Um 7 Uhr morgens war ich endlich in Taiyuan angekommen. Nach einer langen, ungemuetlichen und eher schlaflosen Nacht fuehlte ich mich wie ein “herumirrender Zombie”.
Eigentlich hatte ich geplant, so schnell wie moeglich weiter nach Pingyao zu fahren, da Taiyuan alles andere als schoen sei; eine Industriestadt. Doch leider kommt es immer anders als man denkt. Im Ticket Office erhielt ich nur noch ein Ticket fuer den Zug um 12:21 Uhr, selbstverstaendlich ohne Sitzplatz, worauf ich mich wieder ziemlich ab dem chinesischen Zugsystem nerven durfte.
Zuerst kurvte ich mit meinem Koffer noch etwas in der Naehe des Bahnhofs herum, wo ich nach mehrmaligem Nachfragen dann endlich eine Handy-Aufladekarte kaufen konnte. Leider konnte ich das Geld aber nicht auf mein Handy ueberweisen, da die Erklaerungen (man muss anrufen) nur in Chinesisch waren.
So ging ich dann zurueck ins Bahnhofsgebaeude, wo ich im Wartesaal ein Buch lesend auf meinen Zug wartete. Wiedereinmal wurde mir bewusst, wie unhoeflich die Chinesen teilweise sind – selbstverstaendlich wurde ich die ganze Zeit angestarrt (Grund: Auslaenderin, jung und alleine) und wenn es darum geht, die Tickets vorzuweisen und dann zum Perron zu gehen,dann sind die Chinesen Weltmeister im Draengeln und Druecken und dies, ohne sich zu entschuldigen.
Mein Zug hatte 10Minuten Verspaetung und ich quetschte mich mit anderen Maennern in den Gang (bei der Tuere), da ich ja keinen Sitzplatz hatte. Es war aeusserst unangenehm, denn ausgerechnet dort durfte geraucht werden und so vertrauenwuerdig sahen die Maenner auch nicht gerade aus. Und es war heiss und dreckig, wie immer in so alten Zuegen. Ganz besonders muehsam fand ich aber,dass es keinerlei Ansagen gab ueber die naechste Haltestelle, weshalb ich mich an die Mitreisenden wenden musste.
Gegen 14 Uhr war ich dann endlich in Pingyao angekommen, dessen Bahnhof etwa so gross ist wie der in Hasle-Ruegsau. Ich machte mich sogleich auf den Weg und kaufte mir am Schalter ein Zugticket fuer meine Rueckreise von Pingyao nach Taiyuan,diesmal sogar mit Sitzplatz.
Anschliessend fragte ich jemanden um Hilfe wegen meinerHandyaufladekarte, damit ich mein Hostel fuer den Free Pick-Up anrufen konnte. Einige Sekunden nach dem Gespraech tauchte ein alter Mann auf, dermich mit seinem Fahrrad scheinbar abholen wollte. Da ich dem Ganzen nicht traute, rief ich noch einmal im Hostel an und wie ich vermutet hatte, war dies nicht die richtige Person. Ein zweiter Mann tauchte dann auf und er liess mich auf seinem Handy mit dem Typ vom Hostel sprechen.
Er war mit einem Gefaehrt da,das aussieht wie ein Toeffli mit Sitzbaenken hintendrauf. Aeusserst unbequem, wenn es darum geht, auf einer unebenen, holprigen Strasse zu fahren. Endlich angekommen, konnte ich mein Bett in einem 3erDorm, den ich mir mit einem franzoesischen Paerchen teile, in Empfang nehmen.
Als ich spaeter noch am Ueberlegen war, was ich denn tun koennte, sprach mich in der Lobby ein Franzose an, ob ich ihre Karte von Pingyao moechte, da sie heute Abend weiterreisen wuerde. Ich verbrachte dann mit ihm Matthieu, und seiner Freundin Perrin den Rest des Abends, die ganze Zeit Franzoesisch sprechend!
Zuerst machte ich einen kurzen Spaziergang durch die Altstadt und um ehrlich zu sein, war ich etwas enttaeuscht, denn es hat enorm viele chinesische Touristen hier und jedes einzelne alteHaeuschen ist mit Souvenirstaenden vollgestopft. Praktisch alle Chinesen koennen ein paar Brocken Englisch und ich bin noch nie so vielen Auslaendern ueber den Weg geloffen wie hier. Es ist mir zu kommerziell.
