Nara

Nach 19 Uhr (also drei Stunden Zugfahrt) kam ich dann endlich in Kyobate (Nara) an. Es war schon ein wenig dunkel und es war ein sehr kleiner Bahnhof, bei dem es um diese Zeit auch keinen Bahnhofsvorstand mehr gab. Die Wegbeschreibung auf Hostelworld war sehr ungenau (5 Minuten vom Bahnhof) und als ich aus dem Bahnhofsgebäude trat musste ich erkennen, dass es vier Strassen gab, die vom Bahnhof abbzweigten! Ich ging mal geradeaus, beschloss nach 100m dann aber doch, die alte Frau vor mir nach dem Weg zu fragen. Sie kannte zwar mein Guesthouse, wusste aber nicht genau wo es sich befindet. Japaner sind aber so nett, dass sie nicht einfach wie bei uns sagen “Tut mir Leid, ich weiss es nicht.” und dann weglaufen, sondern SIE suchen dann jemanden, der weiss, wo sich der gesuchte Ort befindet. Sie gab mir also zu verstehen, genau an diesem Platz zu warten und ging in eine Garage jemanden fragen. Ich finde dies echt nett und dies sollte bei uns in der Schweiz auch einfach selbstverständlich sein!

Ich quatschte dann den einen Typen im Hostel an, der sich als Yves aus Deutschland vorstellte. Wir plauderten eine Weile, bis der Guesthousebesitzer zu uns kam und uns fragte, ob wir auch zu einem Tempel mitkommen wollen, denn er fahre zwei Japanerinnen dorthin. Also fuhren wir dorthin und hatten eine einigermassen gute Aussicht auf die Stadt Nara bei Nacht. Später plauderten Yves und ich noch bis 23 Uhr, bis der Besitzer dann kam und das Licht löschen wollte. Japanische Guesthouses sind zwar immer sehr besonders (alte Häuser, Gastfreundschaft), aber irgendwie manchmal auch etwas mühsam, denn es gibt teilweise komische Regeln (in diesem Lichterlöschen um 23 Uhr und das Hostel verlassen zwischen 10 und 16 Uhr), das Kochen ist eingeschränkt (nur Mikrowelle, kein Kochherd) und es gibt nie Türen zwischen den einzelnen Zimmern (Sicherheit nicht gross).

Am nächsten Tag sollte es laut Wetterbericht regnen, was ich natürlich sehr schade fand. Yves wollte sich dann mir anschliessen und so mieteten wir uns ein Velo und besuchten ein paar Tempel und den ursprünglichen Palast im Westen der Stadt. Anschliessend fuhren wir auch noch zum Nara Park mit den vielen Rehen und dem 20 Meter hohen Buddha im einen Tempel. Die Rehe sind wirklich überall und es gibt sehr viele von ihnen! Es gibt sogenannte “Deer Crackers”, die man für 150 Yen kaufen kann. Auch ich habe mir ein Pack gekauft und wurde dann förmlich von den Rehen angegriffen/gefressen. Die Rehe haben zwar gelernt, die Verkäufer nicht zu belästigen, doch sobald man vom Verkaufsstand wegtritt wird man umzingelt. Einige Rehe sind wie in Miyajima auch so hungrig/gierig, dass sie beinahe alles fressen würden. Leider regnete es die ganze Zeit und vor allem in Strömen, was wirklich echt nicht angenehm war. Wir gingen rasch was einkaufen und fuhren dann doch schon um 15 Uhr ins Hostel zurück. Anschliessend sifften wir etwas rum, was allerdings etwas mühsam war, weil ich einen Laptop hatte und Yves nicht und ihm wohl langweilig war und ich ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich mich nicht mit ihm unterhielt.

Später abends liess der Regen dann zwar nach, aber ich hatte keine Lust mehr rauszugehen. Wir lernten dann noch Adam (England) kennen, der sogar im gleichen Hostel in Osaka und Hiroshima war wie ich und sich an mich erinnerte. Wir unterhielten uns und irgendwann kam dann ein 27-jähriger Japaner zu uns (an den Computer), der schon seit geraumer Weile eine ganze Flasche von 25% japanischem Soju am Trinken war und uns die ganze Zeit Fragen auf Japanisch stellte und dann lachte. Es war äusserst schhräg und komisch. Es begann damit, dass er Adam fragte, woher er komme und dann wissen wollte, welche Drucker in England hergestellt werden und wie teuer die Tintenpatronen sind! Mich fragte er irgendwann, woher ich komme und hielt mir keine zwei Minuten später das Handy hin, sein Freund sei dran, der könne sehr gut Englisch, weil er (der betrunkene Japaner) wolle wissen, woher ich komme. Dann plötzlich zeigte er mir Fotos von seinen zwei Töchtern (4 und 7 Jahre alt) und ich verstand die Welt nicht mehr. Es war ein sehr komisches Erlebnis!

