich sehr futuristisch und modern aus. Ausser mir waren nur Geschäftsmänner in Anzügen im Shinkansen, die praktisch alle schliefen.
Ich muss zugeben, dass es schon irgendwie ein spezielles Erlebnis war Shinkansen zu fahren. Es kam kein Kontrolleur vorbei, da dies ja bereits am Tokyo Bahnhof überprüft worden war. Der Typ, der mit einem Wägeli mit Essen und Getränken herumfuhr, verbeugte sich immer leicht beim Verlassen und Betreten des Waggons! Zudem kündigte er sein Sortiment sehr leise an. Auch hier steht die japanische Servicequalität wieder an erster Stelle!
Im lokalen Zug von Utsunomiya nach Nikko traf ich dann auf zwei Amerikanerinnen, die beide schon zum xten Mal in Japan waren. Während der fast stündigen Fahrt nach Nikko erhielten wir uns ganz nett miteinander.
Um 9 Uhr traf ich dann in Nikko ein, war allerdings auf den ersten Blick gerade etwas enttäuscht. Es erschien mir wie ein typischer Schweizer Bergort wie beispielsweise Grindelwald, der nicht besonders schön aussieht, weil total verbaut und viele Ferienhäuser und durch viele Souvenirshops definiert wird. Dieses Bild besserte sich später, als dann die Shops endlich geöffnet waren, auch nicht. Zudem war es ziemlich kalt in Nikko, obwohl die Wettervorhersage gut war. Ich besuchte dann die berühmte Brücke und danach die vier bekannten Tempel und Schreine, die alle nebeneinander liegen. Hier gab es deutlich mehr ausländische Touristen. Um ehrlich zu sein bin ich schon nicht mehr so ein grosser Tempelfan, da ich schon in China zu viele gesehen habe und ich die geschichtlichen oder religiösen Anekdoten sowieso nie verstehe und mir die Tempel einfach anschaue, ein Foto mache und dann weitergehe. Beim einen Tempel sah ich aber zwei ältere Männer in tollen Kimonos und versuchte heimlich ein Foto zu schiessen. Plötzlich kam der eine auf mich zu und sagte mir auf Japanisch, dass wir ein Foto zusammen machen sollen. Er winkte seinen Kollegen her und einen Typen, der eine Spiegelreflexkamera mit riesigem Objektiv rumschleppte. Ich war erst etwas skeptisch, denn wäre man in China, müsste man dann dafür bezahlen. Aber ich liess mich überreden und wir standen vor ein Tori und drei alte Bäume und liessen uns vom Fotografen mit meiner und seiner Kamera fotografieren. Nach ein paar Fotos tauchten dann plötzlich noch vier Frauen in Kimonos auf und dann wurden Gruppenfotos gemacht. Ausserdem liefen einige Leute in Businesskostümen herum, weshalb ich vermute, dass da wohl irgendeine wichtige Besprechung stattfand. Ich finde es aber toll, dass ich die Möglichkeit hatte, mit ihnen ein Foto zu machen.
Nach dem letzten Tempel war es erst 13 Uhr und ich war ziemlich erstaunt, denn ich hatte erwartet, dass man für Nikko einen ganzen Tag braucht und darum war ich auch extra früh aufgestanden. Ich traf dann auf ein Schwedisch/Australisches-Pärchen, welche dasselbe “Problem” hatten, aber anschliessend weiter zu einem Onsen wollten. Sie nahmen dann den Bus zurück an den Bahnhof und ich beschloss, mich ihnen anzuschliessen. Im Bus kam mir dann in den Sinn, dass ich die Strasse mit den vielen Jizos leider nicht gesehen hatte. Ich hatte dann aber keine Lust nochmals umzukehren, ausserdem war es ziemlich kalt, und so fuhr ich mit dem Zug um 14:20 Uhr bereits wieder Richhtung Tokyo.