Zudem hatte ich nach ca. einer Stunde das Gefuehl, bereits alles gesehen zu haben. Diese Ansicht teilen viele andereTouristen auch. Den restlichen Abend verbrachte ich deshalb bei einem gemuetlichen Abendessen mit meinen franzoesischen Freunden und schliesslich draussen vor unserem Hostel plaudernd.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Sich Nerven und Aufregen! Meine anfaengliche Begeisterung fuer China (siehe Auslandsemester) hat mittlerweile zu so was wie Depression gewechselt.
Ich stand einigermassen frueh auf und genoss als Fruehstueck ein Omelette mit Bohnen, einem kleinen Salat (????) und einem Toastbrot mit Konfi und Butter. Anschliessend machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof, wo ich natuerlich gleich mal den falschen Ausgang erwischte. Schlussendlich stand ich dann doch noch in der Tickethalle. Ein Angestellter half mir, meine Zugtickets nach Wuxi zu buchen, was auch nicht gerade einfach war. (siehe Erklaerung des chinesischen Zugsystems in frueheren Eintraegen) Fuer Qingdao gab es nur noch eine Auswahl, die mich 309 Yuan kostete, was ich ganz okay fand. Spaeter stellte sich dann allerdings heraus, dass ich ein Ticket ohne Sitzplatz ergattert hatte. Sehr angenehm bei einer Zugfahrt ueber 10 Stunden!
Als ich morgens das Hostel verlassen hatte, war es drueckend heiss und “tueppig”, weshalb ich etwas geschockt war, als ich aus der Expo-Station trat und mich stroemender Regen begruesste. Bei solchem Wetter macht das Herumlaufen und Pavillons bewundern natuerlich keinen Spass. Ich hielt mich mehrheitlich im Trocknen auf, wagte mich aber irgendwann doch noch ins Nasse und besuchte einige wenige, unbeliebte Pavillons, die schnell Zugang erlaubten. Schliesslich besuchte ich dann wieder den Schweizer Pavillon, doch die Sesselbahn blieb wegen des schlechten Wetters ausser Betrieb. Ich unterhielt mich deshalb etwas mit der anderen Tessinerin und durfte feststellen, die frech einige Chinesen oder generell Expo-Besucher sind. Einige Auslaender versuchten es mit “Wir sind Schweizer” durch den VIP-Eingang reinzukommen. Viele Chinesen kamen mit alten Leuten, mit jemandem im Rollstuhl oder mit kleinen Kindern angerannt, in der Hoffnung, so reingelassen zu werden. Mir wuerde die Arbeit dort wahrscheinlich nach einem Tag abloeschen, da die Leute immer wieder dasselbe fragen oder auf die gleiche Art und Weise versuchen reinzukommen.
Um 18 Uhr war ich dann wieder zurueck im Hostel, fuhr aber gleich wieder zum Hauptbahnhof, um mein Ticket von Wuxi nach Shanghai umzutauschen, da ich wohl sonst erst um Mitternacht in Shanghai sein wuerde. Ich stellte mich an den Umtausch-Schalter in die Warteschlange und erfuhr dabei von anderen wartenden Chinesen, dass mein Ticket nach Qingdao ohne Sitzplatz ist. Super. Mein Ticket nach Wuxi konnte ich umtauschen – meinen schlechten Chinesischkenntnissen sei dank – aber fuer Qingdao gibt es auch die naechsten Tage keine Tickets mehr. Ich muss mich also damit abfinden, dass ich in einem Zugabteil eingequetscht mit Chinesen, stehend 10 Stunden verbringen muss. Baeh.
Anschliessend fuhr ich noch in die Fuzhou Street, wo ich mir in einem kleinen Buecherladen das gefaelschte Buch “Marley and Me” kaufte. Die Auswahl war aeusserst klein, was anderes liess sich nicht finden.
All dies und das unfreundliche Verhalten einiger Chinesen hat mich heute sehr genervt und enttaeuscht, so dass ich jetzt etwas lustlos bin. Zudem versuche seit einer Stunde, wenigstens meine Mails abrufen zu koennen, aber auch das funktioniert nicht.
Ich habe heute die ultimative Anleitung zur Unterscheidung von Chinesen und Suedkoreanern erarbeitet: Sind die jungen Personen modisch top angezogen (fashionable) und schlank bis sehr duenn, dann handelt es sich mit 90% Sicherheit um Suedkoreaner. Sie sie etwas dicklicher, scheren sich nicht besonders um Mode und erscheinen etwas ungepflegter, dann handelt es sich wohl um Chinesen. Ich weiss, ist nicht gerade eine nette Einteilung, aber ich habe heute viele Leute gesehen, auf die das zutrifft.