Heute Morgen stand ich um 7 Uhr auf und obwohl Yves gesagt hatte, dass er dann mit mir nach Kyoto fahre mit dem Zug, wollte ich noch rasch (weil heute ist es sehr sonnig und warm) ein wenig Nara erkunden, weil ich noch praktisch gar nichts gesehen hatte. Ich konnte ihm auch nicht sagen, welchen Zug ich genau nehmen werde und hinterliess ihm einfach einen Zettel. Vielleicht etwas frech, aber ich hatte gerade Lust, wiedermal alleine unterwegs zu sein. Ich lief dann noch etwas durch den Naramachi District, sah mir noch einen bekannten Tempel an und fütterte noch einmal die Rehe, die diesmal noch aufdringlicher waren. Als ich zurückkam, war das ältere Ehepaar (Besitzer) bereits am Putzen, Yves war verschwunden und mein Zug schon abgefahren. Ich nahm dann den Bus zum Bahnhof von Nara und konnte mich mit meinen abgelaufenen JR Pass in den Zug schmuggeln…

Hiroshima

Obwohl ich nie einen Tag frei nehme und einfach im Hostel vor mich hin “plöischle”, stand ich auch heute wieder sehr früh auf und packte mein Zeug zusammen. J-Hoppers hat noch ein Schwesternhostel gleich beim Bahnhof. Zusammen mit der Französin Elsa fuhr ich dann zu diesem Hostel, wo wir unser Gepäck abladen konnten.

Anschliessend ging ich zu Fuss den kurzen Weg zum Shukkeien Garten, der auch sehr hübsch angelegt ist. Dort traf ich dann noch den einen Typen aus meinem Hostel, der aus Ghana kommt, aber in Amerika lebt. Da das Wetter einigermassen okay war, gab es auch wieder sehr viele Paare, die für ein Hochzeitsshooting im Kimono in den Park kamen. Die Kimonos sind wirklich wunderschön! Wir machten dann ein paar Fotos von ihnen.

Danach spazierte ich alleine weiter zum Schloss von Hiroshima, wo ich noch einer Schulklasse begegnete, die gerade am Picknicken war. Alle Kinder trugen eine Uniform, hatten aber unterschiedlich farbene Hüte auf (aber sassen getrennt). Ich fragte die eine Lehrerin nach dem Grund und sie erklärte mir, dass sie alle einer anderen Klasse, abhängig vom Alter des Kindes, angehören. Ich sprach dann auch noch mit einem kleinen Mädchen, das fünf Jahre alt war und somit zu den Grössten gehörte. Echt süss! Ich frage mich ja, weshalb europäische Babys/Kleinkinder so hässlich aussehen, asiatische aber echt süss??!

Ich besuchte dann den Peace Memorial Park mit dem A-Bomb Dome und schliesslich auch noch das Museum. Ich bin normalerweise überhaupt kein Museumsfan, aber dieses war wirklich mehr als eindrücklich! Ich hätte richtig Lust, ein paar Kraniche zu falten und diese dann dort im Park auszustellen.

Ich holte dann mein Gepäck im Hostel ab und ging zum Bahnhof. Da ich auf der Anzeigetafel nur die superschnellen Shinkansenzüge Nozomi sah, die ich mit meinem JR Pass nicht nehmen darf, ging ich zur Information, wo mir eine junge Angestellte mit ein paar Brocken Englisch meine Züge nach Nara herausschrieb. Derzeit fahre ich gerade mit dem Shinkansen Sakura zurück nach Shin-Osaka…

Onomichi

Gestern Abend in der Common Area beim Essen habe ich den Schweden Joachim kennen gelernt, der derzeit für 9 Tage alleine in Japan herumreist. Da ich vorgehabt hatte, heute nach Onomichi zu fahren, fragte er mich, ob er auch mitkommen dürfe. Damit war ich natürlich einverstanden, denn ab und zu ist Gesellschaft ganz nett. Zudem haben wir herausgefunden, dass wir uns bereits in Miyajima begegnet sind; als ich den Berg hochkraxelte, kam er mir beim seinem Abstieg entgegen.