In Tokyo hatte ich rasch Zeit, mich ins Hostel erholen zu gehen, bis ich mich dann um 18:30 Uhr mit Erina in Iidabashi traf. Wir gingen dann zusammen in ein französisches Restaurant essen. Erina erzählte mir ausserdem, dass Japaner zu keiner Jahreszeit in einem Restaurant gerne draussen sitzen und so war es dann auch wirklich: so besonders kalt war es nicht, aber wir waren die einzigen, die draussen sassen. Unser Kellner überraschte uns mit perfektem Deutsch (er war in Deutschland aufgewachsen) und sprach zudem Französisch mit dem Besitzer. Als Vorspeise teilten wir einen Salat, assen dann Galotte (ich mit Pilzen, Kartoffeln und Käse) und zum Dessert teilten wir uns noch ein Crêpes mit Schoggi und Sahne. Bezahlt haben wir dafür je ca. 25 CHF. Für Japan zwar sehr teuer, aber wenn ich es mit der Schweiz vergleiche, ist es eigentlich ganz in Ordnung. Anschliessend gingen wir auf meine Bitte hin noch in ein Pachinko-Lokal (Game Centre), wo wir Purikura machten. Anschliessend verabschiedeten wir uns gegen 21:30 Uhr auch schon wieder, da ich noch packen musste.
In den letzten Tagen sind mir zudem noch Folgende Dinge aufgefallen: – Wie Rani mir erklärt hatte, wird auf den Tokyoter Plattformen (JR Linie) immer Vogelgezwitscher abgespielt, damit so Selbstmörder von ihrem Plan abgebracht werden sollen. Ich frage mich ja, inwiefern dies helfen soll!? Nachdem ich aber davon wusste, fiel es mir jedesmal beim Verlassen oder Betreten der Plattform auf. – Jede Zuglinie (JR, U-Bahn, Shinkansen etc) hat eine eigene Melodie, die ertönt, bevor eine Stimme die nächsten Abfahrten aufsagt oder wichtige Informationen abgibt. Diese Melodien sind meist ziemlich lange und tönen immer sehr fröhlich! – in den Restaurants gibt es meistens eine Kasse, wo man nach dem Essen mit dem Beleg hingehen muss und bezahlt. Beim Bezahlen, auch im Supermarkt, gibt es so eine Plastikschale, in die man das Geld legen soll. Der Vorteil ist wohl für die KassierInnen, dass sie so gleich sehen, wie viel (Münzen) ihnen gegeben wurde. – Generell ist es in Japan wirklich sehr einfach zum Herumreisen, da alles sehr gut beschildert ist und falls wirklich mal keine Informationen vorliegen sollten, kann man jemanden fragen, denn alle sind sehr hilfsbereit und freundlich! – Das Einzige, was mich etwas an Japan nervt, ist, dass man seinen Abfall immer mitrumschleppen muss, weil es nur ca. alle 10km einen Abfallkorb gibt! Ich frage mich doch ein wenig, wie es trotz dieses Konzeptes in Japan so sauber sein kann!? – Wohl immer noch ein wenig geprägt von China, verdächtige ich gleich immer alle, die mich auf irgendeine Weise anquatschen. In Nikko war ich beispielsweise dabei, Fotos von Sakuras zu knipsen als plötzlich ein Typ kam und sagte: Come here! Er führte mich zum Baum daneben (da gab es ein Schild), bloss um mir zu zeigen, wie der Baum heisst. – Japan beherrscht zudem die Kunst, leckere süsse Backwaren herzustellen. Ich habe mir mal als Test im Lawson ein Croissant mit Schoggi gekauft und war überrascht, als ich dann feststellte wie gut es schmeckte. – Ich glaube, in Japan kann man zudem sicher sein, dass nichts gestohlen wird, auch wenn man seine Sachen kurz unbeaufsichtigt lässt. Scheinbar sei es schon vorgekommen, dass eine teure Handtasche zwei Stunden alleine im Starbucks rumstand, ohne dass sie jemand nahm! – In dem Café, in welchem ich mit Erina und Yasu am Abend zuvor war, gab es bei den Barhockern auf dem Boden extra so geflochtene Körbe, wo man seine Taschen und Mitbringsel reintun konnte, da man bei diesen Stühlen die Jacke ja beispielsweise nicht über die Lehne hängen kann. Das finde ich eine echt gute Idee!
