Everglades

Und wieder habe ich nicht sonderlich gut geschlafen, sondern wachte um Mitternacht und ab 4 Uhr morgens stuendlich auf. Einerseits war es irgendwie drueckend heiss im Zimmer, aber auch kalt. Um 7 Uhr beschloss ich dann aufzustehen, da weiche, warme, helle Sonnenstrahlen in mein Zimmer schienen.

Ich versuchte mich an Pancakes, was aber sehr flache und grosse, nicht runde Pancakes ergab. Ein klein wenig enttaeuscht genoss ich diese dann zusammen mit einer Mango. Anschliessend begann ich alles zusammen zu packen (diese Nacht hatte ich alleine in meinem Zimmer verbracht) und liess meinen Koffer im Buero verstauen. Gleichzeitig bezahlte ich noch meinen Aufenthalt und die Tour von 100 Dollar. Zudem musste ich noch einen Zettel unterschreiben, dass ich unter keinen Umstaenden (auch bei Tod etc.) das Hostel nicht verklagen werde. Schoene Aussichten fuer die Tour sind das wenn auf dem Blatt jedes Horrorszenario beschrieben wird.

Gemeinsam mit mir hatten die beiden Schwestern Esther und Claire aus Paris die Tour gebucht. Somit fuhren wir dann zu dritt um halb 10 Uhr mit unserem Guide Graham (Englaender, der schon seit 12 Jahren in Florida lebt) in Richtung Everglades davon. Wir hatten einen Kleinbus, an dem sich hinten ein Ladewagen mit Kanus und Kajaks befand. Um ehrlich zu sein, war mir Graham von Anfang an nicht sonderlich sympathisch; er gab auf jede Frage so eine bloede Antwort. Ich fragte beispielsweise, wann es denn wieder regnen werde. Er: Dann wenn es dann regnet. Klar, kann ja niemand einfach so wissen, aber es duerfte ja wohl bekannt sein, wann das Ende der Trockenzeit erreicht ist und die wet season wieder beginnt. Er war so ein starker Typ mit Muskeln, aber gleichzeitig einem riesigen Baum, der sehr braun gebrannt war, wobei er im Auto einen Tanning Dry Oil Spray hatte… Ich weiss nicht, ob er womoeglich nicht mehr so viel Spass daran hat, den Touristen jeden Tag von Neuem dasselbe zu erklaeren. Jedenfalls erschien er nicht so enthusiastisch.

Zuerst hielten wir am Strassenrand und er gab uns rasch einen Ueberblick ueber die Everglades. Danach fuhren wir ein paar 100m weiter und hielten dann nochmals an, um eine Alligatoren-Familie zu beobachten. Alligatoren legen 20-60 Eier pro Mal. Und die Babys wachsen zu Beginn jedes Jahr 3 Feet.

Weiter ging’s dann zu Cypress Wald, wo normalerweise eigentlich der Wet Walk stattfindet, aber da nun schon fast das Ende der Trockenzeit ist, war der Boden ganz ausgetrocknet und nicht mehr schlammig. Normalerweise reicht der Schlamm, das Wasser bis zu den Knien oder sogar Hueften. Wir wanderten also im Gaensemarsch durch diesen Waldabschnitt, in dem sich scheinbar echt viele Schlangen verstecken (23 verschiedene Arten). Wir haben drei Schlangen und 1 Alligator gesehen. Es war sehr interessant, allerdings wohl in der Wet Season noch etwas eindruecklicher. Graham machte uns teilweise auch etwas absichtlich Angst wegen den Schlangen – scheinbar gibt es zwei verschiedene Arten von giftig, da unterscheiden aber viele Sprachen nicht. Es gibt “venous” und “poisonous” Schlangen. Erstere sind toedlich wenn man gebissen und nicht rechtzeitig ins Spital gebracht wird. Wir mussten auch extra Turnschuhe anziehen und schliechen sozusagen durch diesen Waldabschnitt – Graham lief in seinen Sandalen herum.

Und auf zum naechsten Abenteuer: An einem See in den Everglades hielten wir an und die Kanus wurden bereit gemacht. Ich teilte mir mit Graham eins und sass vorne. Er hatte uns schon Angst gemacht, sie seien sehr aggressiv und koennten alles Moegliche versuchen, sie stellten sich dann eher als lammfromm heraus, im Vergleich zu seinen Erzaehlungen. Etwa eine ganze Stunden fuhren wir auf diesem See herum, der ueberall wieder von so speziellen Baeumen abegtrennt war und so ein Labyrinth formte. Es war wirklich toll und wir haben einige Alligatoren von so Nahe gesehen, dass ich nur die Hand haette ausstrecken brauchen, um sie zu beruehren! Ich musste auch nicht padeln, da dies Graham selbst machte und hatte so Zeit Fotos zu schiessen.