Heute Morgen um 08:30 Uhr trafen wir uns also in der Lobby und fuhren dann mit dem Tram zum Bahnhof von Hiroshima. Dort nahmen wir den Shinkansen nach Mihara, wo wir in einen Lokalzug umstiegen für eine Station und dort angekommen noch einmal in einen anderen Lokalzug umstiegen, der uns nach Onomichi brachte.

Onomichi ist vor allem bekannt für seine vielen Tempel, weshalb es auch einen sogenannten “Tempel Walk” gibt, der beim Bahnhof beginnt und entlang der 30 Tempel führt. Des Weiteren gibt es auch wieder ein Schloss, das auf einem Hügel über der Stadt trohnt. Eigentlich könnte man auch noch Velos mieten und von Onomichi aus über ca. zehn kleine Inselchen auf die Insel Shikoku fahren. Dies hätte aber zu viel Zeit in Anspruch genommen, da der Veloweg ca. 70 Kilometer lang ist. Wir entschieden uns deshalb dafür, den Tempel Walk zu machen und anschliessend noch ein Elektrovelo zu mieten uns so viele Inselchen zu befahren, wie wir können.

Der Tempel Walk führt am Hang entlang durch viele enge Gässchen, die von hübschen Häuschen gesäumt werden. Es wirkt so typisch japanisch! Die Tempel selbst sind leider nichts besonders und darum haben wir auch ein paar ausgelassen. Nach kurzer Zeit (die Distanzen zwischen den einzelnen Tempel waren sehr klein) erreichten wir auch schon die Kreuzung zum Observatorium hinauf. Dort angekommen, hatten wir einen guten Blick auf die Stadt und genossen ein Glacé mit Sakura-Geschmack (Kirschblüten).

Nach ein paar weiteren Tempeln begegneten wir noch einem netten japanischen Pärchen, das auf Fototour war. Später entdeckte Joachim, dass an der High School wohl irgendwas Besonderes los sein muss (es war notabene Sonntag), da ein Auto nach dem anderen dorthin fuhr. Da wir sowieso nichts anderes vorhatten, beschlossen wir dies auszukundschaften, da wir gerne an einem Event beigewohnt hätten. Wir sahen, dass es in den Klassenzimmern Schüler hatte und ihre Eltern vor oder im Schulzimmer standen. Auf der Suche nach jemandem, der Englisch spricht, sahen wir die Parkplatzanweiserin und versuchten unser Glück mit ihr. Zu unserem grossen Erstaunen sprach sie perfektes Englisch. Sie erklärte uns, dass heute alle Eltern in die Schule kommen und dem Unterricht beiwohnen, damit sie sehen können, wie sich ihr Kind so schlägt. Die Schüler haben deshalb auusnahmsweise am Sonntag Unterricht, kriegen dafür aber am Montag frei. Joachim wollte dann wissen, ob wir da auch zuschauen dürften. Die Frau meinte, wir könnten ja sonst mal in ihre Klasse im zweiten Stock reinschauen. In ihrer Klasse gäbe es ausserdem einen Schweizer Austauschschüler. Ich war völlig baff und erklärte ihr, dass ich auch aus der Schweiz komme. Wir verabschiedeten uns dann und gingen in den zweiten Stock. Diese Schule ist etwas komisch aufgebaut, denn das Gebäude ist auf der einen Seite ganz offen. Das heisst also man läuft sozusagen auf dem Balkon entlang zum Klassenzimmer und geht dann dort zur Türe rein. Die Türe hinten stand offen und wir guckten von der Seite hinein, da wir niemanden stören wollten. Es gab ca. 40 Schüler, natürlich in Uniform, und die Eltern standen zu hinterst. Die hintersten zwei Reihen der Schüler bemerkten uns und begutachteten uns mit erstaunten Blicken. Nach ein paar Minuten gingen wir dann auch wieder und beim Weglaufen bemerkte uns der Schweizer Schüler dann, der gleich beim Fenster/Türe vorne sass. Auch er sah sehr erstaunt aus.