Jedesmal wenn mir irgendetwas Aussergewöhnliches auffällt, notiere ich es gleich auf meinem Handy, damit ich nicht vergesse darüber zu schreiben. Als Erstes somit wieder einige Dinge, die mir aufgefallen sind:
- In Japan funktioniert das Prinzip: warten bis alle ausgestiegen sind und dann erst einsteigen! Zudem gibt es kein Gedränge, sondern es bildet sich schön brav eine Schlange und die Japaner lassen genug Platz, damit alle aussteigen können. So sollte es sein! (In Beijing genau das Gegenteil!) Ausserhalb der Stosszeiten gibt es zudem genügend Abstand zwischen den einzelnen Leuten und alle verhalten sich sehr höfllich wenn sie neben einem durch müssen. Während der Rush Hour herrscht aber eher ein Gedränge, respektive alle versuchen sich reinzudrücken, möglichst ohne jemandem anzukommen. Das Ganze geht schweigend vonstatten, da sowieso von Anfang an klar ist, dass man vielleicht aus Versehen jemanden anrempelt. In Beijing ist das wieder ganz anders: Da wird mit Vorliebe gedrückt und die Chinesen scheint es auch nicht zu stören, so nahe beieinander zu stehen, da sie es sich wohl gewöhnt sind.
- Es gibt pro Wagen einige sogenannte Priority Seats, die für Schwangere, alte Leute oder Leute an Krüken vorgesehen sind. Im Gegensatz zu Südkorea, wo die Plätze auch zu Stosszeiten frei bleiben, werden die Plätze auch von “normalen” Leuten benutzt. Heute sass ich auf einem dieser Sitze und fühlte mich ein wenig unwohl, weil ich nicht wusste, ob es nun wirklich angebracht ist, da zu sitzen oder wem ich den Sitz offerieren sollte.
- Die Sitze in der JR-Linie (wie U-Bahn aber überm Boden) sind übrigens weich gepolstert im Gegensatz zu den Plastikstühlen in der Beijinger U-Bahn.
- Die Treppen hoch zu den JR-Linien-Plattformen sind übrigens schön zweigeteilt: ein kleiner Teil für jene, die runterlaufen und ein grosser Teil der Treppe für jene, die hochlaufen. Ganz schön organisiert und informativ wie die Japaner zu sein scheinen! Um ehrlich zu sein kriege ich aber immer gleich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich nicht daran halte… Ich frage mich ja, ob es den Japanern gleich geht und sie darum alle diese strengen “Regeln” beachten.
- Auf öffentlichen WCs konnte ich bisher normale WCs als auch Stehklos entdecken. Interessant fand ich auch, dass es in einem WC eine genaue Anleitung zum sauberen Händewaschen gab, vermutlich weil sonst bei den öffentlichen WCs die Hygiene nicht so gewahrt werden kann. Die Japaner scheinen etwas Hygiene-vernarrt zu sein, denn auch beim Crêpes-Stand gab es Desinfektionsmittel.
- Die letzten beiden Tagen hat es geregnet. In der JR-Linie hatten deshalb viele Leute einen Schirm dabei. Jeder dieser Japaner hatte den Schirm aber ordentlich zugeknöpft, also nicht lose und hielt ihn schön brav bei sich, damit er auch niemanden störte. Ich habe meinen nassen Schirm auch zugeklöpft, da ich es den Japanern gleich tun wollte.
- Heute sah ich an einer Strasse einige Taxi oder Sammelautos (für eine Schule), die auf Kundschaft warteten. Alle liessen dabei den Motor laufen und waren dabei entweder am Schlafen (Sitz runtergeklappt), Rauchen, auf dem Handy rumtippen, Zähne putzen, Essen, Zeitung oder Buch lesen!