Danach fuhren wir zu einem weiteren Seeabschnitt, wo wir unser Mittagessen erhielten. Wir konnten uns unser eigenes Sandwich zusammenstellen; “dunkles” Toastbrot, Putenbrustscheibletten, Cheddar Cheese-Scheibletten, Tomaten und Eisbergsalat. Schmeckte besser als erwartet. Anschliessend fuhren wir zum suedlichsten Punkt der Everglades, der faelschlicherweise “Flamingo” heisst, obwohl wir keinen einzigen gesehen haben. Dort hatten wir 1.5h zur freien Verfuegung und liefen etwas am kleinen Strandabschnitt entlang. Uebrigens hat es im Norden der Everglades Suesswasser und dort leben die Alligatoren, danach vermischt sich das Suess- und Salzwasser und bei “Flamingo” ist dann das Salzwasser (Meer) und somit Krokodile. Es war drueckend heiss, ohne tueppig zu sein, was das Atmen etwas erschwerte. In einem Shop haben wir auch noch Quellwasser gekauft, das allerdings so einen graesslichen metallischen Geschmack im Mund hinterliess.

Auf dem Rueckweg besuchten wir noch den Pa Hee O Kay und Anhinga Trail, was ich ja bereits gestern gesehen habe, und hielten nochmals rasch fuer einen kurzen Wet Walk. Obwohl wir nicht soo viel gemacht hatten, waren wir alle drei ziemlich kaputt und erreichten dann gegen 16:45 Uhr das Hostel.

Kurz nach 17 Uhr fuhr ich dann mit dem lokalen Bus (wieder so ein alter) Nr. 38 nach Dadeland South Metrorail Station. Dies kostete nur 2 Dollar. Der Bus wird wirklich hauptsaechlich von Hispanics und Afroamerikanern benutzt. Mit der Metrorail fuhr ich dann zum Government Center in Miami Downtown, wo ich zum Busbahnhof lief und Bus C nach Miami South Beach nahm. Ich bin froh, dass in dieser Hinsicht alles geklappt hat. Auf dem ganzen Weg konnte ich ueberall die nur einstoeckigen Haeuser und Shops beobachten. Das finde ich wirklich sehr interessant und die unzaehligen Palmen tragen auch dazu bei. Als ich dann beim Government Center ankam, gab es auch vermehrt Hochhaeuser zu bestaunen und ich habe in Miami South Beach schon einige gesehen, die immer bei CSI Miami erscheinen.

Das Hostel Decowalk habe ich auch schnell gefunden, da es sich gleich am Ocean Drive (also am Strand) befindet. Es befindet sich im zweiten Stock eines Hauses und wirkt ein wenig wie ein Hotel. Ich habe kurz meine Sachen ins 8er Zimmer geschmissen und bin dann noch 20min draussen rumgelaufen bis es dunkel wurde. Leider gefaellt es mir nicht sonderlich – ueberall kann man riesige alkoholische Drinks erhalten, Partz und jeder versucht mit seinem Auto/Toeff riesig anzugeben. Wirklich voll die Partystimmung.

Aber nun gehe ich erst mal schlafen und seh mich dann morgen in Miami um…

Alligators

Spaet abends traf noch eine weitere Zimmergenossin ein; Anne aus dem Norden Amerikas. Obwohl wir die ganze Nacht den Ventilator laufen liessen, war es recht heiss im Zimmer, zeitweise allerdings irgendwie auch kalt. Jedenfalls schlief ich mehr schlecht als recht und wachte alle zwei Stunden wieder auf. Um 6 Uhr morgens war es dann auch bereits ziemlich hell.

Um 7 Uhr stand ich dann auf, obwohl ich eigentlich hatte ausschlafen wollen. Anne war auch gerade aufgestanden, worauf ich dann mit ihr runter ging und sie fuer uns gratis Pancakes machte. So was zum Fruehstueck zu essen bin ich mir eigentlich gar nicht gewoehnt, aber es war trotzdem sehr lecker draussen zu essen.

Eigentlich hatte ich fuer den heutigen Tag geplant, mit dem Velo in die Naehe der Everglades zu fahren, doch Anne hatte genau dies auch vor und wollte mit ihrem Auto hinfahren und bot mir an, mich mitzunehmen, was ich natuerlich gerne annahm, da die Distanzen hier in Amerika etwas groesser sind und es zum Velofahren sehr heiss gewesen waere.