Joachim und ich schlossen dann den Temple Walk ab und gingen pünktlich auf die 13:15 Uhr wieder zurück zur Schule, da uns die Englischlehrerin gesagt hatte, dass dann die Schüler Pause hätten. Wir warteten also im Gang. Ein wenig später ertönte dann auch der Gong und ein paar Schüler strömten uns entgegen. Alle schauten uns wieder ganz erstaunt an, kicherten teilweise, sprachen uns aber nicht an. Als der Schweizer plötzlich auftauchte, sprach ich ihn gleich auf Schweizerdeutsch an und er war wortwörtlich geschockt! :) Er konnte es kaum glauben und nach einer kurzen Erklärung wusste er dann auch, was wir hier machen. Als er erfuhr, dass Joachim aus Schweden ist, sprach er (Oliver) ihn auf Schwedisch an und es stellte sich heraus, dass er halb englisch-halb schwedisch ist. Wir waren alle drei erstaunt und konnten es kaum glauben. Dann tauchten plötzlich seine japanischen Gasteltern auf, die dachten wir seien Freunde aus der Schweiz und einige japanische Klassenkameraden hielten uns scheinbar für seine Eltern oder Cousins. Echht lustig! Plötzlich kam dann noch ein blonder Englischlehrerin aus England die Treppe hinunter und eine deutsche, blonde Austauschschülerin erschien plötzlich hinter mir. Ich glaube für die japanischen Schüler war das Chaos/Verwirrung komplett, aufgrund von fünf blonden Europäern. Wir quatschten dann ein wenig, aber kurz darauf war die Pause auch schon zu Ende.

Gemeinsam mit Tom, dem Englischlehrerin, verliessen wir dann die Schule und er gab uns noch eine Empfehlung für ein Ramen-Restaurant und ein Café, das seine englischssprachigen japanischen Freunde leiten. Daraufhin schlenderten wir gemütlich Richtung Bahnhof zurück und Joachim genoss dann die Ramen-Spezialität aus Onomichi (leider nicht vegi).

Nach dem Essen machten wir uns auf die Suche nach dem Café, weil wir die Öffnungszeiten wissen wollten. Wir spazierten durch die ziemlich lange Shopping-Arkade. Es kamen uns plötzlich sehr viele Schüler auf Velos entgegen. Der Besuchstag war also wohl zu Ende.

In einem der Schülerrudel entdeckte ich auch Oliver, der natürlich mit seinen blonden Haaren herausstach. Ich rief seinen Namen und er hielt bei uns an. Wir plauderten dann eine Weile stehenend über sein Leben als Austauschschüler. Er ist zwar erst seit drei Wochen (glaube ich) hier, denn das Schuljahr in Japan beginnt in April, nicht wie bei uns im August/September. Seine Schule (wie alle japanischen Schulen) scheint sehr streng zu sein, es gibt viele Regeln und man wird in der eigenen Freiheit wirklich stark eingeengt. Die Schule ist mitverantwortlich für die Erziehung des Kindes. Oliver erzählte uns, dass seine Mitschüler jede Woche aufschreiben müssen, wie viele Minuten sie nach der Schule noch lernen. Unter der Woche werden zwei Stunden empfohlen und am Wochenende vier Stunden pro Tag. Man würde ja jetzt als Schweizer Schüler denken, da könnte man doch einfach lügen und irgendwas hinschreiben. Aber nein, die japanischen Schüler sind wohl sehr gewissenhaft und ehrlich. Ein Mitschüler habe an einem Tag irgendwie nur 110 Minuten aufgeschrieben und darunter schrieb seine Lehrerin dann, dass das nicht genug sei. Dabei muss bedenkt werden, dass jeder Schüler einem Club angehört, der nach dem Unterricht noch bis 20 Uhr dauert. Der Club ist darum das ganze Leben der Schüler und in den Clubs bilden sich darum auch Freundschaften. Des Weiteren müssen seine Mitschüler angeben, was sie täglich nach dem Unterricht machen; also beispielsweise 18:00 – 18:30 Uhr Abendessen, 18:30 – 21:00 Uhr lernen etc! Das gleicht wirklich schon Überwachung und da wird es auch schnell verständlicher, weshalb viele Jugendliche dann am Wochenende versuchen aus den sozialen Normen auszubrechen (mittels Cosplay) und weshalb es so viele Selbstmorde gibt hier in Japan! Erstaunlicherweise scheinen die Jungs extrem schüchtern zu sein, während die Mädchen schon eher auf alle (also die Jungs) zugehen. Oliver scheint bei den Japanerinnen anzukommen, scheinbar kennt ihn die ganze Schule (kein Wunder) und viele Schülerinnen, die vorbeifuhren, kreischten förmlich seinen Namen und winkten “hysterisch”. Ein paar Mitschüler hätten ihm zudem angeboten, dass Oliver ihre Freundinnen haben könne???! Daneben ist es so, dass die Jungs untereinander keine Berührungsängste haben; da hat man schnell einen Arm um die Hüfte etc!

