Neunter Tag

Wieder nach einer kurzen Nacht, stand ich heute nach 7 Uhr auf und packte alles zusammen. Als ich meine dreckigen Kleider am Dienstag abgegeben hatte, erhielt ich mein Badetuch nicht zurueck (war Jun auch passiert) und zudem war das Buero erst um 9 Uhr geoeffnet, was ich etwas muehsam fand. Gluecklicherweise fand ich per Zufall mein Badetuch auf einem Kleiderstaender zum Trocknen vor der geschlossenen Rezeption. Daraufhin ging ich noch bei Dunkin’ Donuts Waffeln einkaufen und Geld abheben. Um meinen Flug auch sicher nicht zu verpassen, liessen ich das Checking-Out einfach sein, da es sowieso nichts zu uebergeben gab.

Ich verabschiedete mich von Jun, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe. Um 9 Uhr sass ich endlich in Bus #6002 auf dem Weg zum Incheon Flughafen. Auf der Fahrt musste ich erkennen, dass mir mein Aufenthalt in Seoul riesig gefallen hat und ich am liebsten gar nicht weg wollte. Zum einen hatte ich jeden Tag Neues und Spannendes erlebt und zum anderen ganz nette Leute, wie Jun und Euan kennen gelernt. Ich finde es toll, neue Leute kennen zu lernen und ein Stueck des Lebens zu teilen auch wenn man sich vielleicht nie mehr sehen wird. Jetzt bin ich schon wieder etwas traurig wenn ich darueber nachdenke.

Am Flughafen angekommen, durfte ich erstmal den Check-In bei Korean Air hinter mich bringen und huschte dann flugs zum Postamt,  um meine Postkarten aufzugeben. Ich war erstaunt, dass die Briefmarken nur 350 Won (ca. 35 Rappen) kosteten. Nach der Sicherheitskontrolle war ich dann auch schon beim Gate am Warten. Der 1.5h Flug verlief gut und rasch. Erstaunt hat mich, dass auf dieser Kurzstrecke auch ein richtiges Menu serviert wurde. Da es allerdings mit Seafood war, musste ich darauf verzichten. Ich war ausser zwei Maennern die offentlich einzige Westliche.

Die Ankunft in Shanghai war schon fast wie ein Kulturschock. Ploetzlich verstand ich wieder einiges. Nach dem ueblichen Prozedere suchte ich mir den Shuttle Bus, der mich zum Hongkou Football Stadium brachte. Waehrend dieser mehr als 2-stuendigen Fahrt in die Innenstadt Shanghais, musste ich feststellen, dass extrem viel Smog ueber der Stadt hing. Shanghai besteht zudem in den Aussenquartieren aus kleinen Haeuschen, die man fast in Italien finden koennte, aber die dazwischen hochhinaus ragenden Wolkenkratzer, das fehlende Gruen und der Smog machen diesen Eindruck sofort zunichte.

Mein gebuchtes Hostel – Shanghai Koala Garden Hostel – zu finden war einfach, denn ich konnte mich mit meinem Chinesisch gut durchschlagen. Nachdem ich mein Dorm inspiziert (ein Mini-Zimmer im Vergleich zu meinen Hostels in Seoul) und meine Sachen ausgepackt hatte, wollte ich an die Expo gehen. Ueberall in der Stadt verteilt gibt es Infostaende, die von Chinesen bedient werden. Halb Englisch, halb Chinesisch habe ich eine Karte erhalten und erfahren, wo ich Eintrittskarten kaufen kann – in einem “Kiosk”. Ich frage mich ja, wie das Leute, die kein Chinesisch koennen, machen sollen, denn die Verkaeuferinnen schienen kein Englisch zu sprechen.

Mit der U-Bahn fuhr ich dann zum Expo-Gelaende, wo ich eine voellig uebertriebene Kontrolle hinter mich bringen musste: ich musste mir von meinem Pomadenstift an die Lippen schmieren, um zu beweisen, dass es nichts toedliches ist…?! Als ich dann hinaustrat und zum ersten Mal das Gelaende sah, war ich geschockt: es ist riesig und deckt sicher mehrere dutzend Kilometer! Das Thema der Expo, an der jedes Land einen Pavillon hat, dreht sich um Umweltschutz, weshalb beispielsweise auch umweltfreundliche Busse verkehren – “Better City, Better Life!”

