Kino
Kino – Ein weiterer Punkt auf der Liste der Dinge, die ich noch nie gemacht habe. Zusammen mit dem chinesischen Germanistikstudent Gabriel fuhr ich deshalb am Sonntagmorgen um 8 Uhr mit dem Taxi nach Sanlitun zum Kino Solana, das sich in einem kleinen Quartier teurer Geschäfte befindet, “verborgen” hinter einem Tor. Dummerweise standen wir dann vor geschlossener Türe, worauf wir erfuhren, dass der Film erst um 10 Uhr beginne. So gingen wir dann in das nicht weit entfernte Starbucks etwas trinken. Ich habe dabei wieder gemerkt, dass es mir sehr schwer fällt, mit einer Person in einer anderen Sprache zu sprechen als ich es mir gewohnt bin. Er wollte, dass ich etwas Chinesisch spreche, doch seit ich ihn kenne, haben wir immer nur auf Deutsch kommuniziert, weshalb ich nicht umstellen konnte, weil es mir komisch vorgekommen wäre.
Kinobesuche sind in China sehr, sehr teuer, was wohl daran liegt, dass sich die meisten Leute die neusten Filme einfach als billige Raubkopie auf der Strasse für 5-10Yuan kaufen. Da es keinen Studentenpreis gab, mussten wir je 120Yuan (~20CHF) bezahlen, was selbst für Schweizer Verhältnisse viel ist. Einige andere Filme kann man zu einem Preis von ca. 60-70Yuan anschauen gehen, chinesische Filme sind sogar teilweise nur 20Yuan. Wie man’s von unseren Kinos kennt, gab es auch hier einen Bildschirm auf der Empfangstheke, wo man sich seinen Sitzpatz aussuchen konnte. Sehr verwundert hat mich, dass die gesamte letzte Reihe noch frei war, auch die Sitzplätze in der Mitte.
Betrat man das Kino, traf man gleich auf einen sehr modern eingerichteten Empfangsraum mit der Kasse. Insgesamt wirkte es auf mich ein bisschen wie in einem Luxushotel. Komischerweise war es verboten, im Innern Fotos zu machen. Da wir uns nichts zu essen gekauft haben, weiss ich gar nicht, ob und was es überhaupt gegeben hätte. Nach dem Ticketkauf fuhren wir mit einer Rolltreppe nach unten, wo sich 7 Kinosäle befanden, wieder alles wunderschön modern eingerichtet, mit vielen gemütlichen und schönen Sofas. Unser Kinosaal war verhältnismässig klein, vielleicht etwa 250 Sitzplätze und keiner der Sitzplätze befand sich ausserhalb des Bildschirms, so dass man auch vom äussersten Platz noch eine gute Sicht hatte. Die Sitze waren gemütlich und hatten Flaschenhalterungen auf der Seite.
Wir schauten uns den Film “Avatar” in 3D an, wofür wir eine normal aussehende Brille und kein Taucherbrillengestell wie zu Hause erhielten. Eigentlich interessierte mich der Film nicht besonders, nachdem ich mich kurz über die Story im Internet informiert hatte und die eher negativen Kritiken darüber gelesen hatte, aber da ich unbedingt mal im Kino gewesen sein wollte, ging ich mit. Der Film wurde in Originalton, also Englisch gezeigt, dazu mit chinesischen Untertiteln. Dumm war nur, dass die Figuren zwischendurch in ihrer speziellen Navi-Sprache miteinander kommunizierten und ich davon kein Wort verstand, da es dafür nur chinesische Untertitel gab. Zwar konnte ich ab und zu Zeichen erkennen und den Sinn dann erraten, aber die Sätze verschwanden zu schnell wieder. Wie in deutschen Kinos üblich gab es auch hier keine Pause. Etwas ungewohnt fand ich, dass einige Leute neben mir zwischendurch SMS schrieben (scheint hier nicht unüblich zu sein) und Gabriel ging auch mal raus, da er einen Anruf erhalten hatte. Ich persönlich hasse es, auch nur eine Minute eines Films zu verpassen.
Scheinbar ist “Avatar” ein echter Hit in China/Beijing. Zumindest laut Gabriel, der eigentlich zuerst in ein Kino in Guomao gehen wollte, wo aber bereits zwei Stunden vor Filmbeginn unzählige Menschen anstanden. Es ist hier nur VIP Members möglich, Billette zu reservieren. In dem Kino, in dem wir waren, gehen anscheinend – laut Gabriel – vor allem Ausländer hin. Ich war aber die einzige Ausländerin, weshalb ich wohl einige verwunderte Blicke auf mich zog, vielleicht aber auch weil ich alleine mit einem Chinesen unterwegs war. Der Kinosaal war auch nur knapp zur Hälfte gefüllt, was ich auf die Uhrzeit zurückführe.
Gabriel und ich hatten es gerade noch in die 9:35 Uhr-Vorstellung geschafft und wohl die ersten paar Minuten des Filmes verpasst, Werbung/Trailer gab es komischerweise keine. Der Film an sich hat mir dann doch ziemlich gut gefallen, auch wenn die Story natürlich gleich zu Beginn klar war. Ich war mir zu Beginn allerdings nicht sicher, ob die Menschen real oder nur animiert sind. Der 3D-Effekt war für diesen Film besser geschaffen als beispielsweise für Ice Age 3, da viele Szene so noch realer wirkten.
Danach fuhren wir mit dem Taxi wieder zurück und assen im muslimischen Restaurant zu Mittag. Später traf ich mich dann noch mit meiner Sprachpartnerin Katharina, um mich von ihr zu verabschieden. Sie schenkte mir einen “Milk Tea” mit “Wheat”-Geschmack, der so einen komischen Geschmack hatte, dass ich ihn nicht trinken und darum ausleeren musste. Es gibt wirklich komische Dinge in China…
Am Abend machte ich mich dann mit Hana mit dem Taxi auf den Weg nach Sanlitun, wo wir uns im Persischen Restaurant “Rumi” mit ihrer chinesischen Kollegin Amy und deren Freundin trafen, das von aussen komplett in Weiss gehalten ist und von innen auf mich sündhaft teuer (für meine Lebensverhältnisse) wirkte. Es scheinen sehr viele Arabisch sprechende Leute dieses Restaurant zu besuchen, was wieder der Speisekarte zu entnehmen ist. Die Fuwuyuan waren schick gekleidet und sprachen alle mehr oder weniger gut Englisch. Ich finde es äusserst interessant hier in Beijing ab und zu in etwas teurere Restaurants (für chinesische Verhältnisse) zu gehen, die ich mir in der Schweiz wohl nie leisten könnte.
Es sollte eines der drei Abschiedsessen von Hana werden, weshalb schliesslich auch noch der holländische Ex-Freund von Amy, ein deutsches Pärchen und Sara und Isabel hinzukamen. Ich bestellte mir “Vegetarisches Kebap” für 52Yuan, was aus einer Unmenge Reis und gebratenem Gemüse am Spiess (aber ohne Spiess serviert) bestand. Das Essen schmeckte lecker, auch wenn es etwas viel war. Unsere Gesamtrechnung (für 9 Leute mit teilweise Vorspeise und Salat) belief sich auf knapp 1000Yuan, was ungefähr 140CHF entspricht.
Anschliessend verabschiedeten Hana, Sara, Isabel, Amy und ich uns von den anderen und gingen wieder in die nicht weit entfernt gelegene Bar “The Smugglers”, wo wir uns bis Mitternacht Frauengesprächen hingaben und schliesslich mit dem Taxi müde nach Hause fuhren.
