Fuenfter Tag
Ungern musste ich heute Morgen aus dem tolle Guesthouse Seoulwise auschecken, da kein freies Bett mehr verfuegbar war. Gluecklicherweise hatte sich herausgestellt, dass das andere Hostel, welches ich gebucht hatte, sich gerade gegenueber der Subwaystation Hongik University befand und somit nicht besonders weit entfernt war.
Da ich heute geplant hatte, den Koreaner Chae, den ich an der Erwai kennen gelernt habe, in Jeonju (mehr als 200km suedlich von Seoul) zu besuchen, stand ich frueh auf und war etwas nach 9 Uhr im anderen Hostel. Dieses befand sich direkt ueber dem Dunkin’ Donuts-Shop in einem Hochhaus im 3. Stock, nur per Lift erreichbar. Es wirkt somit etwas wie ein Hotel, da noch andere Wohnungen oder Geschaefte in diesem Gebaeude untergebracht zu sein scheinen.
Als erstes suchte ich die Rezeption auf, die laut Zettel ab 9 Uhr geoeffnet sein sollte, doch die Tuere war abgeschlossen, weshalb ich klingelte. Nach einer Weile oeffnete eine gemaechliche, aeltere Frau die Tuere, begleitet von zwei kleinen schwarzen Pudeln. Ich war eigentlich im Stress und wollte schnellstmoeglich einchecken, um danach nach Jeonju fahren zu koennen, doch die gute Frau “befahl” mir, ein paar Minuten zu warten und so durfte ich ihr dabei zusehen, wie sie ihre Huendchen liebkoste, aufs Klos ging und die Fensterlaeden etc. oeffnete. Als sie sich dann endlich mir zuwandte, ging das Ganze schnell vonstatten und ich konnte einfach meinen Koffer dort lassen, da sie ihn dann spaeter in mein Zimmer verfrachten wuerden.
So nahm ich dann die U-Bahn und fuhr ca. 1h bis ich mein Express Bus Terminal angekommen war. Dort war ich etwas verwirrt, wo ich hingehen sollte und da gerade eine Auslaenderin an mir vorbeiging, quatschte ich sie an. Es stellte sich dann heraus, dass sie Koreanisch spricht und so half sie mir doch netterweise, mein Busticket fuer 11500 Won (ca. 11 CHF) zu kaufen und ich durfte anschliessend ihr Handy benutzen, um Chae anzurufen, da auslaendische Handys ja nicht funktionieren in Suedkorea.
Ich muss den Suedkoreanern hoch anrechnen, dass bei ihnen alles einwandfrei ablaeuft. Das Ticket hatte ich innert kuerzester Zeit gekauft und konnte fuenf Minuten spaeter den Bus besteigen, da diese alle 10 Minuten verkehren. Zudem ueberpruefte der Fahrer nach der Pause auf dem halben Weg, ob auch alle Passagiere wieder eingestiegen waren. Die Sitze sind uebrigens mit Gurten ausgestattet.
Auf der Fahrt nach Jeonju fiel mir auf, wie dominant die Marken Hyundai, Samsung und Lotte in Suedkorea sind. Die ersteren sind in Suedkorea nicht nur fuer das bekannt, fuer das sie auch bei uns bekannt sind, sondern sie besitzen auch Immobilien, Essen und vieles mehr. Suedkorea ist sehr gruen und eher spaerlich bewohnt und auch ziemlich huegelig. Teilweise erschien es mir etwas wie im Regenwald.
Nach etwas mehr als 2h Fahrt war ich dann in Jeonju, wo ich als erstes Chae per oeffentliches Telefon anrief, da ich keine Ahnung hatte, wohin ich sollte. Es stellte sich dann heraus, dass er bereits auf mich gewartet hatte. Wir begruessten einander (natuerlich nur per Handschlag) und gingen dann zu seinem Auto, das er von seiner Mutter hatte ausleihen duerfen. Er hat die Autopruefung allerdings erst seit Kurzem und hatte aus Versehen an einem ganz dummen Ort geparkt und waere wohl ohne meine Hilfe nicht mehr rausgekommen. Lustig finde ich, dass man auf den chinesischen Strassen eine 180 Grad Drehung machen darf.
Er hatte sich fuer das Auto entschieden, weil es leider in Stroemen regnete, was ich etwas schade fand, da ich eigentlich etwas von der Stadt haette sehen wollen. Laut ihm ist Jeonju eine 600’000 Menschen-Stadt, doch sie wirkt um einiges groesser, ich haette sie auf mindestens ein paar Millionen geschaetzt. Wir fuhren dann zu einem bekannten Restaurant, in dem er allerdings selber noch nie gegessen hatte. Jeonju ist bekannt fuer ein ganz bestimmtes Bibimbap (= to stir rice), welches fuer mich halt ohne Fleisch bestellt wurde. Dazu gab es eine Unmenge an “side dishes”, was in Suedkorea ueblich ist und welche nicht bezahlt werden muessen. Ich fuehlte mich etwas wie ein Alien in diesem Restaurant, da es absolut keine Auslander hatte und auch nicht besonders viele Auslaender nach Jeonju zu kommen scheinen. Im Gegensatz zu den Chinesen, starren die Koreaner einen aber nicht an, sondern werfen vielleicht einen kurzen Blick auf einen und das war’s auch schon.
Bibimbap ist eine Steinschuessel, die am Boden mit Reis bedeckt ist, dieser mit verschiedenen Beilagen. Gemaess dem Namen muss Bibimbap umgeruehrt werden, dies uebernahm Chae fuer mich, da ich nichts falsch machen wollte, weil ich dachte, es gaebe vielleicht eine besondere Technik. Ich fand es dann etwas komisch, dass er sicher 10 Minuten lang mit einem Loeffel mein Essen umruehrte, und das, obwohl ich das geradesogut selbst gekonnt haette. Aber ja.