Entschuldigung, meine Reiselust ist gerade an einem Tiefpunkt angelangt…
Wieder nach einer kurzen Nacht, stand ich heute nach 7 Uhr auf und packte alles zusammen. Als ich meine dreckigen Kleider am Dienstag abgegeben hatte, erhielt ich mein Badetuch nicht zurueck (war Jun auch passiert) und zudem war das Buero erst um 9 Uhr geoeffnet, was ich etwas muehsam fand. Gluecklicherweise fand ich per Zufall mein Badetuch auf einem Kleiderstaender zum Trocknen vor der geschlossenen Rezeption. Daraufhin ging ich noch bei Dunkin’ Donuts Waffeln einkaufen und Geld abheben. Um meinen Flug auch sicher nicht zu verpassen, liessen ich das Checking-Out einfach sein, da es sowieso nichts zu uebergeben gab.
Ich verabschiedete mich von Jun, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe. Um 9 Uhr sass ich endlich in Bus #6002 auf dem Weg zum Incheon Flughafen. Auf der Fahrt musste ich erkennen, dass mir mein Aufenthalt in Seoul riesig gefallen hat und ich am liebsten gar nicht weg wollte. Zum einen hatte ich jeden Tag Neues und Spannendes erlebt und zum anderen ganz nette Leute, wie Jun und Euan kennen gelernt. Ich finde es toll, neue Leute kennen zu lernen und ein Stueck des Lebens zu teilen auch wenn man sich vielleicht nie mehr sehen wird. Jetzt bin ich schon wieder etwas traurig wenn ich darueber nachdenke.
Am Flughafen angekommen, durfte ich erstmal den Check-In bei Korean Air hinter mich bringen und huschte dann flugs zum Postamt, um meine Postkarten aufzugeben. Ich war erstaunt, dass die Briefmarken nur 350 Won (ca. 35 Rappen) kosteten. Nach der Sicherheitskontrolle war ich dann auch schon beim Gate am Warten. Der 1.5h Flug verlief gut und rasch. Erstaunt hat mich, dass auf dieser Kurzstrecke auch ein richtiges Menu serviert wurde. Da es allerdings mit Seafood war, musste ich darauf verzichten. Ich war ausser zwei Maennern die offentlich einzige Westliche.
Die Ankunft in Shanghai war schon fast wie ein Kulturschock. Ploetzlich verstand ich wieder einiges. Nach dem ueblichen Prozedere suchte ich mir den Shuttle Bus, der mich zum Hongkou Football Stadium brachte. Waehrend dieser mehr als 2-stuendigen Fahrt in die Innenstadt Shanghais, musste ich feststellen, dass extrem viel Smog ueber der Stadt hing. Shanghai besteht zudem in den Aussenquartieren aus kleinen Haeuschen, die man fast in Italien finden koennte, aber die dazwischen hochhinaus ragenden Wolkenkratzer, das fehlende Gruen und der Smog machen diesen Eindruck sofort zunichte.
Mein gebuchtes Hostel – Shanghai Koala Garden Hostel – zu finden war einfach, denn ich konnte mich mit meinem Chinesisch gut durchschlagen. Nachdem ich mein Dorm inspiziert (ein Mini-Zimmer im Vergleich zu meinen Hostels in Seoul) und meine Sachen ausgepackt hatte, wollte ich an die Expo gehen. Ueberall in der Stadt verteilt gibt es Infostaende, die von Chinesen bedient werden. Halb Englisch, halb Chinesisch habe ich eine Karte erhalten und erfahren, wo ich Eintrittskarten kaufen kann – in einem “Kiosk”. Ich frage mich ja, wie das Leute, die kein Chinesisch koennen, machen sollen, denn die Verkaeuferinnen schienen kein Englisch zu sprechen.
Mit der U-Bahn fuhr ich dann zum Expo-Gelaende, wo ich eine voellig uebertriebene Kontrolle hinter mich bringen musste: ich musste mir von meinem Pomadenstift an die Lippen schmieren, um zu beweisen, dass es nichts toedliches ist…?! Als ich dann hinaustrat und zum ersten Mal das Gelaende sah, war ich geschockt: es ist riesig und deckt sicher mehrere dutzend Kilometer! Das Thema der Expo, an der jedes Land einen Pavillon hat, dreht sich um Umweltschutz, weshalb beispielsweise auch umweltfreundliche Busse verkehren – “Better City, Better Life!”