Anne ist derzeit an ihrem PHG und studiert Oekologie. Sie scheint nicht die typische, klischee-maessige Amerikanerin zu sein. Sie war schon haeufig herumgereist und es machte Spass mit ihr zu Plaudern.

Nach ca. einer halben Stunde Fahrt hatten wir den Beginn der Everglades erreicht, hier gab es ein Visitor Centre, wo wir uns rasch informieren liessen. Anschliessend fuhren wir in den Park rein, derzeit ist Gratis Parkwoche, weshalb wir keinen Eintritt zahlen mussten. Beim “Anhinga Trail” (Weg des Amerikanischen Schlangenhalsvogels) hielten wir als erstes an. Es gab einen Parkplatz, der ein wenig an eine Raststaette erinnerte.

Der Anhinga Trail bestand aus einem betonierten Weg, der teilweise in einen Holzweg ueber Wasser fuehrte, von wo aus man wunderbar Unmengen an Alligatoren beobachten konnte. Diese Tiere lagen aber nur bewegungslos im Wasser. Zudem flogen sehr viele Vultures (Geier) herum, die scheinbar die Pneus der Autos zerfressen und auch sonst nicht sehr vertrauenswuerdig aussehen. Zwei von ihnen pickten auf einer (haesslichen, grossen) Schildkroete herum, die schon sehr verletzt schien. Ueberall huschten zudem kleine Eidechsen herum.

Anschliessend machten wir noch den “Gumbo Limbo Trail”, einen betonierten Weg (Kreis maessig), der uns sozusagen durch den Urwald fuehrte. Gumbo Limbo ist ein spezieller Baum, dessen Haut (Rinde) ganz rot und sehr duenn ist und sich wie Sonnenbrand schaelt, weshalb der Baum auch “tourist tree” genannt wird oder “Naked Indian”. Fand ich sehr interessant.

Danach fuhren wir weiter zum Pay Hoo Kee Overlook, von wo aus man einen Blick auf die Everglades (derzeit seeehr trocken) hatte. Die Everglades muessen riesig sein und aendert staendig ein wenig (Baeume und Flora). Diese Geier watscheln auch staendig ueber die Strasse, weshalb man aufpassen muss, dass man sie nicht ueberfaehrt. Anschliessend besuchten wir noch den “Hammock”, wieder so ein Kreisweg durch den “Urwald”.

Es war schon fast mittagszeit und Anne wollte dann leider bereits wieder umdrehen, da sie noch in den Norden zu einem anderen Visitor Center fahren wollte in den Everglades. Auf dem Rueckweg kamen wir noch bei einem Gefaengnis fuer Schwerverbrecher vorbei und hielten dann kurz entschlossen bei “Here is Roger”, einem Fruchtstand, der alle moeglichen Citrus und tropischen Fruechte fuehrte. Ich kaufte mir fuer 11 Dollar vier Bananen, vier Mangos und eine Ugli Fruit. Letztere soll aehnlich schmecken wie eine Orange und sieht haesslich aus, deshalb der Name (das i ist richtig).

Ausserdem wurde auch Milkshakes angeboten. Ich spendierte Anne einen und wir bestellten beide Mango. Was erhielten wir? Einen ca. 0.5-0.6l Becher gefuellt mit Mango-Eiscreme. Es war jedenfalls nicht fluessig und ich war schon nach einem Drittel voll.

Als mich Anne dann beim Hostel wieder abgeladen hatte und weiterfuhr, setzte ich mich etwas in den Garten. Eigentlich hatte ich ja spontan geplant, ein Velo zu mieten und bis ans Meer zu fahren (alles nach Osten), doch Mario (ein Freiwilliger hier im Hostel) riet mir davon ab – das daure viel zu lange und blablabla. Schliesslich verbrachte ich deshalb den gesamten Nachmittag gemuetlich draussen im Garten, zwischendurch quatschte ich etwas mit Mario, der Deutscher und Amerikaner ist.

Das Hostel ist echt toll. Es ist so etwas hippie-maessig eingerichtet und auch die vielen Freiwilligen sehen alle sehr hippie-maessig aus. Sie haben eine gut eingerichtete Kueche und sogar einen Kuehlschrank mit gratis Lebensmitteln, die von den vorherigen Gaesten dagelassen worden waren. Es gibt auch sonst viele gemuetliche Sitzecken und eine Haengematte.

Zum Abendessen genoss ich einen Spinatblattsalat der Japanerin mit Tomaten aus dem “for free” Kuehlschrankfach und einer sehr dickfluessigen Salatsosse, die jeden Salat noch so ungesund macht.