- Sehr spannend finde ich auch, welche grosse Rolle Anime und Manga im Land seiner Herkunft spielen: Die Bücherläden sind voll mit Mangas, auf den Zügen und Häusern wird Werbung für neue Serien gemacht, derzeit gibt es eine scheinbar sehr erfolgreiche Ausstellung zur Serie One Piece und viele Werbungen oder Informationen scheinen mit süssen Comic-Charakteren besser zu funktionieren. Auch vor Briefkästen oder Getränkeautomaten wird nicht Halt gemacht. Dies ist wohl darauf zurück zu führen, dass Mangas bei Japanern jeden Alters sehr beliebt sind; vom Schulkind bis zum Erwachsenen und vom einfachen Arbeiter bis zum Businesstyp mögen alle Mangas. Viele Jungs haben übrigens auch irgendwelche Mangafiguren an ihrem Handy, ähnlich wie chinesische Jungs durchaus ein Hello Kitty-Anhänger haben können.
- An vielen Strassenecken gibt es kleine Polizeistationen, die wohl für ihr Quartier zuständig sind. Auch bei meinem Hostel hier in Asakusabashi gleich um die Ecke gibt es eine solche Police Box mit jeweils zwei älteren Polizisten. Heute Morgen konnte ich beobachten, wie der eine Polizist einer alten Frau den Weg erklärte. Hier schein das Motto “Die Polizei – dein Freund und Helfer” wirklich noch zu gelten!
- Eine tolle Idee in Japan, da viele Restaurants nur wenige Plätze bieten und darum schnell voll sind: Während man draussen auf Einlass wartet, wird einem schon mal die Speise/Getränkekarte gereicht, damit man sich schon informieren kann und so die Wartezeit sinnvoll nutzen kann. So gesehen in einem Starbucks in Harajuku und im Ghibli Museum.
- Gestern beim Besuch des Imperial Palaces ist mir aufgefallen, dass es mir immer leichter fällt, Chinesen von den Japanern zu unterscheiden. Viele Punkte habe ich zuvor schon erwähnt. Iku fügte zudem heute noch hinzu, dass japanische Mädchen viel Make Up benutzen, während Chinesinnen selten geschminkt sind.
Die letzten beiden Tage war das Wetter leider nicht besonder schön und vor allen auch sehr kühl. Während ich gestern noch ohne Schirm unterwegs war, weil es meist nur rieselte, musste ich heute aber mit einem Schirm ausrücken. Dies ist natürlich schade, weil es so nicht besonders viel Spass macht herumzulaufen.
Am Sonntagmorgen machte ich mich früh aus dem Haus und fuhr zur Tokyo Station, wo ich meinen JR-Ticket in einen richtigen Pass umtauschte. Anschliessend lief ich zum Imperial Palace, wo ich mir den Imperial East Gardens ansehen wollte. Das Tor öffnete erst um 9 Uhr, doch dafür hatte ich meine Ruhe und konnte dem Touristenstrom eine Stunde später entgehen. Besonders zu empfehlen ist der “Ninomaru Japanese Garden”, dieser ist wunderschön angelegt – Japaner haben wirklich ein Auge fürs Schöne! Nach einer Stunde guckte ich mir dann noch die Nijubashi Bridge an, von wo aus man ein bisschen den Imperial Palace sieht, welcher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.
Danach fuhr ich mit der Subway zum Yoyogi Park, denn gemäss Informationen besammeln sich sonntags immer viele verrückt gestylte Leute am Eingang des Yoyogi Parks, auf der Harajuku Brücke oder allgemein in Harajuku. Der Park an sich war nichts Besonderes und mehr eine Grünfläche mit einem Springbrunnen. Viele Leute waren am Picknicken, es gab aber auch ein paar Gruppen, die Tai Chi / Meditation / Tanz (?) ausführten. Per Zufall geriet ich dann in die Veranstaltung “Japan Earth Day”, wo es eine Reihe von Ständen gab, wo man wohl die Umwelt oder irgendwelche Organisationen hätte unterstützen können.
Während den nächsten 4 Stunden lief ich ganz Harajuku ab, besonders jene bekannte Strasse, an deren Seitenrand es von schrägen Geschäften nur so wimmelt. Ich begegnete glücklicherweise einem ganz in rosa gekleideten Typen (?), einige blauen Pikachu-Fans (die ich um ein Foto bat), sowie ein paar Mädchen im Gothic Lolita-Kostüm. Eine sehr interessante Gegend!!