Ich fand es jedenfalls sehr spannend, hatte aber auch ein wenig Mitleid mit ihm, da seine Mitschüler derzeit im Prüfungsstress sind und auch sonst eigentlich nie Zeit haben (bei Clubaktivitäten bis 20 Uhr und lernen), was mit ihm zu unternehmen. Joachim wollte sich dann von ihm verabschieden und meinte, dass wir ihn nicht aufhalten wollen. Oliver antwortete, dass er ja nichts vorhabe. Ich weiss nicht, ob Joachim bloss falsch verstanden hat, dass heute keine Clubaktivitäten stattfinden, oder ob er ihn tatsächlich loswerden wollte. Da ich ihn nett fand und generell finde, je mehr desto besser, lud ich ihn ein, doch mitzukommen. Nun ist es aber so, dass er (noch nicht 18) hier keinen Alkohol trinken darf und auch nicht in einer Bar gesehen werden darf, die Alkohol ausschenkt. In seiner Schuluniform und mit Velo fanden wir das Café dann gleich darauf und stellten uns beim Besitzerpärchens als Freunde von Tom, dem Englischlehrer, vor. Es war ein süsses Café, das wohl in einer Einfahrt Sand ausgeschüttet und einen Holztisch hingestellt hat. Ich bestellte ein Chai, das zwar selbst gemacht war, aber anders schmeckte als ich es kenne. Oliver trank eine Cream Soda, echt lecker, aber ungewohnt!

Plötzlich erschien dann auch noch Olivers Gastmutter, die auch Englischlehrerin ist, ein älterer Japaner mit schlechtem Englisch und ein Franzose, der mit einer Japanerin verheiratet ist und ein Musikinstrument namen Mbira aus Simbabwe spielt. Den Rest des Nachmittages bis 18:30 Uhr verbrachten wir dann nicht wie geplant mit einer Velofahrt, sondern gemütlich draussen bei diesem Café sitzend und plaudernd. Angewandte Sprachen waren Englisch, Japanisch, Französisch, Schwedisch und Schweizerdeutsch! Ich fand es sehr toll und auch wenn ich von der Stadt selber nicht viel gesehen habe, war es doch ein besonderes Erlebnis! Ich habe neue Menschen, ein neues schön klingendes Musikinstrument kennen gelernt und bin in Kontakt mit Japanern gekommen.

Gegen 19 Uhr fuhren Joachim und ich dann glücklich, aber müde (wohl wegen Miyajima am Tag zuvor) nach Hiroshima zurück.

Miyajima

Hier in J-Hoppers Hiroshima bin ich im Female Dorm, wo ich auf ausgelegten Tatamimatten schlafe. Morgens wurde ich ziemlich früh von der Sonne geweckt. Um 8:30 Uhr fuhr ich dann mit dem Tram zum nächsten Bahnhof und von dort aus mit dem Zug nach Miyajimaguchi. Dort angekommen, wartete ich auf die nächste JR-Fähre (es gibt noch eine Konkurrenzgesellschaft), die mich zum Ort Miyajima auf der Insel bringen sollte. Die Fähre war sehr gross und obwohl die Überfahrt nur 10 Minuten dauerte, gab es auf der Fähre genügend Plätze. Was ich an Japan so mag: egal welchen Zug man nimmt, die Sitze der zweiten Klasse sind immer sehr komfortabel, sehr gut gepolstert und weich und vor allem eins: sauber! Bei der SBB ist dies ja leider nicht immer so.

Zusammen mit enorm vielen Japanern verliess ich die Fährstation  und traf gleich nach ein paar Metern auf frei herumlaufende Rehe. Diese sahen sehr süss aus, waren aber sehr gefrässig. Nichts war sicher vor ihnen: einer Frau bissen sie einen Teil ihres Papiersackes weg, mich verfolgten sie aufgrund meiner Banane und mein Plastiksack wurde auch angeknabbert! Es gibt zwar Schilder, die darauf hinweisen, dass dies wilde Rehe sind und nicht gefüttert werden dürfen, aber die Rehe sind sich schon einiges gewohnt (gehen nicht weg wenn Leute kommen) und sehr frech, was Essen angebelangt.

Leider wird das berühmte rote Tori, welches vor dem Itsukushima Schrein im Wasser steht, derzeit repariert, weil es bei irgendeinem Unwetter im April Schaden genommen hat. Deshalb ist es derzeit eingepackt. Man kann zwar durch die Planen hindurch das Tori erkennen, aber auf Fotos sieht es einfach nur hässlich aus.