Die folgenden Stunden bis abends um 21 Uhr verbrachte ich damit, mir die meisten Pavillons von aussen anzusehen, da mich die langen Warteschlangen abschreckten. Einige wenige Pavillons habe ich aber doch besucht: den der chinesischen Provinzen, den Schweizer, den Neuseelaendischen, den Tuerkischen und den Ukranischen. Bei den meisten hatte ich aber irgendwie das Gefuehl, dass sie von aussen viel bewundernswerter sind als von innen. Bei den chinesischen Provinzen wurden Dinge ausgestellt, die ich jetzt nicht gezeigt haette oder ich hatte was anderes erwartet.
Wie evtl. bekannt ist, ist der Schweizer Pavillon einer der beliebtesten an der Expo, dies aufgrund der Sesselbahn, die es in dem Pavillon gibt. Darum ist die Warteschlange dort noch einmal laenger und ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, in dieser Hitze irgendwie 2-4h auf den Einlass zu warten. Bei allen Pavillons gibt es aber noch einen restricted Eingang, der fuer Leute mit Rollstuhl (etc.) und VIPs vorgesehen ist. Ich drueckte mich dort beim Eingang herum und erblickte Securitas, die verdaechtig nach Schweizern aussahen. Ich quatschte den einen auf Schweizerdeutsch an – und siehe da, ich wurde reingelassen, einfach so. Ist fuer alle Schweizer so.
Der Schweizer Pavillon ist wie eine Wendeltreppe aufgebaut wo es alle 3m ein Fernrohr hat, wo man ein Bild sieht (bspw. Loetschbergtunnel, SBB), das etwas mit dem Umweltschutz und der Schweiz zu tun hat. Leider war die Sesselbahn aber heute nicht funktionsfaehig, weshalb ich dies auslassen musste. Es gibt auch noch ein Panorama-Video der Alpen und verschiedene Bekanntheiten (unter anderem Camly Rey), die ueber die Schweiz sprechen. Zum Schluss wollte ich mir noch den Souvenirshop ansehen, wo ich ein Maedchen, das draussen “Wache” hielt, anquatschte. Sie war Tessinerin und es stellte sich heraus, dass sie doch tatsaechlich vor zwei Jahren an derselben Uni wie ich in Beijing fuer ein Jahr studiert hat. Unglaublicher Zufall.
In praktisch jeden Pavillon gibt es auch ein dazugehoeriges Restaurant, wo man fuer ziemlich viel Geld, die Speisen des Landes essen kann. Zudem kann man sich (die Chinesen sind verrueckt danach) so ein Pass-Buechlein (sieht aus wie ein Pass) kaufen, in das man sich dann in jedem Pavillon ein Stempel reinmachen lassen kann.
Nach den paar Stunden in der Hitze rumlaufen, war ich natuerlich muede und meine Fuesse taten mir weh, weshalb ich mich auf den Heimweg machte. Zuerst machte ich aber noch einen Zwischenstopp am Bahnhof, weil ich meine Zugtickets kaufen wollte, was aber nicht ging, da die Selbstbedienungsautomaten fuer Zugticket in ganz China bereits geschlossen waren.
Es ist uebrigens ganz komisch; in Seoul sind die Leute sehr “fashionable”, laufen chic herum und sehen meistens gut aus, zumindest im Vergleich zu den Chinesen, die irgendwie etwas dreckiger, unhygienischer, aermer und schlecht gekleidet aussehen. Zudem mag ich die Haltung der Suedkoreaner, dass Respekt gegenueber Aelteren und anderen generell wichtig ist; in China sobald die Subway-Tueren aufgehen,draengt jeder rein, ohne Ruecksicht auf andere – ab und zu wird zwar Aelteren Leuten der eigene Platz angeboten, aber haeufig geht es nach dem Prinzip: “Wer zuerst kommt, der hat”. In Seoul habe ich eine Warteschlange fuer den Bus beobachtet: Die Leute haben eine wunderbare Schlange gebildet wie aus dem Bilderbuch. Fazit: Chinesen sind etwas “more rude”.
Ungern musste ich heute Morgen aus dem tolle Guesthouse Seoulwise auschecken, da kein freies Bett mehr verfuegbar war. Gluecklicherweise hatte sich herausgestellt, dass das andere Hostel, welches ich gebucht hatte, sich gerade gegenueber der Subwaystation Hongik University befand und somit nicht besonders weit entfernt war.
Da ich heute geplant hatte, den Koreaner Chae, den ich an der Erwai kennen gelernt habe, in Jeonju (mehr als 200km suedlich von Seoul) zu besuchen, stand ich frueh auf und war etwas nach 9 Uhr im anderen Hostel. Dieses befand sich direkt ueber dem Dunkin’ Donuts-Shop in einem Hochhaus im 3. Stock, nur per Lift erreichbar. Es wirkt somit etwas wie ein Hotel, da noch andere Wohnungen oder Geschaefte in diesem Gebaeude untergebracht zu sein scheinen.