Nach 17 Uhr fuhr ich dann mit der Subway zu den Roppongi Hills, eines der teuersten Einkaufsgebiete. Leider begann es da stärker zu regnen und mir war ein wenig kalt, weshalb ich einfach ein Ticket für den Mori Tower kaufte. Oben hatte ich zwar ca. 360° Grad Aussicht, aber nur durch ein Fenster. Ich wartete dann mehr als eine Stunde, verfolgte den Sonnenuntergang und schoss ein paar Fotos.
Im Anschluss dazu fuhr ich mit der U-Bahn nach Akihabara, wo ich mir schnell einen Adapter für meinen Laptop kaufte und dann im Regen nach Hause lief.
Heute Morgen war ich sehr müde und schaffte es erst auf 8 Uhr aufzustehen. Ich traf dann meinen neuen Mitbewohner, einen Amerikaner und eine Frau aus Neuseeland. Gemeinsam gingen wir dann mit der JR-Linie nach Akihabara, wo wir uns dann trennten, weil wir andere Pläne hatten. In Ueno angekommen, musste ich dann aber feststellen, dass ich meine SD-Karte für die Kamera im Hostel vergessen hatte. Mir blieb darum nichts anderes übrig, als noch einmal zurückzugehen und wieder herzukommen.
Gegen 11 Uhr konnte dann endlich meine Erkundungstour in Ueno starten, doch leider regnete es mittlerweile recht stark. Nachdem ich die Einkaufsstrasse Ameyoko passiert hatte, begab ich mich in den Ueno Park, der einige schöne Plätze zu bieten hat. Nachdem ich diese abgeklappert hatte machte ich mit weiter auf den Weg zum Yanaka Friedhof, der wirklich sehr schön und vor allem riesig ist! Unterwegs kam ich auch an einigen kleinen Tempeln vorbei, die eigene kleinere Gräber hatten. Vielfach gab es auch diese kleinen Steinbuddhas mit rotem “Latz” und Hut, die scheinbar Kinder beschützen sollen.
Weil es so stark regnete, ich etwas durchnässt war, fuhr ich gegen 3 Uhr weiter nach Shibuya, wo ich mir im Starbucks den neuen Chocolate Cake Crunchy Frappuccino mit Vanille Pudding gönnte und dabei die berühmte Kreuzung beobachtete. Um 16 Uhr traf ich mich dann mit Iku, meiner japanischen Mitstudentin von Mandarin House Beijing. Wir gingen in ein Izakaya (Art eines Restaurants, wo man kleinere Mahlzeiten bestellt und trinken kann) und bestellten zwei Bier, zwei Cassis-Orange, Edamame, Pommes mit Knoblauchbutter und Auberginen und bezahlten dafür gerademal 22 CHF! Anschliessend machten wir noch zusammen Purikura und verabschiedeten uns dann um 19:30 Uhr.
Kommen wir zuerst einmal zu verschiedenen Sachen, die mir hier in Tokyo aufgefallen sind:
- auf der Strasse werden selten Flyer verteilt, dafür aber Taschentücher mit einem Werbezettel drin. Ich finde dies sehr praktisch. Dass die Japaner ein sehr höfliches Volk sind, zeigt sich auch beim Ablehnen von Werbung: Ich habe einen älteren Mann dabei beobachtet, wie er sich leicht verbeugt und “Sumimasen” gesagt hat, weil er die Taschentücher nicht nehmen wollte.
- Tokyo ist eine sehr saubere Stadt, auch wenn es nirgendwo Abfallkübel gibt. Dieses “nirgendwo” ist nicht übertrieben. Einzig in den Conbini oder teilweise bei den Getränkeautomaten finden sich Abfallkübel. Trotzdem sind die Strassen aber sehr sauber, Abfall sieht man nur selten. Ich gehe darum davon aus, dass die Japaner den Abfall einfach immer mit sich rumtragen.