Miyajima scheint echt vom Tourismus zu leben: es gibt eine sogenannte Shoppingarkade, in welcher praktisch ein Souvenirshop neben dem anderen steht (mit fast gleichem Angebot), abgesehen von ein paar Läden, die die Spezialität Miyajimas herstellen (man kann dabei zusehen) und verkaufen; Kleingebäck in Ahornform, gefüllt mit Bohnenpaste/Mandeln/Schoggi etc. Es schmeckt einigermassen gut. Ahorn scheint das Markenzeichen von Miyajima zu sein und entsprechend gibt es alles mögliche damit zu kaufen; meist sind auch Hello Kitty mit Ahornblatt und andere bekannte Charaktere nicht weit weg.

Nach einem kurzen Spaziergang entlang des Meeresufers habe ich mir dann den buddhistischen Tempel “Daisho-In” angesehen. Ein wirklich fazinierender Tempel, der sehr viele kleine Steinfiguren, Jizos und anderes bietet! Einer der Tempel, die mir bisher am besten gefallen haben.

Da das Wetter so schön war, beschloss ich dem einen Wanderweg hinauf zum Mount Misen zu folgen, um eine schöne Aussicht zu haben. Der Aufstieg sollte 90 Minuten für 2.6 km in Anspruch nehmen, was ich aber erstaunlicherweise ziemlich deutlich unterbot. Es war allerdings ein sehr anstrengender Aufstieg, da der Weg praktisch nur aus Steintreppen (teils auch betoniertem Pfad) bestand.

Auf der Spitze angekommen, lief ich dann zum Observatory. Gerade unterhalb des Observatory gab es noch einen Tempel, wo man also wieder beten konnte. Ich habe eine zweigeteilte Meinung zur Religion hier. Einerseits denke ich, dass es meinen Vorstellungen eher entspricht, andererseits geht es scheinbar auch nur ums Geld. Also es ist eine reine Geldmacherei, habe ich manchmal das Gefühl. Denn zum Beten wirft man eine Münze in eine Truhe, oder man kauft sich ein Orakel oder so ein Holzdings, wo man seine Wünsche drauf schreiben und aufhängen kann etc. Ich frage mich echt, wie viel Geld die Tempel pro Tag einnehmen!

Auf dem Weg zum Observatory gab es sehr viele riesengrosse Steine! Das Observatory selbst bestand aus einem 3-stöckigen rostigen Gebäude. Zu unterst gab es einen kleinen Kiosk, wo man sich was kaufen konnte. Ich bewunderte also die Aussicht (man sah von 360° alles!) und legte mich später noch ein wenig in die Sonne. An diesem Ort gab es übrigens auch ein Reh!

Um 14:30 Uhr machte ich mich dann an den Abstieg. Eigentlich war ich ja so kaputt, dass ich am liebsten mit dem Gondeli runtergefahren wäre, aber zum einen kostete dies 1000 Yen und zum anderen dachte ich, es wäre gut den Wanderweg nach Momijidani zu nehmen. Leider stellte sich heraus, dass dieser nur aus steinernen, grossen Treppenstufen bestand und darum ziemlich in die Knie ging. Nach einer Stunde war ich dann aber endlich unten und besuchte noch Itsukushima Schrein und die Five-stories Pagoda.

Ich denke, japanische Wanderer sollten von anderen Asiaten ziemlich einfach zu unterscheiden sein:

- sie sind meist auch dann noch sehr stilvoll gekleidet (Schuhwerk kann alles mögliche beinhalten; von Schuhen mit Absätzen über Wanderschuhen bis hin zu normalen Sandalen)

- viele der alten Japaner sind noch sehr fit und laufen ohne Probleme den Berg hoch

- man grüsst einander freundlich

- viele tragen einen modischen Hut, um sich von der Sonne zu schützen

- und ganz wichtig: die meisten tragen so ein kleines Tuch mit sich rum, mit welchem sie sich den Schweiss abtrocknen können.

Und es hat zwar nichts damit zu tun, aber die Japaner scheinen nur tiefe Velos zu haben oder dann Damenvelos. Dies gilt auch für Männer, die aber die tiefen Velos (hoher Sattel) zu bevorzugen scheinen.

Nach 17 Uhr habe ich die Insel dann verlassen. In Hiroshima habe ich im FamilyMart mein Busticket von Kyoto nach Fukuoka abgeholt, welches ich mir am Abend zu vor auf einer japanischen Website gekauft hatte, und mit einem Schweden und einer Deutschen beim Abendessen geplaudert.