Als erstes suchte ich die Rezeption auf, die laut Zettel ab 9 Uhr geoeffnet sein sollte, doch die Tuere war abgeschlossen, weshalb ich klingelte. Nach einer Weile oeffnete eine gemaechliche, aeltere Frau die Tuere, begleitet von zwei kleinen schwarzen Pudeln. Ich war eigentlich im Stress und wollte schnellstmoeglich einchecken, um danach nach Jeonju fahren zu koennen, doch die gute Frau “befahl” mir, ein paar Minuten zu warten und so durfte ich ihr dabei zusehen, wie sie ihre Huendchen liebkoste, aufs Klos ging und die Fensterlaeden etc. oeffnete. Als sie sich dann endlich mir zuwandte, ging das Ganze schnell vonstatten und ich konnte einfach meinen Koffer dort lassen, da sie ihn dann spaeter in mein Zimmer verfrachten wuerden.
So nahm ich dann die U-Bahn und fuhr ca. 1h bis ich mein Express Bus Terminal angekommen war. Dort war ich etwas verwirrt, wo ich hingehen sollte und da gerade eine Auslaenderin an mir vorbeiging, quatschte ich sie an. Es stellte sich dann heraus, dass sie Koreanisch spricht und so half sie mir doch netterweise, mein Busticket fuer 11500 Won (ca. 11 CHF) zu kaufen und ich durfte anschliessend ihr Handy benutzen, um Chae anzurufen, da auslaendische Handys ja nicht funktionieren in Suedkorea.
Ich muss den Suedkoreanern hoch anrechnen, dass bei ihnen alles einwandfrei ablaeuft. Das Ticket hatte ich innert kuerzester Zeit gekauft und konnte fuenf Minuten spaeter den Bus besteigen, da diese alle 10 Minuten verkehren. Zudem ueberpruefte der Fahrer nach der Pause auf dem halben Weg, ob auch alle Passagiere wieder eingestiegen waren. Die Sitze sind uebrigens mit Gurten ausgestattet.
Auf der Fahrt nach Jeonju fiel mir auf, wie dominant die Marken Hyundai, Samsung und Lotte in Suedkorea sind. Die ersteren sind in Suedkorea nicht nur fuer das bekannt, fuer das sie auch bei uns bekannt sind, sondern sie besitzen auch Immobilien, Essen und vieles mehr. Suedkorea ist sehr gruen und eher spaerlich bewohnt und auch ziemlich huegelig. Teilweise erschien es mir etwas wie im Regenwald.
Nach etwas mehr als 2h Fahrt war ich dann in Jeonju, wo ich als erstes Chae per oeffentliches Telefon anrief, da ich keine Ahnung hatte, wohin ich sollte. Es stellte sich dann heraus, dass er bereits auf mich gewartet hatte. Wir begruessten einander (natuerlich nur per Handschlag) und gingen dann zu seinem Auto, das er von seiner Mutter hatte ausleihen duerfen. Er hat die Autopruefung allerdings erst seit Kurzem und hatte aus Versehen an einem ganz dummen Ort geparkt und waere wohl ohne meine Hilfe nicht mehr rausgekommen. Lustig finde ich, dass man auf den chinesischen Strassen eine 180 Grad Drehung machen darf.
Er hatte sich fuer das Auto entschieden, weil es leider in Stroemen regnete, was ich etwas schade fand, da ich eigentlich etwas von der Stadt haette sehen wollen. Laut ihm ist Jeonju eine 600′000 Menschen-Stadt, doch sie wirkt um einiges groesser, ich haette sie auf mindestens ein paar Millionen geschaetzt. Wir fuhren dann zu einem bekannten Restaurant, in dem er allerdings selber noch nie gegessen hatte. Jeonju ist bekannt fuer ein ganz bestimmtes Bibimbap (= to stir rice), welches fuer mich halt ohne Fleisch bestellt wurde. Dazu gab es eine Unmenge an “side dishes”, was in Suedkorea ueblich ist und welche nicht bezahlt werden muessen. Ich fuehlte mich etwas wie ein Alien in diesem Restaurant, da es absolut keine Auslander hatte und auch nicht besonders viele Auslaender nach Jeonju zu kommen scheinen. Im Gegensatz zu den Chinesen, starren die Koreaner einen aber nicht an, sondern werfen vielleicht einen kurzen Blick auf einen und das war’s auch schon.