Das einzig Doofe hier sind die vielen Mosquitos, die mich leider sehr moegen. Morgen besuche ich eine Full Day Tour in den Everglades fuer 100 Dollar und fahre am Abend dann ins gebuchte Hostel in Miami South Beach…

I’m in America

Und eine neue Abenteuerreise beginnt. Ich habe zwei Wochen Ferien und habe beschlossen, diese in Amerika zu verbringen.

Heute morgen um 4:30 Uhr stand ich auf und fuhr mit dem Zug zum Flughafen, wo Evi mich verabschiedete. Auf dem Flug mit Lufthansa nach Duesseldorf sass ich neben einem Schweizer Paerchen. Es gab ein kleines Zoepfchen gratis, das natuerlich mit Rosinen gefuellt war, was meine Sitznachbarin nicht mochte und sie rauspickte. Ich stellte dann fest, dass die Rosinen noch Kernen hatten, weshalb ich sie auch herauspickte und sie sprach mich dann, worauf wir uns bis zur Ankunft unterhielten. Sie und ihr Freund und ihre Eltern machen ein Kreuzfahrt und reisen dann noch etwas in Miami herum.

Der Flug verlief gut und in Duesseldorf angekommen, begab ich mich gleich zum Gate, wo ich dann etwas las, bis mein Flug endlich aufgerufen wurde. Ich sass in der zweithintersten Reihe neben einem schwedischen Paerchen, die allerdings kein Wort mit mir sprachen und so guckte ich drei Filme.

Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich nervoes vor meiner Ankunft in Amerika, denn alle hatten das Einreiseprozedere als schrecklich bezeichnet. Gluecklicherweise war unser Flug der einzige, der gerade gelandet war und von daher war ich recht schnell an der Reihe und musste meine Fingerabdruecke abliefern.

Anschliessend irrte ich etwas im Flughafen herum, auf der Suche nach dem Bus, der mich zu den Everglades bringen sollte. Schliesslich fragte ich jemanden. Die Leute sind sehr hilfsbereit. Draussen, wo auch die Taxis vorfahren, gab es ein Schild mit der Nummer 42. Keine 3 Minuten spater tauchte auch schon der Bus auf, der mich zu Douglas Road Station bringen sollte. Der Bus war echt alt, erinnerte mich an die chinesischen Busse, etwas “schmudelig” (da staubig) und der Fahrer war ein Schwarzer und sonst hatte es vor allem spanisch aussehende Leute im Bus. Ich zahlte 2 Dollar. Auf der Fahrt fielen mir viele amerikanische Flaggen vor Geschaeften auf und dass die Haeuser und Shops immer kleiner (= ein Stockwerk) wurden. Miami ist echt gruen, so ein richtig saftiges Gruen und ueberall hat es Palmen. Die Haeuser sind sehr fabrig.

Schliesslich erreichten wir nach einer halben Stunde die Endstation, wo ich mich an den Busfahrer wendete, weil ich wissen wollte, wo die Nummer 11 faehrt. Leider stellte sich heraus, dass ich schon ein paar Stationen vorher haette aussteigen sollen. Der Buschauffeur war echt nett und erklaerte mir dann, dass ich auch die Metro (oberhalb Erde) nehmen koenne und dann von Dadeland South den Bus 34 wie geplant.

Gesagt getan. Die Metro verkehrt etwa nur alle 10 Minuten, hoechstens. Es hatte nur sehr wenige Weisse in der Metro. Am Ziel angekommen fand ich auch gleich ohne Probleme die Nummer 34 nach Florida City. Die Strassen in Amerika sind ja meist Schachbrettartig angeordnet, so auch in Miami. Ich begann irgendwie bei 20 Avenue und musste schlussendlich bis 344 Avenue fahren. Die Fahrt dauerte eine Stunde, war aber insofern interessant, als dass mir verschiedene Dinge auffielen:

- ueberall hat es diese bloede Air Condition, so dass der Bus schrecklich heruntergekuehlt war und ich in meinem duennen Pullover fast erfror

- die Leute setzten sich mit der Zeit immer weiter nach vorne wenn wieder Plaetze frei wurden

- alle sagen Danke beim Verlassen des Busses

- einige Busse haben vorne Velos angehaengt. Ich frage mich, ob die dem Busfahrer gehoeren?

