Zehnter Tag

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Sich Nerven und Aufregen! Meine anfaengliche Begeisterung fuer China (siehe Auslandsemester) hat mittlerweile zu so was wie Depression gewechselt.

Ich stand einigermassen frueh auf und genoss als Fruehstueck ein Omelette mit Bohnen, einem kleinen Salat (????) und einem Toastbrot mit Konfi und Butter. Anschliessend machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof, wo ich natuerlich gleich mal den falschen Ausgang erwischte. Schlussendlich stand ich dann doch noch in der Tickethalle. Ein Angestellter half mir, meine Zugtickets nach Wuxi zu buchen, was auch nicht gerade einfach war. (siehe Erklaerung des chinesischen Zugsystems in frueheren Eintraegen) Fuer Qingdao gab es nur noch eine Auswahl, die mich 309 Yuan kostete, was ich ganz okay fand. Spaeter stellte sich dann allerdings heraus, dass ich ein Ticket ohne Sitzplatz ergattert hatte. Sehr angenehm bei einer Zugfahrt ueber 10 Stunden!

Als ich morgens das Hostel verlassen hatte, war es drueckend heiss und “tueppig”, weshalb ich etwas geschockt war, als ich aus der Expo-Station trat und mich stroemender Regen begruesste. Bei solchem Wetter macht das Herumlaufen und Pavillons bewundern natuerlich keinen Spass. Ich hielt mich mehrheitlich im Trocknen auf, wagte mich aber irgendwann doch noch ins Nasse und besuchte einige wenige, unbeliebte Pavillons, die schnell Zugang erlaubten. Schliesslich besuchte ich dann wieder den Schweizer Pavillon, doch die Sesselbahn blieb wegen des schlechten Wetters ausser Betrieb. Ich unterhielt mich deshalb etwas mit der anderen Tessinerin und durfte feststellen, die frech einige Chinesen oder generell Expo-Besucher sind. Einige Auslaender versuchten es mit “Wir sind Schweizer” durch den VIP-Eingang reinzukommen. Viele Chinesen kamen mit alten Leuten, mit jemandem im Rollstuhl oder mit kleinen Kindern angerannt, in der Hoffnung, so reingelassen zu werden. Mir wuerde die Arbeit dort wahrscheinlich nach einem Tag abloeschen, da die Leute immer wieder dasselbe fragen oder auf die gleiche Art und Weise versuchen reinzukommen.

Um 18 Uhr war ich dann wieder zurueck im Hostel, fuhr aber gleich wieder zum Hauptbahnhof, um mein Ticket von Wuxi nach Shanghai umzutauschen, da ich wohl sonst erst um Mitternacht in Shanghai sein wuerde. Ich stellte mich an den Umtausch-Schalter in die Warteschlange und erfuhr dabei von anderen wartenden Chinesen, dass mein Ticket nach Qingdao ohne Sitzplatz ist. Super. Mein Ticket nach Wuxi konnte ich umtauschen – meinen schlechten Chinesischkenntnissen sei dank – aber fuer Qingdao gibt es auch die naechsten Tage keine Tickets mehr. Ich muss mich also damit abfinden, dass ich in einem Zugabteil eingequetscht mit Chinesen, stehend 10 Stunden verbringen muss. Baeh.

Anschliessend fuhr ich noch in die Fuzhou Street, wo ich mir in einem kleinen Buecherladen das gefaelschte Buch “Marley and Me” kaufte. Die Auswahl war aeusserst klein, was anderes liess sich nicht finden.

All dies und das unfreundliche Verhalten einiger Chinesen hat mich heute sehr genervt und enttaeuscht, so dass ich jetzt etwas lustlos bin. Zudem versuche seit einer Stunde, wenigstens meine Mails abrufen zu koennen, aber auch das funktioniert nicht.

Ich habe heute die ultimative Anleitung zur Unterscheidung von Chinesen und Suedkoreanern erarbeitet: Sind die jungen Personen modisch top angezogen (fashionable) und schlank bis sehr duenn, dann handelt es sich mit 90% Sicherheit um Suedkoreaner. Sie sie etwas dicklicher, scheren sich nicht besonders um Mode und erscheinen etwas ungepflegter, dann handelt es sich wohl um Chinesen. Ich weiss, ist nicht gerade eine nette Einteilung, aber ich habe heute viele Leute gesehen, auf die das zutrifft.

Entschuldigung, meine Reiselust ist gerade an einem Tiefpunkt angelangt…