Taxifahren

Da ich die letzten paar Tage praktisch täglich Taxi gefahren bin, hier einige Feststellungen und Tipps meinerseits:

- Taxifahren in Beijing lässt sich teilweise nicht umgehen, da die letzte U-Bahn meist bereits vor 23 Uhr fährt. Zudem befinden sich einige Reiseziele ausserhalb des U-Bahn-Netzes. Es heisst übrigens, dass alle Ausländer immer Taxi fahren, dies ist mitunter ein Grund, weshalb man als Ausländer dann in der U-Bahn angestarrt wird, da es ja eben eher ungewöhnlich für Ausländer ist, mit einem so günstigen Verkehrsmittel zu fahren.

- Taxifahren in China ist sehr günstig. In Beijing beträgt der Grundtarif 10Yuan (ab 22Uhr aber 11Yuan) für die ersten drei Kilometer, jeder weitere kostet 2Yuan. Zusätzlich kommt seit Neustem auf den Gesamtbetrag am Schluss noch 1Yuan fürs Benzin. In kleineren Städten beträgt der Grundtarif meist 5 oder 6Yuan und jeder weitere Kilometer unter 2Yuan.

- In kleineren Städten kann es vorkommen (gemerkt in Luoyang), dass die Taxifahrer unerfahrene und der chinesischen Sprache nicht mächtigen Ausländer übers Ohr hauen möchten, indem sie das Taxometer nicht einschalten. Man sollte sie dann hartnäckig darum bitten. In Beijing habe ich bisher keinen Taxifahrer erlebt, der nicht von selbst das Taxometer eingeschaltet hätte. Dasselbe gilt, wenn sie das Ziel nicht kennen – die meisten Taxifahrer in Beijing geben dies zu und sagen einem, dass man jemand anderen fragen soll.

- Um ein Taxi anzuhalten stellt man sich am besten irgendwo an den Strassenrand und streckt die Hand waagrecht von sich, also so, als ob man jemanden zu sich winken möchte, allerdings mit den Fingern nach unten.

- Für Ausländer empfiehlt es sich, die Adresse des gewünschten Ziels in Chinesisch dabei zu haben, denn kein Taxifahrer spricht Englisch. Ebenfalls schreibt man sich am besten noch die Telefonnummer des Ziels (falls Hotel) auf, damit man allenfalls dort anrufen und das Handy dem Taxifahrer weiterreichen kann, falls er Probleme hat, das Gewünschte zu finden. Den meisten Taxifahrern sind aber Sehenswürdigkeiten und anderes, das Ausländer oft aufsuchen ein Begriff.

- Taxifahrer arbeiten durchschnittlich 12 Stunden pro Tag falls sie sich das Taxi mit einem anderen Fahrer teilen. Der eine beginnt um 5 Uhr morgens und beendet seine Schicht um 17 Uhr und der andere danach. Taxifahrer, die alleine ein Auto haben, arbeiten scheinbar bis zu 15 Stunden pro Tag.

- Taxis sind in Beijing vor allem gelb-grün. Daneben gibt es noch sogenannte “schwarze Taxis” (die teilweise wirklich schwarz sind), also illegale Taxis. Es ist aber davon abzuraten, sich in ein solches zu setzen, da man hierbei mit dem Taxifahrer über den Preis verhandeln muss, da es kein Taxometer gibt. Zudem verlangen diese meist mehr.

- Ich habe gehört, dass wenn man alleine ist, sich nicht auf den Beifahrersitz setzen soll, aus welchem Grund auch immer. Tatsache ist, dass ich aber schon beides gesehen habe. Üblich aber ist, wenn man zu zweit ist, sich hinten reinzusetzen. In einigen Taxis gibt es zwischen dem Fahrer und dem Beifahrer eine Trennwand, in einigen muss sich der Taxifahrer sogar wie in einem Gefängnis aufgrund eines Gitters fühlen (gesehen in Luoyang), in Beijing sind aber die meisten Taxis wie normale Autos ausgestattet.

- Meine bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass nur die wenigsten Taxifahrer einen ansprechen, besonders nicht wenn man zu zweit ist. Die meisten hören Radio und die Fahrt verläuft, abgesehen von allfälligen Richtungsweisungen, schweigsam zwischen Fahrer und Passagieren. Dennoch glaube ich, dass sehr viele Fahrer froh sind, wenn man sich mit ihnen unterhält, denn 12 Stunden schweigsam in Beijing herumfahren ist nun wirklich nicht interessant. Natürlich gibt es Taxifahrer und Taxifahrer und jeder kann mal einen schlechten Tag haben. Mit Hana habe ich mich mit allen drei Taxifahrern unterhalten und alle waren sehr erfreut, sich mit uns zu unterhalten und haben sehr viel gesagt und viele Wörter benutzt, die wir nicht kannten, was aber irgendwie trotzdem klappte. Gibt man dem Taxifahrer beim Einsteigen zu verstehen, dass man der chinesischen Sprache zumindest ein bisschen mächtig ist, ist es sogar wahrscheinlicher, dass man angesprochen ist. Das Gespräch dreht sich dann meist darum, woher man kommt und was man in Beijing macht.

- Und nun noch zum Fahrstil: Dieser lässt sich keinenfalls mit dem uns bekannten aus der Schweiz vergleichen. Es scheint so, als ob es hier in Beijing keine Regeln gäbe wie man fahren darf. Generell gesagt geht es nicht so gesittet wie bei uns zu und her (es gibt übrigens auch keinen so grossen Verkehrsschilderwald wie bei uns), dafür aber sind alle Autofahrer jederzeit auf ein unerwartetes Manöver ihres Vordermanns gefasst, was in der Schweiz wohl eher selten ist. Mir ist aufgefallen, dass praktisch alle Taxifahrer auch wenns eben ist, die Handbremse anziehen wenn sie vor einer Ampel halten müssen. Der Sicherheitsgurt wird selten umgelegt (ist aber Vorschrift für den Fahrer und den Beifahrer) und Blinken ist auch bloss ein unnötiger Handgriff wenn man die Spur wechseln möchte. Ansonsten ist nahezu alles erlaubt: Falls man die Autobahnausfahrt verpasst hat einfach den Rückwärtsgang einlegen und zurückfahren, waghalsige Überholmanöver sind Tagesordnung, Sicherheitslinien ist auch ein Fremdwort, an einer Kreuzung schnell eine 360Grad Wendung machen auch keine Seltenheit – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Ab und zu habe ich wirklich ganz schön Angst, so wie die Chinesen fahren. Für Fussgänger besonders gefährlich ist die Regel, dass bei Grün die Autos auch rechts abbiegen dürfen!

- U-Bahn fahren ist eine gute Alternative zu Taxifahren und kostet in Beijing nur 2Yuan pro Strecke, egal wo man hinfährt. Praktisch alle Sehenswürdigkeiten sind ans U-Bahn-Netz angeschlossen und einigermassen bequem zu erreichen. Leider ist besonders zu Stosszeiten (ca. ab 15-19 Uhr) vor allem Linie 1 überfüllt, was wohl auch ein Grund dafür ist, weshalb viele Ausländer lieber Taxifahren. Zudem muss man teilweise häufig Linie wechseln, was immer in einem Fussmarsch von praktisch 1km endet.

- In China bin ich zum ersten Mal Taxi gefahren und ich fühle mich schon ein wenig stolz, dass ich dies mittlerweile auch alleine hinkriege, also die Taxifahrer mich verstehen und ich ihnen auch erklären kann, dass sie geradeaus fahren müssen, oder dass sich meine Uni in der Nähe der Chuanmei Daxue befindet.