- bei fast jeder Bushaltestelle hatte es gleich nebenan einen Parkplatz

- zu meiner Verwunderung habe ich sogar einige Velofahrer gesehen

Ich fand mein Hostel schliesslich ohne Probleme. Saemi hatte mir davor vorgeschwaermt. Es ist etwas hippig. Ich bin im “Fire Room” zusammen mit einer Japanerin, die aber morgen bereits geht. Badetuecher und Bettlaken wird einem ausgeliehen. Es hat so gemuetliche Kuscheloasen (mit Grill, Wasserfall zum Baden) und so im Garten und in der Kueche gibt es viele Gratis Esswaren.

Leider kann ich morgen nicht an einer Tour teilnehmen, da diese schon ausgebucht sind. Darum werde ich versuchen mit dem Velo hinzufahren…

Der Zeitunterschied betraegt -6 Stunden, weshalb zu Hause nun schon 3 Uhr nachts waere. Gute Nacht!

achtzehnter Tag

Um 7 Uhr morgens war ich endlich in Taiyuan  angekommen. Nach einer langen, ungemuetlichen und eher schlaflosen Nacht fuehlte ich mich wie ein “herumirrender Zombie”.

Eigentlich hatte ich geplant, so schnell wie moeglich weiter nach Pingyao zu fahren, da Taiyuan alles andere als schoen sei;   eine Industriestadt. Doch leider kommt es immer anders als man denkt. Im Ticket Office erhielt ich nur noch ein Ticket fuer den Zug um 12:21 Uhr, selbstverstaendlich ohne Sitzplatz, worauf ich mich wieder ziemlich ab dem chinesischen Zugsystem nerven durfte.

Zuerst kurvte ich mit  meinem Koffer noch etwas in der Naehe des Bahnhofs herum, wo ich nach mehrmaligem Nachfragen dann endlich eine Handy-Aufladekarte kaufen konnte. Leider konnte ich das Geld aber nicht auf mein Handy ueberweisen, da die Erklaerungen (man muss anrufen) nur in Chinesisch waren.

So ging ich dann zurueck ins Bahnhofsgebaeude, wo ich im Wartesaal ein Buch lesend auf meinen Zug wartete. Wiedereinmal wurde mir bewusst, wie unhoeflich die Chinesen teilweise sind – selbstverstaendlich wurde ich die ganze Zeit angestarrt (Grund: Auslaenderin, jung und alleine) und wenn es darum geht, die Tickets vorzuweisen und dann zum Perron zu gehen,dann sind die Chinesen Weltmeister im Draengeln und Druecken und dies, ohne sich zu entschuldigen.

Mein Zug hatte 10Minuten Verspaetung und ich quetschte mich mit anderen Maennern in den Gang (bei der Tuere), da ich ja keinen Sitzplatz hatte. Es war aeusserst unangenehm, denn ausgerechnet dort durfte geraucht werden und so vertrauenwuerdig sahen die Maenner auch nicht gerade aus. Und es war heiss und dreckig, wie immer in so alten Zuegen. Ganz besonders muehsam fand ich aber,dass es keinerlei Ansagen gab ueber die naechste Haltestelle, weshalb ich mich an die Mitreisenden wenden musste.

Gegen 14 Uhr war ich dann endlich in Pingyao angekommen, dessen Bahnhof etwa so gross ist wie der in Hasle-Ruegsau. Ich machte mich sogleich auf den Weg und kaufte mir am Schalter ein Zugticket fuer meine Rueckreise von Pingyao nach Taiyuan,diesmal sogar mit Sitzplatz.

Anschliessend fragte ich jemanden um Hilfe  wegen meinerHandyaufladekarte, damit ich mein Hostel fuer den Free Pick-Up anrufen konnte. Einige Sekunden nach dem Gespraech tauchte ein alter Mann auf, dermich mit seinem Fahrrad scheinbar abholen wollte. Da ich dem Ganzen nicht traute, rief ich noch einmal im Hostel an und wie ich vermutet hatte, war dies nicht die richtige Person.  Ein zweiter Mann tauchte dann auf und er liess mich auf seinem Handy mit dem Typ vom Hostel sprechen.

Er war mit einem Gefaehrt da,das aussieht wie ein Toeffli mit Sitzbaenken hintendrauf. Aeusserst unbequem, wenn es darum geht, auf einer unebenen, holprigen  Strasse zu fahren. Endlich angekommen, konnte ich mein Bett in einem 3erDorm, den ich mir mit einem franzoesischen Paerchen teile, in Empfang nehmen.

Als ich spaeter noch am Ueberlegen war, was ich denn tun koennte, sprach mich in der Lobby ein Franzose an, ob ich ihre Karte von Pingyao moechte, da sie heute Abend weiterreisen wuerde. Ich verbrachte dann mit ihm Matthieu, und seiner Freundin Perrin den Rest des Abends, die ganze Zeit Franzoesisch sprechend!