Bibimbap ist eine Steinschuessel, die am Boden mit Reis bedeckt ist, dieser mit verschiedenen Beilagen. Gemaess dem Namen muss Bibimbap umgeruehrt werden, dies uebernahm Chae fuer mich, da ich nichts falsch machen wollte, weil ich dachte, es gaebe vielleicht eine besondere Technik. Ich fand es dann etwas komisch, dass er sicher 10 Minuten lang mit einem Loeffel mein Essen umruehrte, und das, obwohl ich das geradesogut selbst gekonnt haette. Aber ja.
Nach dem Essen fuhren wir zu einer Kirche und parkten dort. Koreaner sind komischerweise teils recht glaeubig, es gibt sogar Mormonen und viele Christen und Katholiken. Von da aus machten wir uns zu Fuss auf den Weg, um die alten Haeuser, fuer die Jeonju unter anderem bekannt ist, zu betrachten. Unterwegs kaufte er uns noch sein Lieblingsgetraenk: Green Tea Latte. Na ja, mein Geschmack ist es ja nicht wirklich. Die Haeuser hatte ich mir etwas toller vorgestellt, es war nur eine kleine Ansammlung, die etwas verstreut zu sein schienen.
Wir spazierten im Regen etwas herum, machten koreanische Spiele (Ringe ueber einen Stecken werfen), besuchten verschiedene kleine Geschaefte,wo mir Chae einen koreanischen Faecher kaufte, und ich musste an einem Strassenstand von einem eifrigen aelteren Koreaner Alkohol probieren. Zudem besuchten wir noch eine Ausstellung fuer Toepfe draussen im Regen,in denen natuerlich Dinge wie Kimchi gelagert werden.
Danach ging es weiter zu dem Marktviertel in Jeonju, von wo aus wir schliesslich in eine Shoppingstrasse eintraten, wo es unzaehlige westliche Geschaefte hatte. Um 18 Uhr trafen wir uns dann mit seiner Mutter in einem kleinen Restaurant, wo wir zu Abend assen. Sie bestellte kalte Nudeln mit irgendwelchen Zutaten. Die Situation war etwas schraeg fand ich,das Gespraech fand ueber Chae statt. Seine Mutter stellte mir Fragen, schaute mich an und ich musste dann auf Chaes Uebersetzung warten. Um ehrlich zu sein mag ich koreanisches Essen nicht besonders, die kalten Nudeln schmeckten etwas komisch. Nach dem Essen fuhr uns seine Mutter zum Busbahnhof, wo sie mich mit einem kraeftigen und freudigen Handschuetteln verabschiedete. Chae kaufte mir dann mein Busticket und wartete mit mir bis um 20 Uhr der Bus da war.
Die Fahrt zurueck nach Seoul verliess ereignungslos. So spaet am Abend gibt es allerdings nur noch den Luxusbus. Entgegen meiner Befuerchtung trafen wir doch noch frueh genug in Seoul ein und ich rannte zur U-Bahn, um die letzte U-Bahn noch zu erwischen, was mir auch gelang.
Kurz vor Mitternacht war ich dann endlich zurueck in Hongdae, wo ein asiatisches Paerchen sitzend auf dem Boden vor meinem Dorm-Zimmer wartete. Der Junge schien betrunken zu sein und wollte unbedingt das Passwort wissen, mit welchem man die Tuere oeffnen kann. Das Maedchen sagte mir, ich soll sie ihm nicht geben. Ich verstand ueberhaupt nicht, worum es geht. Der Junge trat dann schliesslich aber doch mit mir ein und das Maedchen entschuldigte sich die ganze Zeit, weil sie scheinbar beide in einem anderen Zimmer wohnen und er eigentlich nicht in meines gehoerte.
Ich schmiss meine Dinge auf mein Bett und verliess kurz darauf das Guesthouse bereits wieder, da ich das WM-Spiel anschauen gehen wollte. Der Hollaender aus Seoulwise (das andere Hostel) hatte mir die Beer o’Clock-Bar empfohlen, wo fuer das hollaendische Team gefeiert werde. Es sollte wegen der Zeitverschiebung erst um 3:30 Uhr beginnen, doch ich wollte wenn moeglich noch mit der letzten U-Bahn nach Sinchon fahren.
Diese war jedoch schon geschlossen. Ich quatschte einen Auslaender an, ein Typ aus Tansania, der per Zufall auch nach Sinchon wollte. Vielleicht etwas naiv folgte ich ihm einfach, doch weil wir immer an belebten Strassen liefen, fuehlte ich mich sicher. Er kannte den Weg zum Glueck und so dauerte es nicht lange, und schon waren wir dort.