- Japaner haben ein Händchen für Dekoration und Design. Dies zeigt sich sowohl in der Architektur, als auch bei der Einrichtung von Geschäften, bei Verpackungen oder einfach bei den Produkten an sich. Mir gefällt der japanische Stil zudem echt gut!
- Japaner sind generell sehr gut gekleidet. Wie schon erwähnt tragen Businessmänner und -frauen vornehmlich einen Anzug und die Schüler eine Uniform. Davon abgesehen sind dem eigenen Kleidergeschmack aber keine Grenzen gesetzt und darum wird auch alles wild kombiniert. Das Gemeine (für mich) ist, dass es meistens aber trotzdem gut aussieht. Bei den jungen Mädchen in den Vierteln Shibuya und Shinjuku sind vor allem Miniröcke (teilweise sehr kurz) beliebt und dazu Kniestrümpfe. Oder hohe Absatzschuhe mit pastellfarbenen (meist rosa oder hautfarben) Socken mit Rüschchen. Diese Mädchen sind meist auch stark geschminkt, wobei es aber trotzdem gut aussieht, wie ich finde. Besonders beliebt sind derzeit Pastelltöne à la Mintfarben, Rosa und Hautfarben. Auffällige Farben sind eher selten zu sehen. Die meisten dieser hippen Mädchen haben auch keine schwarzen Haare, sondern eine Art Blond oder Braun, was aber meist nicht unnatürlich wirkt.
- Wie schon zuvor besprochen gibt es einige Unterschiede zwischen Chinesen und Japanern. Ich beziehe mich hier vor allem auf Chinesen von Beijing und Japanern aus Tokyo. Die Japaner sind sehr modebewusst und wissen sich wirklich zu kleiden, während man die von 90% der Chinesen nun wirklich nicht behaupten kann. Die Chinesen haben meist eine langweilige, gerade Frisur und eher pechschwarze, dicke Haare, während die Japaner ihre Haare gerne färben und lockige Haare haben, zudem sind ihre Haare sehr fein. Das Gesicht der Japaner erscheint mir nicht besonders rundlich, sondern eher oval (längsförmig) und – ganz wichtig – ihre Nase gleicht der unseren, also ziemlich gross und spitz, während die meisten Chinesen eine plattgedrückte Nase haben. Abgesehen davon kann man sich natürlich auch aufs Verhalten achten, wobei jene Chinesen, die es sich leisten können, reisen zu gehen, natürlich auch eher zur Oberschicht gehören.
Leider habe ich auch den gestrigen Tag mit Grace, der Singapurin verbracht. Um 10 Uhr trafen wir uns in der Lobby und fuhren mit dem Zug nach Mitaka, von wo aus wir zum Ghibli Museum (Hayao Miyazaki) liefen. Dieser gemütliche Spaziergang entlang einer schmalen “Dorfstrasse” (ich liebe die japanischen Viertel!!) während ca. 15 Minuten war ihr zu viel, zumindest beklagte sie sich schon wieder. Sie ist sehr egoistisch und bestimmt immer, was wir machen etc. Darum ging sie mir schon wieder auf die Nerven und ich habe ihr mehrere Male versucht zu zeigen, dass mich das nervt, doch sie hat es nicht verstanden. Ich muss noch lernen Nein zu sagen!
Die Tickets für das Ghibli Museum kann man entweder online oder vor Ort beim Conbini Lawson kaufen. Es kostet nur 1000 Yen, ist aber nur für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Uhrzeit gültig. Als Eingangszeit kann man entweder 10:00 / 12:00 oder 14:00 Uhr wählen. Wir waren ca. eine Viertelstunde zu früh dran, wurden aber trotzdem reingelassen. Im Innern des Museum herrscht ein Fotografierverbot, was sehr schade ist. Das Museum ist wirklich sehr interessant; es gibt ziemlich viel zu sehen, es ist interessant und den Filmen entsprechend eingerichtet, schön dekoriert und architektonisch sehr abwechslungsreich! Meiner Meinung nach sollte jedes Museum so sein, dann würde ich auch öfters hingehen. Im Preis inbegriffen war auch die Vorstellung eines Kurzfilms, welcher bei uns von einer Wasserspinne (?) und einem Wasserläufer handelte, wirklich echt süss die Geschichte und mit einer Moral: wenn man sich etwas ganz fest wünscht, dann geht es auch irgendwann in Erfüllung! Im Innern gibt es zudem einen Katzenbus für Kleinkinder zum Herumtollen, sowie einen Katzenbus für Erwachsene, wo man sich reinsetzen kann. Aus Stofftierfell!