Zuerst  machte ich einen kurzen Spaziergang durch die Altstadt und um ehrlich zu sein, war ich etwas enttaeuscht, denn es hat  enorm viele chinesische Touristen hier und jedes einzelne alteHaeuschen ist mit Souvenirstaenden vollgestopft. Praktisch alle Chinesen koennen ein paar Brocken Englisch und ich bin noch nie so vielen Auslaendern ueber den Weg geloffen wie hier. Es ist mir zu kommerziell.

Zudem hatte ich nach ca. einer Stunde das Gefuehl, bereits alles gesehen zu  haben. Diese Ansicht teilen viele andereTouristen auch. Den restlichen Abend verbrachte ich deshalb bei einem gemuetlichen Abendessen mit meinen franzoesischen Freunden und schliesslich draussen vor unserem Hostel plaudernd.

Zehnter Tag

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Sich Nerven und Aufregen! Meine anfaengliche Begeisterung fuer China (siehe Auslandsemester) hat mittlerweile zu so was wie Depression gewechselt.

Ich stand einigermassen frueh auf und genoss als Fruehstueck ein Omelette mit Bohnen, einem kleinen Salat (????) und einem Toastbrot mit Konfi und Butter. Anschliessend machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof, wo ich natuerlich gleich mal den falschen Ausgang erwischte. Schlussendlich stand ich dann doch noch in der Tickethalle. Ein Angestellter half mir, meine Zugtickets nach Wuxi zu buchen, was auch nicht gerade einfach war. (siehe Erklaerung des chinesischen Zugsystems in frueheren Eintraegen) Fuer Qingdao gab es nur noch eine Auswahl, die mich 309 Yuan kostete, was ich ganz okay fand. Spaeter stellte sich dann allerdings heraus, dass ich ein Ticket ohne Sitzplatz ergattert hatte. Sehr angenehm bei einer Zugfahrt ueber 10 Stunden!

Als ich morgens das Hostel verlassen hatte, war es drueckend heiss und “tueppig”, weshalb ich etwas geschockt war, als ich aus der Expo-Station trat und mich stroemender Regen begruesste. Bei solchem Wetter macht das Herumlaufen und Pavillons bewundern natuerlich keinen Spass. Ich hielt mich mehrheitlich im Trocknen auf, wagte mich aber irgendwann doch noch ins Nasse und besuchte einige wenige, unbeliebte Pavillons, die schnell Zugang erlaubten. Schliesslich besuchte ich dann wieder den Schweizer Pavillon, doch die Sesselbahn blieb wegen des schlechten Wetters ausser Betrieb. Ich unterhielt mich deshalb etwas mit der anderen Tessinerin und durfte feststellen, die frech einige Chinesen oder generell Expo-Besucher sind. Einige Auslaender versuchten es mit “Wir sind Schweizer” durch den VIP-Eingang reinzukommen. Viele Chinesen kamen mit alten Leuten, mit jemandem im Rollstuhl oder mit kleinen Kindern angerannt, in der Hoffnung, so reingelassen zu werden. Mir wuerde die Arbeit dort wahrscheinlich nach einem Tag abloeschen, da die Leute immer wieder dasselbe fragen oder auf die gleiche Art und Weise versuchen reinzukommen.

Um 18 Uhr war ich dann wieder zurueck im Hostel, fuhr aber gleich wieder zum Hauptbahnhof, um mein Ticket von Wuxi nach Shanghai umzutauschen, da ich wohl sonst erst um Mitternacht in Shanghai sein wuerde. Ich stellte mich an den Umtausch-Schalter in die Warteschlange und erfuhr dabei von anderen wartenden Chinesen, dass mein Ticket nach Qingdao ohne Sitzplatz ist. Super. Mein Ticket nach Wuxi konnte ich umtauschen – meinen schlechten Chinesischkenntnissen sei dank – aber fuer Qingdao gibt es auch die naechsten Tage keine Tickets mehr. Ich muss mich also damit abfinden, dass ich in einem Zugabteil eingequetscht mit Chinesen, stehend 10 Stunden verbringen muss. Baeh.

Anschliessend fuhr ich noch in die Fuzhou Street, wo ich mir in einem kleinen Buecherladen das gefaelschte Buch “Marley and Me” kaufte. Die Auswahl war aeusserst klein, was anderes liess sich nicht finden.

All dies und das unfreundliche Verhalten einiger Chinesen hat mich heute sehr genervt und enttaeuscht, so dass ich jetzt etwas lustlos bin. Zudem versuche seit einer Stunde, wenigstens meine Mails abrufen zu koennen, aber auch das funktioniert nicht.

