achtzehnter Tag

Um 7 Uhr morgens war ich endlich in Taiyuan  angekommen. Nach einer langen, ungemuetlichen und eher schlaflosen Nacht fuehlte ich mich wie ein “herumirrender Zombie”.

Eigentlich hatte ich geplant, so schnell wie moeglich weiter nach Pingyao zu fahren, da Taiyuan alles andere als schoen sei;   eine Industriestadt. Doch leider kommt es immer anders als man denkt. Im Ticket Office erhielt ich nur noch ein Ticket fuer den Zug um 12:21 Uhr, selbstverstaendlich ohne Sitzplatz, worauf ich mich wieder ziemlich ab dem chinesischen Zugsystem nerven durfte.

Zuerst kurvte ich mit  meinem Koffer noch etwas in der Naehe des Bahnhofs herum, wo ich nach mehrmaligem Nachfragen dann endlich eine Handy-Aufladekarte kaufen konnte. Leider konnte ich das Geld aber nicht auf mein Handy ueberweisen, da die Erklaerungen (man muss anrufen) nur in Chinesisch waren.

So ging ich dann zurueck ins Bahnhofsgebaeude, wo ich im Wartesaal ein Buch lesend auf meinen Zug wartete. Wiedereinmal wurde mir bewusst, wie unhoeflich die Chinesen teilweise sind – selbstverstaendlich wurde ich die ganze Zeit angestarrt (Grund: Auslaenderin, jung und alleine) und wenn es darum geht, die Tickets vorzuweisen und dann zum Perron zu gehen,dann sind die Chinesen Weltmeister im Draengeln und Druecken und dies, ohne sich zu entschuldigen.

Mein Zug hatte 10Minuten Verspaetung und ich quetschte mich mit anderen Maennern in den Gang (bei der Tuere), da ich ja keinen Sitzplatz hatte. Es war aeusserst unangenehm, denn ausgerechnet dort durfte geraucht werden und so vertrauenwuerdig sahen die Maenner auch nicht gerade aus. Und es war heiss und dreckig, wie immer in so alten Zuegen. Ganz besonders muehsam fand ich aber,dass es keinerlei Ansagen gab ueber die naechste Haltestelle, weshalb ich mich an die Mitreisenden wenden musste.

Gegen 14 Uhr war ich dann endlich in Pingyao angekommen, dessen Bahnhof etwa so gross ist wie der in Hasle-Ruegsau. Ich machte mich sogleich auf den Weg und kaufte mir am Schalter ein Zugticket fuer meine Rueckreise von Pingyao nach Taiyuan,diesmal sogar mit Sitzplatz.

Anschliessend fragte ich jemanden um Hilfe  wegen meinerHandyaufladekarte, damit ich mein Hostel fuer den Free Pick-Up anrufen konnte. Einige Sekunden nach dem Gespraech tauchte ein alter Mann auf, dermich mit seinem Fahrrad scheinbar abholen wollte. Da ich dem Ganzen nicht traute, rief ich noch einmal im Hostel an und wie ich vermutet hatte, war dies nicht die richtige Person.  Ein zweiter Mann tauchte dann auf und er liess mich auf seinem Handy mit dem Typ vom Hostel sprechen.

Er war mit einem Gefaehrt da,das aussieht wie ein Toeffli mit Sitzbaenken hintendrauf. Aeusserst unbequem, wenn es darum geht, auf einer unebenen, holprigen  Strasse zu fahren. Endlich angekommen, konnte ich mein Bett in einem 3erDorm, den ich mir mit einem franzoesischen Paerchen teile, in Empfang nehmen.

Als ich spaeter noch am Ueberlegen war, was ich denn tun koennte, sprach mich in der Lobby ein Franzose an, ob ich ihre Karte von Pingyao moechte, da sie heute Abend weiterreisen wuerde. Ich verbrachte dann mit ihm Matthieu, und seiner Freundin Perrin den Rest des Abends, die ganze Zeit Franzoesisch sprechend!

Zuerst  machte ich einen kurzen Spaziergang durch die Altstadt und um ehrlich zu sein, war ich etwas enttaeuscht, denn es hat  enorm viele chinesische Touristen hier und jedes einzelne alteHaeuschen ist mit Souvenirstaenden vollgestopft. Praktisch alle Chinesen koennen ein paar Brocken Englisch und ich bin noch nie so vielen Auslaendern ueber den Weg geloffen wie hier. Es ist mir zu kommerziell.

Zudem hatte ich nach ca. einer Stunde das Gefuehl, bereits alles gesehen zu  haben. Diese Ansicht teilen viele andereTouristen auch. Den restlichen Abend verbrachte ich deshalb bei einem gemuetlichen Abendessen mit meinen franzoesischen Freunden und schliesslich draussen vor unserem Hostel plaudernd.