Es gibt auch einen kleinen Museumsshop, der wirklich sehr beliebt ist und viele süsse Souvenirs bereithält. Die Preise sind meiner Meinung nach für einen Museumsshop noch verhältnismässig recht günstig. Anschliessend wollte ich unbedingt in das Restaurant essen gehen, weil mir Ranis Kolleginnen gesagt haben, dass ich das unbedingt machen soll und weil es so hübsch aussieht. Das einzige Problem hierbei (welches mir im Voraus schon bekannt war) die lange Wartezeit! Das Restaurant verfügt über nicht besonders viele Plätze und darum wird nur eine angemessene Anzahl Gäste hereingelassen, alle anderen müssen in einer Schlange (teilweise Gartenstühle) draussen warten, für Unterhaltungsmöglichkeit ist allerdings gesorgt (Bücher). Grace wollte aber nicht warten und versuchte mich die ganze Zeit zu überzeugen, doch einfach ein Eis als Mittagessen zu nehmen, was ich aber nicht wollte und für einmal standhaft blieb. Wir mussten dann ca. 30min bis 1 Stunde warten, was es mir aber Wert war. Ich bestellte mir ein Sandwich ohne Fleisch (die Japaner verstehen diesen Wunsch und führen ihn auch aus!) und zum Dessert ein grosses Stück Strawberry Shortcake mit viel Sahne! Hierzu wird einem übrigens in den Restaurants immer gratis kaltes Wasser serviert. Hierfür habe ich ca. 20 CHF ausgegeben, was ich also für angebracht hielt.
Anschliessend machten wir uns gegen 16 Uhr auf den Rückweg, den ich diesmal durch den Inokashira Park antreten wollte. Im Park gab es noch vereinzelte Sakura-Bäume, die nicht nur blassrosa sind, sondern auch weiss und ein dunkles pink! Wirklich sehr schön! In der Mitte des Parks befand sich auch ein See, auf dem man mit Pedalos in Schwanenform herumfahren konnte. In der Nähe der JR-Linie gab es verschiedene kleine Läden und Cafés, die alle spezielle Dinge verkaufen. So was vermisse ich in der Schweiz, während es diese hier zuhauf gibt!
Bei der U-Bahn trennten wir uns und ich fuhr nach Shibuya, wo ich die Zeit bis um 19 Uhr damit verbrachte, in der Shoppingmall 109 herumzulaufen. Auf 8 Stockwerken befanden sich verschiedene kleine Kleiderläden für junge Mädchen mit teils speziellen Kleidern. Eine Käuferin schöner als die andere und hipper angezogen… Wie in China tragen auch hier die Verkäuferinnen die Kleider, die sie verkaufen.
Um 19 Uhr traf ich mich bei der Hachiko-Statue mit Rani, Sabrina und Tamara. Rani feierte heute ihren 20. Geburtstag. Ausserdem kam noch der 30-jährige Japaner Yasu und die ca. 33-jährige Japanerin Erina. Beide haben ein Auslandjahr in Deutschland verbracht und sprechen meiner Meinung nach recht gut Deutsch! Ich finde, sie haben eine deutlichere Aussprache als die Chinesen…
Scheinbar gibt es überall auf der Strasse irgendwelche Typen, die sogenannte Trink-Tickets verkaufen. Das bedeutet, man bezahlt pro Person eine gewisse Summe, kann dann aber während einer oder zwei Stunden in einem bestimmten Restaurant so viel trinken wie man will. Wir gingen also in ein sehr kleines Isakaya, wo wir ein eigenes Abteil erhielten. In Japan sind die Tische meist abgetrennt, wohl um etwas Privatsphäre zu schaffen. Erina bestellte dann eine Reihe von Gerichten (Pizza Margherita, Edamame, Caeser Salad etc.), die aber separat bezahlt werden müssen. Ich hatte 5 oder 6 alkoholische Getränke, spürte vom Alkohol aber rein gar nichts. Wir bestellten zudem einen Geburtstagskuchen für Rani, der mit einer sprühenden Kerze, Musik und Raum abdunkeln überbracht wurde. Anschliessend gingen wir zusammen Purikura machen und verabschiedeten uns dann gegen 23 Uhr, da Rani und die anderen am nächsten Tag nach Hause flogen.