Ich habe heute die ultimative Anleitung zur Unterscheidung von Chinesen und Suedkoreanern erarbeitet: Sind die jungen Personen modisch top angezogen (fashionable) und schlank bis sehr duenn, dann handelt es sich mit 90% Sicherheit um Suedkoreaner. Sie sie etwas dicklicher, scheren sich nicht besonders um Mode und erscheinen etwas ungepflegter, dann handelt es sich wohl um Chinesen. Ich weiss, ist nicht gerade eine nette Einteilung, aber ich habe heute viele Leute gesehen, auf die das zutrifft.

Entschuldigung, meine Reiselust ist gerade an einem Tiefpunkt angelangt…

Neunter Tag

Wieder nach einer kurzen Nacht, stand ich heute nach 7 Uhr auf und packte alles zusammen. Als ich meine dreckigen Kleider am Dienstag abgegeben hatte, erhielt ich mein Badetuch nicht zurueck (war Jun auch passiert) und zudem war das Buero erst um 9 Uhr geoeffnet, was ich etwas muehsam fand. Gluecklicherweise fand ich per Zufall mein Badetuch auf einem Kleiderstaender zum Trocknen vor der geschlossenen Rezeption. Daraufhin ging ich noch bei Dunkin’ Donuts Waffeln einkaufen und Geld abheben. Um meinen Flug auch sicher nicht zu verpassen, liessen ich das Checking-Out einfach sein, da es sowieso nichts zu uebergeben gab.

Ich verabschiedete mich von Jun, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe. Um 9 Uhr sass ich endlich in Bus #6002 auf dem Weg zum Incheon Flughafen. Auf der Fahrt musste ich erkennen, dass mir mein Aufenthalt in Seoul riesig gefallen hat und ich am liebsten gar nicht weg wollte. Zum einen hatte ich jeden Tag Neues und Spannendes erlebt und zum anderen ganz nette Leute, wie Jun und Euan kennen gelernt. Ich finde es toll, neue Leute kennen zu lernen und ein Stueck des Lebens zu teilen auch wenn man sich vielleicht nie mehr sehen wird. Jetzt bin ich schon wieder etwas traurig wenn ich darueber nachdenke.

Am Flughafen angekommen, durfte ich erstmal den Check-In bei Korean Air hinter mich bringen und huschte dann flugs zum Postamt,  um meine Postkarten aufzugeben. Ich war erstaunt, dass die Briefmarken nur 350 Won (ca. 35 Rappen) kosteten. Nach der Sicherheitskontrolle war ich dann auch schon beim Gate am Warten. Der 1.5h Flug verlief gut und rasch. Erstaunt hat mich, dass auf dieser Kurzstrecke auch ein richtiges Menu serviert wurde. Da es allerdings mit Seafood war, musste ich darauf verzichten. Ich war ausser zwei Maennern die offentlich einzige Westliche.

Die Ankunft in Shanghai war schon fast wie ein Kulturschock. Ploetzlich verstand ich wieder einiges. Nach dem ueblichen Prozedere suchte ich mir den Shuttle Bus, der mich zum Hongkou Football Stadium brachte. Waehrend dieser mehr als 2-stuendigen Fahrt in die Innenstadt Shanghais, musste ich feststellen, dass extrem viel Smog ueber der Stadt hing. Shanghai besteht zudem in den Aussenquartieren aus kleinen Haeuschen, die man fast in Italien finden koennte, aber die dazwischen hochhinaus ragenden Wolkenkratzer, das fehlende Gruen und der Smog machen diesen Eindruck sofort zunichte.

Mein gebuchtes Hostel – Shanghai Koala Garden Hostel – zu finden war einfach, denn ich konnte mich mit meinem Chinesisch gut durchschlagen. Nachdem ich mein Dorm inspiziert (ein Mini-Zimmer im Vergleich zu meinen Hostels in Seoul) und meine Sachen ausgepackt hatte, wollte ich an die Expo gehen. Ueberall in der Stadt verteilt gibt es Infostaende, die von Chinesen bedient werden. Halb Englisch, halb Chinesisch habe ich eine Karte erhalten und erfahren, wo ich Eintrittskarten kaufen kann – in einem “Kiosk”. Ich frage mich ja, wie das Leute, die kein Chinesisch koennen, machen sollen, denn die Verkaeuferinnen schienen kein Englisch zu sprechen.