Nach dem Essen fuhren wir zu einer Kirche und parkten dort. Koreaner sind komischerweise teils recht glaeubig, es gibt sogar Mormonen und viele Christen und Katholiken. Von da aus machten wir uns zu Fuss auf den Weg, um die alten Haeuser, fuer die Jeonju unter anderem bekannt ist, zu betrachten. Unterwegs kaufte er uns noch sein Lieblingsgetraenk: Green Tea Latte. Na ja, mein Geschmack ist es ja nicht wirklich. Die Haeuser hatte ich mir etwas toller vorgestellt, es war nur eine kleine Ansammlung, die etwas verstreut zu sein schienen.
Wir spazierten im Regen etwas herum, machten koreanische Spiele (Ringe ueber einen Stecken werfen), besuchten verschiedene kleine Geschaefte,wo mir Chae einen koreanischen Faecher kaufte, und ich musste an einem Strassenstand von einem eifrigen aelteren Koreaner Alkohol probieren. Zudem besuchten wir noch eine Ausstellung fuer Toepfe draussen im Regen,in denen natuerlich Dinge wie Kimchi gelagert werden.
Danach ging es weiter zu dem Marktviertel in Jeonju, von wo aus wir schliesslich in eine Shoppingstrasse eintraten, wo es unzaehlige westliche Geschaefte hatte. Um 18 Uhr trafen wir uns dann mit seiner Mutter in einem kleinen Restaurant, wo wir zu Abend assen. Sie bestellte kalte Nudeln mit irgendwelchen Zutaten. Die Situation war etwas schraeg fand ich,das Gespraech fand ueber Chae statt. Seine Mutter stellte mir Fragen, schaute mich an und ich musste dann auf Chaes Uebersetzung warten. Um ehrlich zu sein mag ich koreanisches Essen nicht besonders, die kalten Nudeln schmeckten etwas komisch. Nach dem Essen fuhr uns seine Mutter zum Busbahnhof, wo sie mich mit einem kraeftigen und freudigen Handschuetteln verabschiedete. Chae kaufte mir dann mein Busticket und wartete mit mir bis um 20 Uhr der Bus da war.
Die Fahrt zurueck nach Seoul verliess ereignungslos. So spaet am Abend gibt es allerdings nur noch den Luxusbus. Entgegen meiner Befuerchtung trafen wir doch noch frueh genug in Seoul ein und ich rannte zur U-Bahn, um die letzte U-Bahn noch zu erwischen, was mir auch gelang.
Kurz vor Mitternacht war ich dann endlich zurueck in Hongdae, wo ein asiatisches Paerchen sitzend auf dem Boden vor meinem Dorm-Zimmer wartete. Der Junge schien betrunken zu sein und wollte unbedingt das Passwort wissen, mit welchem man die Tuere oeffnen kann. Das Maedchen sagte mir, ich soll sie ihm nicht geben. Ich verstand ueberhaupt nicht, worum es geht. Der Junge trat dann schliesslich aber doch mit mir ein und das Maedchen entschuldigte sich die ganze Zeit, weil sie scheinbar beide in einem anderen Zimmer wohnen und er eigentlich nicht in meines gehoerte.
Ich schmiss meine Dinge auf mein Bett und verliess kurz darauf das Guesthouse bereits wieder, da ich das WM-Spiel anschauen gehen wollte. Der Hollaender aus Seoulwise (das andere Hostel) hatte mir die Beer o’Clock-Bar empfohlen, wo fuer das hollaendische Team gefeiert werde. Es sollte wegen der Zeitverschiebung erst um 3:30 Uhr beginnen, doch ich wollte wenn moeglich noch mit der letzten U-Bahn nach Sinchon fahren.
Diese war jedoch schon geschlossen. Ich quatschte einen Auslaender an, ein Typ aus Tansania, der per Zufall auch nach Sinchon wollte. Vielleicht etwas naiv folgte ich ihm einfach, doch weil wir immer an belebten Strassen liefen, fuehlte ich mich sicher. Er kannte den Weg zum Glueck und so dauerte es nicht lange, und schon waren wir dort.
Wir verabschiedeten uns und ich lief dummerweise in die falsche Richtung, wo ich irgendwann auf eine Gruppe betrunkener Koreaner und Auslaender traf, die ich nach dem Weg fragten. Alle Himmelsrichtungen haetten nach ihren Angaben richtig sein koennen… Ich ging dann wieder zurueck und fand die Bar schliesslich doch schnell.
Die Bar war genauso, wie man sich eine westliche Bar vorstellt, mir kanadischen Barmaennern, einem TV und einem Beamer und vielen Auslaendern. Da ich niemanden kannte, setzte ich mich an die Bar, wo ich nach einer Weile eine Unterhaltung mit zwei Koreanerinnen neben mir begann. Nach 2 Uhr trafen dann Steven, der Hollaender, und Dave, der Kanadier, ein und gesellten sich zu mir.
Ich war auesserst muede und musste zudem noch ein Bier trinken, das mir Steven bestellt hatte, der derweil mit den beiden Koreanerinnen zu flirten versuchte. Der Match war etwas langweilig und ich war echt froh, als er dann endlich ohne Penaltyschiessen zu Ende war. Zudem hatte die deutsche Krake Recht gehabt. Es gab ein paar wenige spanische Fans in der Bar, die sich aber an einer Hand abzaehlen liessen, und darum war die Stimmung auch nicht so grossartig um 6 Uhr morgens.
Da ich so muede war, nahm ich die naechste U-Bahn und fiel schliesslich gegen 7 Uhr endlich ins Bett…