Ich wohne nun ja in einem 4er-Dorm. Meine beiden männlichen Mitbewohner habe ich bisher nur schlafend gesehen. Scheinbar kommen sie aus Frankreich und verbringen wohl den ganzen Abend im Aufenthaltsraum im Hostel, jedenfalls gehen sie immer erst gegen 5 Uhr morgens schlafen und stehen dann erst gegen Abend auf. Dies habe ich von meiner Zimmergenossin Tham erfahren, die aus Sydney kommt (und von Sri Lanka stammt). Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch zwischen uns und so plauderten wir noch bis nach 2 Uhr morgens zusammen.
Eigentlich wollte ich heute früh aufstehen und endlich etwas von der Stadt sehen, doch ich war zu müde und schlief darum bis um 10 Uhr aus. Um 11 Uhr musste ich mich dann mit Grace treffen. Tham flog auch heute nach Hause, aber erst abends, und schloss sich uns darum an. Wir liefen dann gemeinsam nach Akihabara, dem Elektronik- und Gameviertel, in welchem besonders viele Animefreaks zu finden sind. In Akihabara gibt es eine Reihe von grossen Shoppingmalls und natürlich viele Pachinko, Game-Center, die immer sehr laut sind. Überall war schreiend farbige Werbung mit Anime-Charakteren zu sehen und auf der Strasse priesen verschiedene Mädchen in Kostümen die Maid Cafés oder möglicherweise andere Dienste an. Man fühlt sich jedenfalls wie in eine andere Welt versetzt. Wir gingen dann in einen Ramenladen etwas essen, doch schon da krieselte es zwischen Grace und Tham, Grace aber nach wie vor nichtsahnend und nichtsschnallend. Ich hatte am Tag zuvorr Tham mein Leid geklagt und irgendwie konnte ich mich dann rausreden, noch mit Grace nach Ginza zu gehen und fuhr stattdessen mit Tham nach Koenji.
Alleine hätte ich es wohl nicht geschafft, mich von Grace zu trennen, denn ich fände es irgendwie gemein, ihr so direkt zu sagen, dass ich nicht mit ihr zusammen sightseeing machen will. Aber Tham hat eigentlich Recht, wenn sie sagt, dass es ja meine wohlverdienten Ferien sind und ich ja nicht unbegrenzt Zeit habe hier in Tokyo und Grace und ich nun mal nicht den selben Reisestil haben.
Koenji ist ein lebhaftes Viertel mit kleinen Häusern (gleicht einem Dorf) und vielen Secondhand-Shops oder anderen Geschäften, die schön dekoriert sind und spezielle Dinge anbieten! Hier entdeckte ich dann auch endlich einige kleinere, richtige Supermärkte! Nach 15 Uhr verabschiedete ich mich von Tham und spazierte noch ein wenig alleine durch die Gegend. Gegen 17 Uhr beschlossen ich umzukehren und fuhr nach Shinjuku, wo ich das Tokyo Metrpolitan Government besuchte, wo man gratis zum 45. Stock hinauffahren kann. Das Gebäude hat zwei Türme, ich war im nördlichen. Leider kann man nicht nach draussen gehen, sondern die Aussicht nur von drinnen durchs Fenster geniessen. Tokyo besitzt im Gegensatz zu Beijing viele wenig-stöckige Gebäude! Ich war leider noch vor dem Sonnenuntergang dort. Da ich sehr müde war, fuhr ich danach nach Hause.