Wir verabschiedeten uns und ich lief dummerweise in die falsche Richtung, wo ich irgendwann auf eine Gruppe betrunkener Koreaner und Auslaender traf, die ich nach dem Weg fragten. Alle Himmelsrichtungen haetten nach ihren Angaben richtig sein koennen… Ich ging dann wieder zurueck und fand die Bar schliesslich doch schnell.
Die Bar war genauso, wie man sich eine westliche Bar vorstellt, mir kanadischen Barmaennern, einem TV und einem Beamer und vielen Auslaendern. Da ich niemanden kannte, setzte ich mich an die Bar, wo ich nach einer Weile eine Unterhaltung mit zwei Koreanerinnen neben mir begann. Nach 2 Uhr trafen dann Steven, der Hollaender, und Dave, der Kanadier, ein und gesellten sich zu mir.
Ich war auesserst muede und musste zudem noch ein Bier trinken, das mir Steven bestellt hatte, der derweil mit den beiden Koreanerinnen zu flirten versuchte. Der Match war etwas langweilig und ich war echt froh, als er dann endlich ohne Penaltyschiessen zu Ende war. Zudem hatte die deutsche Krake Recht gehabt. Es gab ein paar wenige spanische Fans in der Bar, die sich aber an einer Hand abzaehlen liessen, und darum war die Stimmung auch nicht so grossartig um 6 Uhr morgens.
Da ich so muede war, nahm ich die naechste U-Bahn und fiel schliesslich gegen 7 Uhr endlich ins Bett…
Auch dieser Tag war eigentlich gedacht, alleine zu verbringen. Doch es kommt immer anders als man denkt. Zuerst einmal verschlief ich, da ich aus Versehen den Wecker meines Handys mit Schweizer-Zeit gestellt hatte und nicht jenes, das ich umgeschaltet hatte. Und zweitens fand der Hostelbesitzer, dass ich doch mit Scott, einem Briten, mitgehen koennte, da auch ich noch nicht den Namdaemun Market und den Namsan Tower besucht hatte.
So besuchten Scott, der auf dem Weg ist, ein Officer in der UK-Army zu werden, also den Namdaemun Market, der riesig ist. Dort kann man sich sehr gut verlaufen. Alles was man sucht oder auch nicht sucht, findet man dort. In unterirdischen Labyrinths voller Marktstaende und openair. Ein interessanter Ort zum Shoppen. Doch uns zog es weiter, weshalb wir uns auf die Suche nach dem Namsan Tower machten. Im Namsan Park angekommen beschlossen wir aber aufgrund der enormen Hitze aufs Hochlaufen zu verzichten und nahmen deshalb die etwas weiter entfernte Gondelbahn, die uns hochfuhr. Dort kauften wir uns fuer 8 CHF ein Ticket fuer den Tower, wo wir auf 356 Meter, wenn ich mich nicht irre, Ausblick auf Seoul hatten.
Eine riesige Stadt, getrennt einzig durch den durchquerenden breiten, von den Seoulern geliebten Han-River. Interessant fand ich, dass es rund um den Namsan Tower sehr gruen war (also der Park) und sich von da aus hauptsaechlich tiefgeschossige Gebaeude erstreckten. Erst in der Naehe des Han Rivers und auf der anderen Seite waren massenhaft Hochhaeuser zu sehen. Auch hier natuerlich mit Smog versehen.
Nach bei dieser Hitze anstrengenden Ausflug, fuhren wir mit der Subway zurueck zum Hostel. Spaeter abends ging ich noch die Gegend um die Hongik Universitaet erkunden, wo es auch wieder sehr viele Cafes hatte und kleine Geschaefte, die zum Bummeln einluden. Enorm viele Studenten (eigentlich nur junge Leute) waren unterwegs und scheinen so ihre Freizeit zu verbringen. Den Rest des Abends verbrachte ich dann im Hostel.
Wie mir Hana erst gestern mitgeteilt hatte, fuhr sie heute fuer 4 Tage mit ihrer Familie in die Ferien aufs Land. Somit war ich auf mich alleine gestellt, was aber nicht weiter ein Problem war. Ich mag es zwar nicht besonders, in einem Land zu sein, dessen Sprache ich nicht spreche, aber in Suedkorea – oder zumindest Seoul – funktioniert das gut, weil fast alles in Englisch angeschrieben ist und man sich zur Not auch noch mit Handzeichen behelfen kann.