Mit der U-Bahn fuhr ich dann zum Expo-Gelaende, wo ich eine voellig uebertriebene Kontrolle hinter mich bringen musste: ich musste mir von meinem Pomadenstift an die Lippen schmieren, um zu beweisen, dass es nichts toedliches ist…?! Als ich dann hinaustrat und zum ersten Mal das Gelaende sah, war ich geschockt: es ist riesig und deckt sicher mehrere dutzend Kilometer! Das Thema der Expo, an der jedes Land einen Pavillon hat, dreht sich um Umweltschutz, weshalb beispielsweise auch umweltfreundliche Busse verkehren – “Better City, Better Life!”

Die folgenden Stunden bis abends um 21 Uhr verbrachte ich damit, mir die meisten Pavillons von aussen anzusehen, da mich die langen Warteschlangen abschreckten. Einige wenige Pavillons habe ich aber doch besucht: den der chinesischen Provinzen, den Schweizer, den Neuseelaendischen, den Tuerkischen und den Ukranischen. Bei den meisten hatte ich aber irgendwie das Gefuehl, dass sie von aussen viel bewundernswerter sind als von innen. Bei den chinesischen Provinzen wurden Dinge ausgestellt, die ich jetzt nicht gezeigt haette oder ich hatte was anderes erwartet.

Wie evtl. bekannt ist, ist der Schweizer Pavillon einer der beliebtesten an der Expo, dies aufgrund der Sesselbahn, die es in dem Pavillon gibt. Darum ist die Warteschlange dort noch einmal laenger und ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, in dieser Hitze irgendwie 2-4h auf den Einlass zu warten. Bei allen Pavillons gibt es aber noch einen restricted Eingang, der fuer Leute mit Rollstuhl (etc.) und VIPs vorgesehen ist. Ich drueckte mich dort beim Eingang herum und erblickte Securitas, die verdaechtig nach Schweizern aussahen. Ich quatschte den einen auf Schweizerdeutsch an – und siehe da, ich wurde reingelassen, einfach so. Ist fuer alle Schweizer so.

Der Schweizer Pavillon ist wie eine Wendeltreppe aufgebaut wo es alle 3m ein Fernrohr hat, wo man ein Bild sieht (bspw. Loetschbergtunnel, SBB), das etwas mit dem Umweltschutz und der Schweiz zu tun hat. Leider war die Sesselbahn aber heute nicht funktionsfaehig, weshalb ich dies auslassen musste. Es gibt auch noch ein Panorama-Video der Alpen und verschiedene Bekanntheiten (unter anderem Camly Rey), die ueber die Schweiz sprechen. Zum Schluss wollte ich mir noch den Souvenirshop ansehen, wo ich ein Maedchen, das draussen “Wache” hielt, anquatschte. Sie war Tessinerin und es stellte sich heraus, dass sie doch tatsaechlich vor zwei Jahren an derselben Uni wie ich in Beijing fuer ein Jahr studiert hat. Unglaublicher Zufall.

In praktisch jeden Pavillon gibt es auch ein dazugehoeriges Restaurant, wo man fuer ziemlich viel Geld, die Speisen des Landes essen kann. Zudem kann man sich (die Chinesen sind verrueckt danach) so ein Pass-Buechlein (sieht aus wie ein Pass) kaufen, in das man sich dann in jedem Pavillon ein Stempel reinmachen lassen kann.

Nach den paar Stunden in der Hitze rumlaufen, war ich natuerlich muede und meine Fuesse taten mir weh, weshalb ich mich auf den Heimweg machte. Zuerst machte ich aber noch einen Zwischenstopp am Bahnhof, weil ich meine Zugtickets kaufen wollte, was aber nicht ging, da die Selbstbedienungsautomaten fuer Zugticket in ganz China bereits geschlossen waren.

Es ist uebrigens ganz komisch; in Seoul sind die Leute sehr “fashionable”, laufen chic herum und sehen meistens gut aus, zumindest im Vergleich zu den Chinesen, die irgendwie etwas dreckiger, unhygienischer, aermer und schlecht gekleidet aussehen. Zudem mag ich die Haltung der Suedkoreaner, dass Respekt gegenueber Aelteren und anderen generell wichtig ist; in China sobald die Subway-Tueren aufgehen,draengt jeder rein, ohne Ruecksicht auf andere – ab und zu wird zwar Aelteren Leuten der eigene Platz angeboten, aber haeufig geht es nach dem Prinzip: “Wer zuerst kommt, der hat”. In Seoul habe ich eine Warteschlange fuer den Bus beobachtet: Die Leute haben eine wunderbare Schlange gebildet wie aus dem Bilderbuch. Fazit: Chinesen sind etwas “more rude”.