Die folgenden Stunden bis abends um 21 Uhr verbrachte ich damit, mir die meisten Pavillons von aussen anzusehen, da mich die langen Warteschlangen abschreckten. Einige wenige Pavillons habe ich aber doch besucht: den der chinesischen Provinzen, den Schweizer, den Neuseelaendischen, den Tuerkischen und den Ukranischen. Bei den meisten hatte ich aber irgendwie das Gefuehl, dass sie von aussen viel bewundernswerter sind als von innen. Bei den chinesischen Provinzen wurden Dinge ausgestellt, die ich jetzt nicht gezeigt haette oder ich hatte was anderes erwartet.

Wie evtl. bekannt ist, ist der Schweizer Pavillon einer der beliebtesten an der Expo, dies aufgrund der Sesselbahn, die es in dem Pavillon gibt. Darum ist die Warteschlange dort noch einmal laenger und ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, in dieser Hitze irgendwie 2-4h auf den Einlass zu warten. Bei allen Pavillons gibt es aber noch einen restricted Eingang, der fuer Leute mit Rollstuhl (etc.) und VIPs vorgesehen ist. Ich drueckte mich dort beim Eingang herum und erblickte Securitas, die verdaechtig nach Schweizern aussahen. Ich quatschte den einen auf Schweizerdeutsch an – und siehe da, ich wurde reingelassen, einfach so. Ist fuer alle Schweizer so.

Der Schweizer Pavillon ist wie eine Wendeltreppe aufgebaut wo es alle 3m ein Fernrohr hat, wo man ein Bild sieht (bspw. Loetschbergtunnel, SBB), das etwas mit dem Umweltschutz und der Schweiz zu tun hat. Leider war die Sesselbahn aber heute nicht funktionsfaehig, weshalb ich dies auslassen musste. Es gibt auch noch ein Panorama-Video der Alpen und verschiedene Bekanntheiten (unter anderem Camly Rey), die ueber die Schweiz sprechen. Zum Schluss wollte ich mir noch den Souvenirshop ansehen, wo ich ein Maedchen, das draussen “Wache” hielt, anquatschte. Sie war Tessinerin und es stellte sich heraus, dass sie doch tatsaechlich vor zwei Jahren an derselben Uni wie ich in Beijing fuer ein Jahr studiert hat. Unglaublicher Zufall.

In praktisch jeden Pavillon gibt es auch ein dazugehoeriges Restaurant, wo man fuer ziemlich viel Geld, die Speisen des Landes essen kann. Zudem kann man sich (die Chinesen sind verrueckt danach) so ein Pass-Buechlein (sieht aus wie ein Pass) kaufen, in das man sich dann in jedem Pavillon ein Stempel reinmachen lassen kann.

Nach den paar Stunden in der Hitze rumlaufen, war ich natuerlich muede und meine Fuesse taten mir weh, weshalb ich mich auf den Heimweg machte. Zuerst machte ich aber noch einen Zwischenstopp am Bahnhof, weil ich meine Zugtickets kaufen wollte, was aber nicht ging, da die Selbstbedienungsautomaten fuer Zugticket in ganz China bereits geschlossen waren.

Es ist uebrigens ganz komisch; in Seoul sind die Leute sehr “fashionable”, laufen chic herum und sehen meistens gut aus, zumindest im Vergleich zu den Chinesen, die irgendwie etwas dreckiger, unhygienischer, aermer und schlecht gekleidet aussehen. Zudem mag ich die Haltung der Suedkoreaner, dass Respekt gegenueber Aelteren und anderen generell wichtig ist; in China sobald die Subway-Tueren aufgehen,draengt jeder rein, ohne Ruecksicht auf andere – ab und zu wird zwar Aelteren Leuten der eigene Platz angeboten, aber haeufig geht es nach dem Prinzip: “Wer zuerst kommt, der hat”. In Seoul habe ich eine Warteschlange fuer den Bus beobachtet: Die Leute haben eine wunderbare Schlange gebildet wie aus dem Bilderbuch. Fazit: Chinesen sind etwas “more rude”.