Kobe

Gemäss meinem ursprünglichen Plan, den ich bereits in der Schweiz angefertigt hatte, hätte ich eigentlich noch einen vollen Tag für Sightseeing in Osaka eingeplant gehabt. Ich stand wieder ziemlich früh auf, checkte aus und fuhr mit dem Zug nach Osaka, wo ich mir den “Floating Garden” anschauen wollte, ein riesiges Gebäude bestehend aus zwei Türmen, die zuoberst miteinander verbunden sind. Zuoberst gibt es auch ein Observation Deck, das den Namen Floating Garden trägt. Ich weiss aber nicht, ob es dort oben wirklich einen Garten gibt, oder ob der Namen einfach aufgrund ein paar Pflanzen so gewählt wurde. Leider war ich noch viel zu früh dran und darum war der Eingang gesperrt.

Spontan beschloss ich, nach Kobe zu fahren. Als ich eine halbe Stunde später dort ankam war ich erst etwas verwirrt, weil sich herausstellte, dass die meisten Sehenswürdigkeiten wohl nicht direkt bei der Station Kobe, sondern bei der Station Sannomiya liegen. Nichtsdestotrotz trieb ich ein paar Karten auf und machte mich auf den Weg zum Hafen, wobei ich einen grossen stählernen Giraffen und eine Statue von Elvis Presley passierte. Häfen finde ich immer etwas Faszinierendes, denn das gibt es bei uns ja nicht. Hier am Hafen gab es auch ein Riesenrad und den bekannten roten Turm “Kobe Port”. Ich erreichte schliesslich Chinatown von Kobe. Dies war sehr interessant, denn es zeigt, wie die Japaner China sehen; es gab einen Tempel auf einem Platz, viele chinesische goldene und rote Lampions und alle Restaurants boten in etwa dasselbe an: Baozi (einige in Form süsser Schweinchen), chinesische Gerichte (entweder viel teurer als in China oder ein wenig japanisiert) und dazu Bubble Tea (Tapioka Drink). Die Strasse war allerdings sehr kurz und da ich das wahre China kenne, folgte ich einer Shoppingstrasse bis zum Bahnhof von Sannomiya. Auf meiner Karte entdeckte ich dann, dass es nördlich des Bahnhofs noch ein ehemalig europäisches Viertel mit vielen Häusern, einschliesslich einem holländischen Haus mit Windmühle gibt. Da ich Windmühlen toll finde, beschloss ich noch dorthin zu laufen. Auf der Karte war allerdings nicht ersichtlich, dass es so stark den Hügel hochgeht. An diesem steilen Hügel befanden sich zahlreiche südeuropäische Bauten. Das ganze Quartiere liess mich an Spanien oder Portugal denken (so wie ich es mir vorstelle). Um die Häuser von innen und teilweise auch aussen zu sehen, wäre ein Pass nötig gewesen, doch dieser war mir mit 2000 Yen einfach zu teuer, dafür dass ich ja Europäerin bin.

Nach diesem Aufstieg und einer guten Übersicht über die Stadt kehrte ich dann zurück nach Osaka. Im Hostel habe ich mein aufbewahrtes Gepäck abgeholt und mich dann noch von Kyohei verabschiedet. Kyohei arbeitet im Hostel und war vor drei Jahren mal für drei Monate in Italien und kann darum Italienisch (ziemlich gut!) und fand es toll, mit mir ein paar Worte auf Italienisch wechseln zu können. Zum Abschied umarmte er mich sogar! Ich traute meinen Augen kaum – in China wäre so was ja unvorstellbar! Im Moment sitze ich gerade im Shinkansen Sakura nach Hiroshima.

 

Okayama und Kurashiki

Eigentlich hatte ich diesen Tagesausflug ja für jenen Tag geplant, wenn ich mit dem Zug nach Hiroshima fahre, damit ich sozusagen nicht einmal vergebens Zug fahre. Ich habe mich aber umentschieden, weil ich so wenigstens ohne mein schweres Gepäck nach Okayama fahren konnte.

Ich stand früh auf und fuhr schliesslich um 7:45 Uhr los und traf kurz vor 9 Uhr mit dem Shinkansen Sakura in Okayama ein. Seit ich hier in Japan bin und nun schon ein bisschen weiss, wie es funktioniert, habe ich mich vor Ort mit Kartenmaterial eingedeckt. An den meisten touristischen Orten gibt es zudem überall in der Stadt Wegweiser und Karten, die man konsultieren kann. Eine halbe Stunde später war ich beim Schloss von Okayama angelangt, welches auch wieder ein Nachbau (um 1966 rum) ist. Es hatte um diese Zeit praktisch keine Leute und so kaufte ich mir ein Kombiticket mit dem Korakuen Park und genoss die Aussicht von der Spitze des Schlosses.