Gemaess dem netten Hostelbesitzer machte ich mich also auf den Weg, den Gyeongbokgung-Palast anzuschauen. Die Palastanlage erinnerte mich sehr an die Verbotene Stadt in Beijing, da es unzaehlige Tore und Haeuser im aehnlichen Stil hatte. Ein Unterschied war aber, dass beispielsweise die Raeume der Konkubinen sich etwa 500m weiter weg befanden. Das ganze war in einer netten gruenen Anlage gehalten, was etwas realer wirkte, als die chinesische Vorstellung von Natur. Hier traf ich zum ersten Mal auf andere Touristen, denn in Seoul begegnet man Auslaendern eigentlich nur selten. Zwischendurch begann es kurz fuenf Minuten zu regnen, doch es wurde nicht wie ich gehofft hatte etwas kuehler, sondern noch heisser und Regenwald-maessiger. Dies ist sehr muehsam, denn sobald man geduscht hat und man wieder rausgeht, ist man wieder nass.
Nach etwas Sightseeing und da mich Tempel nicht mehr so stark beeindrucken wie zu Beginn in China, verliess ich die Anlage nach einer Weile und folgte dem Weg, der mir der Hostelbesitzer empfohlen hatte. Er fuehrte mich durch schmale Strassen mit lauter Cafes. Dort liess ich mich in einem “Waffles and Coffee”-Shop nieder, in der Hoffnung auf ein Mittagessen, doch die hohen Preise widerstrebten mir und so bestellte ich mir schliesslich nur einen 0.5l “Peach Bubble” fuer 5 CHF. Die Waffeln haetten 8 CHF und mehr gekostet. Als Veggie ist es sehr schwierig in Suedkorea etwas essen zu finden, was ich aber vorher gewusst habe, weshalb ich mich nun meist von einem ausgiebigen Fruehstueck im Hostel, einigen Migros-Crackern und irgendwelchen Getraenken ernaehre. Dies funktioniert gut, da ich bei der Hitze so oder so nicht viel essen koennte.
Etwas gestaerkt ging ich weiter, da ich mir die Hanok Village (alte traditionelle Gebaeude) anschauen wollte, von wo aus ich mich zu einer bekannten Touristenstrasse bewegte, die ich mit Hana auch schon bei Nacht besucht hatte. Dort musste ich vor laufender Kamera kurz koreanischen Studenten ein Interview bezueglich Bekanntmachung von Millionenhohenloehnen und Handys im Schulzimmer geben. Zudem wurde ich dort auch von mir unbekannten Personen fotografiert oder von schuechternen Maedchen gefragt, woher ich komme, nur um dann gleich wieder abhauen. Und dies, obwohl dort das Souvenir-Paradies fuer Touristen ist und sich dementsprechend viele Auslaender dort befinden.
Da der Akku meiner Kamera leer war, machte ich mich um 16 Uhr auf den Weg nach Hause. Nach einer Dusche setzte ich mich dann auf die Dachterrasse und las etwas. Ein Kanadier, einer meiner drei maennlichen Roommates (ich bin in einem 4er mixed dorm), gesellte sich dann zu mir und wir unterhielten uns. Die Gaeste hier im Hostel sind alle sehr nett und ich verstehe mich mit allen sehr gut. Auch der Hostelbesitzer Young, ist ein sehr netter Koreaner, der zu seinen Gaesten und seinem Hostel schaut. Ich und andere erhielten sogar gratis eine Melonen-Glace von ihm!
Nach 10 Uhr machte ich mich dann auf den Weg, eine gratis Show auf dem Seoul Plaza zu besuchen. Derzeit scheinen verschiedene Gruppen (Musiker etc.) ihr Koennen auf dieser Buehne vorzustellen, Openair. Ich hatte beschlossen dorthin zu gehen, weil die heutige Gruppe Taekwondo und Percussion zu machen schien. Als ich eintraf, hatte die Show bereits begonnen. Es wurden einem sogar so weiche Schaumstoffquadrate bereitgestellt, damit man sich nicht direkt auf den Rasen setzen musste. Die Show war grossartig; Junge im Alter von 15-25 Jahren (schwierig zu schaetzen) zeigten ihr Koennen: eine Taekwondo-Gruppe vollfuehrte Kaempfe und zerbrachen mit erstaunenswerten Spruengen in der Luft Aepfel, der Gruppenfuehrer bediente koreanische Trommeln, was auch einfach “awesome” war, eine weitere Gruppe Jungen zeigte Breakdance und Bewegungen a la Moonwalk und zu guter Letzt gab es noch drei Frauen, die schoen angezogen waren und mit Faechern rumtanzten. Eine sehr gelungene 1.5h dauernde Show, die mir sehr gefallen hatte.