dritter Tag
Wie mir Hana erst gestern mitgeteilt hatte, fuhr sie heute fuer 4 Tage mit ihrer Familie in die Ferien aufs Land. Somit war ich auf mich alleine gestellt, was aber nicht weiter ein Problem war. Ich mag es zwar nicht besonders, in einem Land zu sein, dessen Sprache ich nicht spreche, aber in Suedkorea – oder zumindest Seoul – funktioniert das gut, weil fast alles in Englisch angeschrieben ist und man sich zur Not auch noch mit Handzeichen behelfen kann.
Gemaess dem netten Hostelbesitzer machte ich mich also auf den Weg, den Gyeongbokgung-Palast anzuschauen. Die Palastanlage erinnerte mich sehr an die Verbotene Stadt in Beijing, da es unzaehlige Tore und Haeuser im aehnlichen Stil hatte. Ein Unterschied war aber, dass beispielsweise die Raeume der Konkubinen sich etwa 500m weiter weg befanden. Das ganze war in einer netten gruenen Anlage gehalten, was etwas realer wirkte, als die chinesische Vorstellung von Natur. Hier traf ich zum ersten Mal auf andere Touristen, denn in Seoul begegnet man Auslaendern eigentlich nur selten. Zwischendurch begann es kurz fuenf Minuten zu regnen, doch es wurde nicht wie ich gehofft hatte etwas kuehler, sondern noch heisser und Regenwald-maessiger. Dies ist sehr muehsam, denn sobald man geduscht hat und man wieder rausgeht, ist man wieder nass.
Nach etwas Sightseeing und da mich Tempel nicht mehr so stark beeindrucken wie zu Beginn in China, verliess ich die Anlage nach einer Weile und folgte dem Weg, der mir der Hostelbesitzer empfohlen hatte. Er fuehrte mich durch schmale Strassen mit lauter Cafes. Dort liess ich mich in einem “Waffles and Coffee”-Shop nieder, in der Hoffnung auf ein Mittagessen, doch die hohen Preise widerstrebten mir und so bestellte ich mir schliesslich nur einen 0.5l “Peach Bubble” fuer 5 CHF. Die Waffeln haetten 8 CHF und mehr gekostet. Als Veggie ist es sehr schwierig in Suedkorea etwas essen zu finden, was ich aber vorher gewusst habe, weshalb ich mich nun meist von einem ausgiebigen Fruehstueck im Hostel, einigen Migros-Crackern und irgendwelchen Getraenken ernaehre. Dies funktioniert gut, da ich bei der Hitze so oder so nicht viel essen koennte.
Etwas gestaerkt ging ich weiter, da ich mir die Hanok Village (alte traditionelle Gebaeude) anschauen wollte, von wo aus ich mich zu einer bekannten Touristenstrasse bewegte, die ich mit Hana auch schon bei Nacht besucht hatte. Dort musste ich vor laufender Kamera kurz koreanischen Studenten ein Interview bezueglich Bekanntmachung von Millionenhohenloehnen und Handys im Schulzimmer geben. Zudem wurde ich dort auch von mir unbekannten Personen fotografiert oder von schuechternen Maedchen gefragt, woher ich komme, nur um dann gleich wieder abhauen. Und dies, obwohl dort das Souvenir-Paradies fuer Touristen ist und sich dementsprechend viele Auslaender dort befinden.
Da der Akku meiner Kamera leer war, machte ich mich um 16 Uhr auf den Weg nach Hause. Nach einer Dusche setzte ich mich dann auf die Dachterrasse und las etwas. Ein Kanadier, einer meiner drei maennlichen Roommates (ich bin in einem 4er mixed dorm), gesellte sich dann zu mir und wir unterhielten uns. Die Gaeste hier im Hostel sind alle sehr nett und ich verstehe mich mit allen sehr gut. Auch der Hostelbesitzer Young, ist ein sehr netter Koreaner, der zu seinen Gaesten und seinem Hostel schaut. Ich und andere erhielten sogar gratis eine Melonen-Glace von ihm!
Nach 10 Uhr machte ich mich dann auf den Weg, eine gratis Show auf dem Seoul Plaza zu besuchen. Derzeit scheinen verschiedene Gruppen (Musiker etc.) ihr Koennen auf dieser Buehne vorzustellen, Openair. Ich hatte beschlossen dorthin zu gehen, weil die heutige Gruppe Taekwondo und Percussion zu machen schien. Als ich eintraf, hatte die Show bereits begonnen. Es wurden einem sogar so weiche Schaumstoffquadrate bereitgestellt, damit man sich nicht direkt auf den Rasen setzen musste. Die Show war grossartig; Junge im Alter von 15-25 Jahren (schwierig zu schaetzen) zeigten ihr Koennen: eine Taekwondo-Gruppe vollfuehrte Kaempfe und zerbrachen mit erstaunenswerten Spruengen in der Luft Aepfel, der Gruppenfuehrer bediente koreanische Trommeln, was auch einfach “awesome” war, eine weitere Gruppe Jungen zeigte Breakdance und Bewegungen a la Moonwalk und zu guter Letzt gab es noch drei Frauen, die schoen angezogen waren und mit Faechern rumtanzten. Eine sehr gelungene 1.5h dauernde Show, die mir sehr gefallen hatte.