Anschliessend überquerte ich den Fluss und besucht den schön, nach “Themen” angelegten Park Korakuen. Der Korakuen Garten in Okayama und der Kenrokuen Garten in Kanazawa zählen zu den schönsten Gärten in Japan. Der Garten war ein wenig anders als der Kenrokuen in Kanazawa; viel flacher und viele offene Wiesen, die man allerdings nicht betreten durfte. Das ist das einzige, was ich an diesen japanischen Gärten kritisieren kann; dass man nicht vom Pfad abweichen darf, aber eben, dafür gibt’s ja dann Parks. Zudem wird der Wald hier in Japan sich selbst überlassen (es hat Laub auf dem Boden) und wird nicht so blank geputzt wie in China.

Ich wanderte etwas herum, als mir plötzlich ein hübsch, traditionell gekleidetes junges Paar entgegen kam. Gefolgt von einem Fotografen und zwei Mitarbeiterinnen wurden an diversen Orten Fotos gemacht. Erst war ich nicht sicher, ob es sich – wie in China – nur um ein Fotoshooting für ein Magazin handelt, oder ob die beiden wirklich verheiratet sind/heiraten werden. Gerade als ich den Park verlassen wollte, kam mir ein zweites Paar entgegen; er in etwa dem gleichen Kleid wie der Mann vorher, sie aber in einem komplett weissen Kimono mit einer riesigen “Haube” auf dem Kopf. Die beiden sahen unglaublich toll aus, wie aus einem Film entsprungen. Ich folgte den beiden und durfte dann sogar noch ein Foto mit ihnen machen! Später sah ich noch zwei weitere Paare.

Vor dem Ausgang beim Stempeln meines Infoblattes über den Garten (die Japaner spinnen darauf; an jedem touristischen Ort gibt es einen speziellen Stempel mit dem Wahrzeichen) lernte ich einen pensionierten Japaner kennen, der als Freiwilliger Leute im Park rumführt. Sein Englisch war ziemlich okay. Lustig finde ich ja, wie unterschiedlich Chinesen und Japaner reagieren wenn ich sage, dass ich Schweizerin bin. Die Chinesen: Uhren! Die Japaner: schöne Landschaft und Berge! Jedenfalls plauderten wir dann etwas zusammen und er erklärte mir, dass er freiwillig 3x im Monat Leute rumführt; hier im Garten, im Schloss und noch an einem anderen Ort. Es gibt sehr viele solche Leute in Japan. Ich finde dies eine sehr gute Freizeitbeschäftigung für alte Leute, welche man bei uns auch einführen sollte! Er war vor dreissig Jahren auch schon mal in der Schweiz gewesen und fährt nun jedes Jahr ca. für 2 Wochen in die Ferien, mehr Geld hat er nicht. Es war echt härzig mit ihm zu plaudern.

Da ich nicht genau wusste, wie ich zu Fuss zum Startpunkt meiner Veloroute komme, lief ich wieder zurück zum Bahnhof und nahm dort die Kibi-Linie (hört sich so süss an) nach Bizen-Ichinomiya, wo ich mir für 1000 Yen ein Velo mietete. Die Velos hier in Japan scheinen alle Eingänger zu sein, doch wenigstens war dies ein gutes Velo mit einem schön gepolsterten Sattel. Die nächsten drei Stunden verbrachte ich dann damit, den ca. 16km langen Veloweg durch die Kibi Highlands abzufahren. Dieser führte mich an ein paar Tempeln vorbei, sowie vor allem durchs ländliche Japan! Das war sehr schön und auch das Wetter war angemessen. Leider war die gezeichnete Karte, die ich beim Veloverleih erhalten hatte, nicht so klar, aber der Weg war dafür immer gut ausgeschildert!

Gegen 17 Uhr fuhr ich mit dem Zug von Soja (leider “Sodscha” ausgesprochen) nach Kurashiki, wo es einen Kanal und hübsche ältere Häuser gibt. Leider begann es langsam dunkel zu werden und so “rannte” ich rasch in der Stadt rum, machte ein paar Fotos und stieg dann auch schon wieder um 06:07 Uhr in den Zug zurück nach Osaka.

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